Mikroplastik

Unter Mikroplastik versteht man kleine, nicht wasserlösliche Plastikteile. Um als Mikroplastik bezeichnet zu werden, muss ihre Korngröße kleiner als 5 mm sein. Im Gegensatz zu aus Makroplastik entstandenem Mikroplastik weist industriell hergestelltes Mikroplastik von vorn herein eine Korngröße von weniger als einen Millimeter auf. Mikroplastik wird in primäres und sekundäres Mikroplastik unterschieden. Die Mehrzahl der kleinen Partikel besteht aus Polyethylen. Polyethylen ist der weltweit am häufigsten verwendete Kunststoff und besteht aus Kohlenwasserstoffketten.

Primäres Mikroplastik

Als primäres Mikroplastik bezeichnet man industriell hergestellte Mikropartikel für Konsumgüter. Die Korngröße der Teilchen beträgt deutlich weniger als einen Millimeter. Die winzigen künstlichen Partikel aus Plastik kommen in Kosmetika, Wasch – und Reinigungsmittel vor. Mikronisierte Kunststoffwachse in der technischen Anwendung bestehen ebenfalls aus Mikroplastik. Etwa 1 Prozent der Umweltbelastung durch Mikropartikel hat ihren Ursprung in Konsumgütern. 99 Prozent des primären Mikroplastiks stammen aus der industriellen Nutzung.

Mikronisierte Kunststoffwachse in der technischen Anwendung

Kunststoffwachse sind feinpulvrige homopolymere Wachse und für 99 Prozent der Belastung durch Mikroplastik verantwortlich. Die wachsartigen Dispersionen aus Kunststoffteilchen werden zur Beschichtung von Oberflächen und als Trennmittel verwendet. Dazu zählen Lacke und Druckerfarben, Haftvermittler und Heißkleber, Pigmente und Masterbatche bzw. Farbgranulate und Lebensmittelbeschichtungen. 99 Prozent des primären Mikroplastiks in der Umwelt haben ihren Ursprung in der technischen Anwendung.

Sekundäres Mikroplastik

Sekundäres Mikroplastik entsteht aus Makroplastik. Die Bruchstücke bilden sich durch die Zersetzung und Fragmentierung von Kunststoffabfällen. Auf den Straßen entsteht sekundäres Mikroplastik durch den Abrieb der Autoreifen. Studien beziffern die Höhe des durch Abriebs entstandenen sekundären Mikroplastiks auf etwa 14,2 Prozent der gesamten Belastung. Beim Waschen von Kleidung und anderen Textilien aus Chemiefasern werden rund 80 bis 400 Tonnen sekundäres Mikroplastik pro Jahr herausgespült und gelangen auf diesem Weg in die Umwelt. Bei der Weiterverarbeitung von Kunststoffen und bei ihrer Herstellung geht ein bestimmter Anteil an den Pellets, aus dem die größeren Kunststoffteile gefertigt werden, verloren und wird als Mikroplastik in die Umwelt eingetragen.

Zersetzung und Fragmentierung von Kunststoffabfällen

Der größte Teil des sekundären Mikroplastiks stammt von Kunststoffabfällen. Plastikflaschen, Tüten und Verpackungen aus Plastik landen nicht auf dem Müll, sondern direkt in der Umwelt. Durch die Einwirkung der Kräfte von Sonne, Wind und den Gezeiten und durch andere Umwelteinflüsse wird der Plastikmüll mit der Zeit in kleinere Bestandteile zerlegt und verteilt sich in der Umgebung. Etwa 66 Prozent aller sekundären Mikropartikel in der Umwelt sind durch Zersetzung und Fragmentierung von nicht sachgemäß deponierten Kunststoffabfällen entstanden.

Verlust von Pellets

Pellets sind kleine Plastikkügelchen. Sie werden bei der Herstellung und Weiterverarbeitung von Kunststoffen genutzt. Im Produktionsprozess oder während des Transports der Pellets geht ein bestimmter Teil von ihnen verloren. Die plastikverarbeitende Industrie bemüht sich um die Minimierung dieser Verluste. Zu der Wirksamkeit der angewendeten Maßnahmen gibt es bislang keine verlässlichen und aussagekräftigen Studien. Etwa 19,2 Prozent des gesamten sekundären Mikroplastiks stammen aus dem ungewollten Verlust von Pellets.

Fazit – die Hauptquelle des Mikroplastiks

Ein Großteil des Plastiks gelangt in die Umwelt, weil der Plastikmüll nicht sachgemäß deponiert wird. Er wird von den Konsumenten und der Industrie im Meer, an den Straßen oder in der Landschaft entsorgt. Etwa 57 Prozent des in der Umwelt gefundenen Plastiks gelangen auf diesem Weg dorthin. Der Anteil des aus Kosmetika stammenden Plastiks in der Umwelt ist dagegen vergleichsweise gering. Rund 0,07% der Belastung durch Mikroplastik werden von kosmetischen Produkten verursacht. Der geringe Anteil an der Belastung kann und sollte dennoch vermieden werden. Viele Hersteller gehen diesen Weg und arbeiten daran, das Mikroplastik vollständig aus ihren Produkten zu verbannen. Da dies noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt werden konnte, steht den interessierten Konsumenten ein Einkaufsführer zur Verfügung. Weil es oft nur schwer zu erkennen ist, ob ein Produkt Mikroplastik enthält, gibt es eine Produktliste des Bundes. Hier sind die enthaltenen Kunststoffe übersichtlich und nach Produkten geordnet dargestellt: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf
Wie viel Plastikmüll aus Deutschland und dem übrigen Europa in die Flüsse gelangt und ins Meer gespült wird, ist unbekannt. Dazu gibt es keine verlässlichen Studien und die durch Kläranlagen gefilterte Menge an Mikroplastik ist nicht offiziell erfasst.

