Baguette wird Weltkulturerbe

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Geschrieben von: Birgit Holzer, Paris 18.11.10
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Die französische Art, Festessen als ausschweifendes Ritual zu zelebrieren, ist nicht nur legendär, sondern nun auch von der Weltkulturerbe-Organisation Unesco ausgezeichnet. Die Juroren haben das „gastronomische Mahl der Franzosen” auf die Liste der nicht-materiellen Kulturgüter gesetzt.

Das kulinarische Abenteuer beginnt harmlos mit ein paar Knabbereien zum Aperitif, Oliven, Nüssen oder Schinken auf Honigmelone. Weiter geht es mit frischen Austern oder Stopfleber auf Gewürzbrot, Salat mit würziger Vinaigrette, Fisch neben Ratatouille-Gemüse, einer Portion Kartoffelgratin und mit Rotwein getränktem Rindfleischeintopf (Bœuf Bourguignon), jeweils begleitet vom passenden Wein. Es folgt eine Käseplatte mit Camembert, Cantal und Co zu knusprigem Baguette, bevor das Dessert lockt vom Mousse au Chocolat bis zur Crème Caramel. Und dann bitte ein Café. Und, unbedingt, ein Cognac, Armagnac oder eine andere Verdauungshilfe.

Vor der Entscheidung lange Diskussionen

Die französische Art, Festessen als ausschweifendes Ritual zu zelebrieren, ist nicht nur legendär, sondern nun auch von der Weltkulturerbe-Organisation Unesco ausgezeichnet. Die Juroren in Nairobi haben das „gastronomische Mahl der Franzosen” auf die Liste der nicht-materiellen Kulturgüter gesetzt, mit der seit 2003 auch Bräuche und Traditionen geschützt werden. Allerdings seien der Entscheidung lange Diskussionen vorausgegangen, sagte Kristin Kuutma vom Prüfungs-Komitee. Ein japanischer Delegierter habe die Sorge geäußert, französische Luxus-Restaurants in Japan könnten künftig mit der Auszeichnung werben, die doch nicht für kommerzielle Zwecke benutzt werden solle. Deshalb betont die Unesco in ihrer Begründung die „soziale Gewohnheit, die wichtigsten Momente im Leben zu feiern”.

Moderne Küche mit alten Wurzeln

Denn in der Tat bedeutet Essen vielen Franzosen mehr als simple Nahrungsaufnahme. Es gilt als Ausdruck von Lebensgefühl und -freude, von Gemeinsamkeit und Teilen. Alltäglich ist ein ausgeklügeltes Menü zwar nicht. Dennoch sind die Menschen in Frankreich generell bereit, mehr für qualitative, vorzugsweise regionale Zutaten auszugeben. Und wer etwas auf sich hält, begeht Weihnachten oder Silvester, Hochzeiten oder Geburtstage an einer feinen Tafel mit einer opulenten Mahlzeit, die sich über Stunden zieht - wie sonst ließen sich die Berge an Essen auch bewältigen?

Doch die moderne Zeit hat ihre Spuren auch in der französischen Esskultur hinterlassen. Gerade jüngere Franzosen sind große Konsumenten von Tiefkühlkost und Besucher von Schnellimbissen. Weil viele Frauen (und Männer) ganztags arbeiten, bleibt oft keine Zeit fürs Experimentieren in der Küche. Die sinkende Kaufkraft führt zu mehr Bescheidenheit in den Kühlschränken. So soll die Unesco-Bewerbung auf diesen traditionellen Wert hinweisen. Präsident Nicolas Sarkozy verkündete sie persönlich im Februar 2008, weil die französische Küche die beste der Welt sei - „jedenfalls aus unserer Sicht”, wie er noch hinzufügte. Sterneköche wie Paul Bocuse und Alain Ducasse hatten die Kampagne unterstützt. „Unsere Ess-Praxis hat alte Wurzeln und bleibt zugleich sehr lebendig”, sagt Ducasse.

Französisch Essen hält schlank

Das Rätsel, warum die französischen Gourmets im Allgemeinen schlanker bleiben als viele andere Nationen, versuchte das Forschungszentrum Credoc kürzlich zu entschlüsseln. Die Ursache liegt demnach eben in festen Mustern durch drei regelmäßige Mahlzeiten, die Snacks zwischendurch überflüssig machen, so wie sie neun von zehn Franzosen in Gesellschaft bei Tisch einnehmen. Mittags um halb eins sind 57 Prozent von ihnen beim Essen - gegenüber nur 20 Prozent der Deutschen und 14 Prozent der Briten. „Das französische Ernährungsmodell ist eine echte Institution”, schließt das Credoc. Und es hält schlank. Also: Guten Appetit.

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