Streit um Mittelmeer-Öl

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Geschrieben von: Giacomo Fernando, Valetta 17.01.11
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Das Mittelmeer könnte bald zum Golf von Mexiko Europas werden. In seinem Zentrum werden grosse Öl- und Gasvorkommen vermutet. Fünf Staaten streiten um die Aufteilung der Bodenschätze. Besonders heftig streiten die EU-Mitglieder Italien und Malta sowie Libyen.

Der Ölpreis steigt wieder. Das heizt auch die Spannungen im zentralen Mittelmeer wieder an. Hier, zwischen Tunesien und Italien im Westen, Griechenland im Osten und Libyen im Süden werden grosse Vorkommen an Öl und Gas vermutet, die erst zu einem kleinen Teil ausgebeutet werden. Einige Regierungen haben bereits Unternehmen Konzessionen für die Suche nach den Bodenschätzen erteilt. Das Problem: Die Grenzen auf hoher See sind nicht immer genau abgesteckt.

Keine Spur von EU-Solidarität

Besonders exponiert ist der Inselstaat Malta - in der Mitte der Region gelegen, aber mit nur 400000 Einwohnern der schwächste Teilnehmer im Rennen um die Bodenschätze. Die Solidarität der EU-Mitglieder zählt dabei nicht. So hat die italienische Regierung Konzessionen für die Suche nach Öl und Gas vor den Inseln von Lampedusa, Linosa und Pantelleria vergeben. Die maltesische Regierung protestierte dagegen, da sie die betreffenden Meeresgebiete als Teil seines Kontinentalschelfs ansieht.

EU-Partner Griechenland spielt Malta sogar gegen das Nicht-EU-Mitglied Libyen aus. Athen beansprucht die Hoheit über Meeresgebiete, in denen Malta nach Öl bohren lassen will. Doch statt mit Valetta darüber zu verhandeln, wandte es sich an Tripolis - und machte damit klar, dass es lieber mit Libyen als mit Malta verhandeln will. Bei diesem Streit geht es um ein Gebiet von 8000 Quadratkilometern, dass geologisch sehr ähnliche Merkmale hat wie ein Gebiet vor der libyschen Küste, wo bereits Öl gefunden worden ist.

Libyen warnt Ölunternehmen

Dabei liegen Malta und Libyen schon jetzt im Streit. Die maltesische Regierung hat der kanadischen Heritage Oil und der britischen Leni Gas bereits eine Lizenz zur Suche in einem Seegebiet südöstlich von Malta erteilt. Denn Malta ist begierig, einen Teil des Rohstoffreichtums des Mittelmeeres für sich zu gewinnen - bisher gibt es noch keine Förderung in seinen Territorialgewässern. Libyen aber sieht dieses Gebiet als Teil seines Kontinentalschelfs an und warnte Heritage Oil und Leni Gas, Bohrungen durchzuführen. Der Chef der Nationalen Libyschen Ölgesellschaft, Schukri Mohamed Ghanem, schrieb den Unternehmen, dass sein Land seine Rechte sowohl mit juristischen als auch mit anderen Mitteln verteidigen werde.

Bisher haben beide Unternehmen nur Daten gesammelt. Sie wollen aber Mitte des Jahres mit Bohrungen beginnen. Sie vermuten Milliarden Fass Öl in dem Gebiet.

Gemeinsam Bodenschätze ausbeuten?

Die maltesische Regierung hat ihre Lizenz für Heritage Oil und Leni Gas nochmals bestätigt. Sie hofft, Italien und Libyen zu einer gemeinsamen Ausbeutung der Vorkommen überreden zu können. Damit könnten sich die drei Länder den Gang zum Internationalen Gerichtshof sparen. Dabei kann es auf Erfahrungen mit Tunesien verweisen. Denn auch mit Tunis hatte sich Valetta über die Nutzung der Bodenschätze des Meeres gestritten, während 35 Jahren sogar. Vor fünf Jahren einigten sich beide Länder auf die Bildung einer gemeinsamen Kommission. Diese untersuchte die Möglichkeit, im umstrittenen Gebiet Öl zu fördern. Sie legte den beiden Regierungen auch einen Bericht dazu vor. Dieser Bericht ist aber bis heute nicht veröffentlicht worden.

Der Internationale Gerichtshof hatte 1985 eine Demarkationslinie zwischen Libyen und Malta gezogen, etwas nördlich der Mittellinie zwischen beiden Ländern. Östlich davon streiten sich Libyen und Italien, westlich der Linie beansprucht Tunesien ein Seegebiet für sich. Umweltbedenken spielen in den Streitigkeiten praktisch keine Rolle, der Katastrophe im Golf von Mexiko zum Trotz.

Bild: Mittelmeer (kafenio)

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