Der Kreislauf des Mikroplastiks

Durch die Flüsse und durch das direkte Deponieren vor den Küsten oder auf der Hochsee gelangt der Plastikabfall in das Meer. Fische, Meeressäuger und andere Meeresbewohner verfangen sich in den Plastikteilen und Netzen aus Plastik, könne sich nicht befreien und verenden. Viele Meeresbewohner wie Fische, Wale und Meeresschildkröten fressen die Plastikteile, da sie sie nicht von ihrer Nahrung unterscheiden können. Die Kunststoffteile beschädigen oder verstopfen den Darm der Tiere und können nicht von ihnen verdaut werden. Ein Teil der Meeresbewohner stirbt. Die Plastikteile belasten den Stoffwechsel der Fische, Meeressäuger und Schildkröten und können eine unerwünschte hormonelle Wirkung entfalten. Je größer der Meeresbewohner ist, desto höher ist für ihn die Belastung durch Mikro- und Makroplastik. Die großen Meereslebewesen wie Thunfische, Haie und Wale fressen das Mikro- und Makroplastik direkt und nehmen es zusätzlich durch den Verzehr von kleineren mit Kunststoff belasteten Fischen, Tintenfischen und anderen Beutetieren auf. Letztendlich landen die mit Mikroplastik verseuchten Fische auf den Tellern der Konsumenten.

Plastik im Meer

Schätzungen zu Folge enden etwa 6 bis 10 Prozent des weltweit produzierten Plastiks im Meer. Größere Plastikteile werden von den Flüssen ins Meer gespült. Die winzigen durch Abrieb und die wetterbedingte Zersetzung von Plastik entstandenen Teilchen werden durch den Wind vertragen und gelangen bis zu den Polkappen. Sie befinden sich in der Luft und werden durch Regenfälle in die Flüsse, Seen und Meere gewaschen.

Plastik in Flüssen

Zehn Flüsse weltweit sind für rund 90 Prozent des Plastikeintrags in das Meer verantwortlich. Pro Jahr transportieren sie bis zu 4 Millionen Tonnen Mikro- und Markoplastik in die Ozeane. Auf ihrem Weg fließen diese Flüsse durch Ballungsräume und dicht besiedelte Gebiete. Dort ist die Menge an Plastikabfall besonders groß. Acht der zehn für den Plastikeintrag hauptverantwortlichen Flüsse liegen in Asien. Am meisten Plastik spült der chinesische Strom Jangtse oder Jangtsekiang in das Meer. Auf Platz zwei und drei liegen der Strom Indus, der in Pakistan in das arabische Meer mündet, und der chinesische Gelbe Fluss oder Huang He. Afrikas Ströme Nil und Niger befinden sich als einzige nicht asiatische Flüsse unter den Top-Ten der Plastik transportierenden Flüsse. Nicht für alle Flüsse existieren verlässliche Daten. Große Ströme wie die Donau oder der Rhein transportieren im Verhältnis mehr Plastik als kleinere Flüsse.

Trinkwasser

Forscher aus Münster haben bei ihren Studien Mikroplastik in Mineralwasserflaschen entdeckt. In allen 38 untersuchten Marken befanden sich im Mineralwasser Mikroplastik-Partikel. Besonders hoch war der Anteil in den Mehrwegflaschen. Die meisten Pfandflaschen bestehen aus Polyethylen-Therephthalat, das kurz PET genannt wird. Die Forscher nehmen an, dass die gefunden Mikroplastik-Teilchen aus dem Abrieb der Flasche und von den Verschlüssen stammen. Mehrwegflaschen werden bis zu 50 Mal wieder verwendet. Die Forscher gehen davon aus, dass die Innenwände der Flaschen mit der Zeit aufgeraut werden. Das in dem Mineralwasser gefundene Mikroplastik stimmte in seiner Zusammensetzung mit dem Plastik der Flaschen überein. Welche Folgen für den menschlichen Körper zu erwarten sind, kann man heute noch nicht abschätzen. Eine große Ansammlung der Teilchen im Körper dürfte aber in jedem Fall schädlich sein. Die Mengen an Mikroplastik in dem Wasser aus der Leitung dürfte hingegen unbedenklich sein. In Studien wurden im Hamburger und Dortmunder Trinkwasser durchschnittlich 2,5 Mikroplastik-Partikel pro Liter gefunden. Das Wasser aus der Leitung stammt aus Ultrafiltraten oder dem Grundwasser. Der Boden filtert daraus die kleinen Teilchen und das Leitungswasser gehört zu den am wenigsten mit Mikroplastik belasteten Stoffen.

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