Autos zippen statt mieten

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 26.04.11
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In den USA ist das Unternehmen Zipcar an die Börse gegangen. Zipcar bietet in vielen Städten der Vereinigten Staaten die Beteiligung an einer Autoflotte mit entsprechenden anteiligen Nutzungsrechten. Der Börsengang war erfolgreich, das Interesse steigt.

Die amerikanische Firma Zipcar setzt Millionen mit einer Geschäftsidee um, die einmal in Europa erfunden wurde, um Autos ohne Profit zu geringen Nutzungsgebühren zu vermieten. Zipcar betreibt Car-Sharing in den Vereinigten Staaten, ein dritter Weg zwischen dem Autokauf zur Eigennutzung und dem herkömmlichen Autovermietungen. Die Idee kam überall in den USA so gut an, dass Zipcar jetzt erfolgreich an die Börse gegangen ist.

Rasche Ausbreitung in den USA

Das in Europa als sprichwörtlicher alter Hut gelten mag, ist in Amerika immer noch eine neue, sinnvolle und deshalb verlockende Idee. Vor allem in grösseren Städten stehen die Autos in Privatbesitz die meiste Zeit ungenutzt herum, weil man in den Zentren, von New York bis San Francisco, ohnehin keinen Parkplatz finden würde. Und die traditionellen Autoverleiher von Avis bis Hertz fordern meist saftige Preise. Da fiel die Idee auf fruchtbaren Boden, sich an einen Verleiher zu binden, die mehr einem Autoklub gleicht als einer Firma. Man zahlt eine Grundgebührt, dann bucht man online übers Internet stunden oder tageweise und holt das Auto an einem bestimmten Parkplatz ab. Zipcar begann im Jahr 2000 in der Universitätsstadt Cambridge in Massachusetts.

Wie ein Buschfeuer verbreitete sich die Zipcar-Idee danach in ganz Nordamerika. Der Umsatz steigt rasant, aber noch war man nicht in der Gewinnzone. 2007 kaufte Zipcar ähnliche Firmen in Grossbritannien. Heute hat das Unternehmen 540.000 Kunden in 12 US-Städten und London. Ihnen steht eine Flotte von 8000 Autos zur Verfügung.

75 Millionen beim Börsengang

Jetzt ist Zipcar in New York an die Börse gegangen. 175 Millionen Dollar (122 Millionen Euro/157 Millionen Franken) brachte der Börsengang bei Nasdaq. Der Ausgabepreis lag bei 18 Dollar je Aktie, tatsächlich begann der Handel mit 30 Dollar. Und die Notierung hält sich. Auch eine Woche danach lag die Zipcar-Aktie weiterhin bei 29,27 Dollar. „Zwickt mich, ich glaube ich träume, sagte Zipcar-Chef Scott Griffith. „Das war ein Angebot zur richtigen Zeit.“

Tatsächlich ist Zipcar zum Vorreiter eines neuen Geschäftszweiges in den USA geworden. Nach Angaben der Beraterfirma Frost&Sullivan in Boston haben die verschiedenen Car-Sharing-Firmen im Lande einen Gesamtumsatz von 350 Millionen Dollar. Der Sektor soll demnach bis 2016 auf ein Volumen von fast drei Milliarden Dollar anwachsen, mit vier Millionen Kunden.

Die Investoren versuchten, die positive Welle auszunutzen, berichtet Fondsmanager Michael Holland von Holland & Company in New York. „Man macht da nicht das schnelle Geld, sondern erst, wenn die Leute auf Wachstum setzen. Jeder, der dort investiert, muss überzeugt sein, dass das Konzept richtig ist und expandieren kann.“

Es gibt auch kritische Stimmen hinsichtlich der Zukunft von Zipcar. Die Einnahmen der Firma lagen vergangenes Jahr bei 186 Millionen, ein Nettoverlust von 14 Millionen. Das Defizit von Zipcar belief sich auf 65,4 Millionen. Das wird auch durch das beim Börsengang aufgenommene Kapital nicht wirklich verändert. „Wir erwarten auch 2011 noch Verluste“, heisst es im Jahresbericht von Zipcar. Noch sei auch nicht klar, ob man nach 2012 in der Gewinnzone sein werde.

Nicht sicher, aber sicher interessant

Zipcar könnte sich gezwungen seine, die Tarife heraufzusetzen – die derzeit nur bei sieben Dollar pro Stunde liegen – und damit manche Kunden zu verprellen. Andererseits müssen die steigenden Kosten für Versicherungen, Parkplätze, Wertabschreibung und Wartung weitergegeben werden. „Wer da investiert muss stark an das Geschäftsmodell glauben“, schrieb Bill Buhr von Morningstar. „Es ist ganz bestimmt nicht das, was ich eine sichere Anlage nennen würde.“

Steven Syre vom Boston Globe, der ausführlich über die Zipcar-Idee berichtet hat, ist ebenfalls zurückhaltend: „Zipcar ist eine interessante Geschichte und betreibt ein richtiges Geschäft. Aber ich bezweifle, dass es den riesigen Erwartungen gerecht wird, die beim Start darin gesetzt wurden.“

Immerhin werde das an der Börse aufgenommene Kapital ausreichen, um die Schulden von Zipcar zu bezahlen, sagte Griffith. Solange genug Betriebskapital da sei und neue Kunden geworben würden, brauche man nicht sofortige Gewinne, meinte der Firmenchef. „In der Mehrzahl unserer Märke wird jetzt Geld gemacht. Und diese Gewinne nehmen wir, um sie in Wachstum zu investieren.“

Bild: Zipcar

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