 Cobiax, der Schweizer Spezialist für leichte, Ressourcen schonende Betondecken, hat den Deutschen Materialeffizienzpreis erhalten. Für Hugo Meier und Karsten Pfeffer ist das ein Argument mehr, um Bauherren, Bauplaner und Bauunternehmer von ihrer Technologie zu überzeugen. Sie spart Beton und damit Energie.
Steffen Klatt: Cobiax hat jetzt den Deutschen Materialeffizienzpreis erhalten. Sind Sie stolz darauf?
Karsten Pfeffer: Wir sind sehr stolz darauf. Wir wissen, dass unsere Technologie materialeffizient ist. Aber es ist sehr viel wert, dass wir das jetzt von einer externen Stelle bestätigt bekommen.
Steffen Klatt: In Deutschland wurde sehr früh wert auf Effizienz gelegt. Gab es eine harte Konkurrenz um diesen Preis? Der Emmentaler unter den Betonsorten Mit der Cobiax-Technologie können tragende Betondecken hergestellt werden, die bis zu 35 Prozent leichter sind. Möglich wird das, indem Hohlkörper aus rezykliertem Plastik in den Beton eingeschlossen werden. Das verringert das Gewicht des Gebäudes, entlastet die Statik und reduziert den Energieverbrauch für den Bau des Unternehmens. Materialkosten des Gebäudes, aber auch toxische Schadstoffe wie CO2 werden um bis zu 10 Prozent verringert. Die Technologie wird bereits in Gebäuden wie dem Sitz der Uefa in Nyon, dem Nationalstadion in Warschau und der Elbphilharmonie in Hamburg angewandt. Das Zuger Unternehmen Cobiax gehört seit September zur Tiong Seng-Gruppe in Singapur.
Karsten Pfeffer: Die Konkurrenz war hart. Durch diesen Preis werden aber zum Teil ganz andere Firmen angesprochen. Das sind Firmen, die innerhalb ihrer eigenen Produktion darauf achten, die Produkte effizient herzustellen. Wir haben ein Produkt, dass in einem Bauwerk zu Materialeffizienz führt. Da passen wir gut.
Steffen Klatt: Wie wichtig ist Effizienz als Verkaufsargument für Cobiax?
Hugo Meier: Sehr wichtig. Das ist das einzige Verkaufsargument, das grundsätzlich sticht. Es ist gleichzeitig auch unsere grösste Herausforderung, den Ausbildungsprozess in der Baubranche ein stückweit zu beeinflussen, so dass Effizienz ganzheitlich angeschaut wird. Nur so sticht die Materialeinsparung im Deckenbereich auch wirtschaftlich.
Steffen Klatt: Wie wichtig ist die Decke im Rohbau?
Hugo Meier: Die ganzheitlich denkenden Bauherren und Planer haben natürlich ein Gehör dafür. Es gibt aber einen traditionalistischen Widerstand in der Zielgruppe der Bauunternehmer, die gern möglichst viel Material verbauen, weil sie an diesem Material eine grosse Wertschöpfung generieren.
Steffen Klatt: Wird Ihnen dieser Preis helfen, stärker in den deutschen Markt einzudringen?Verwandte Themen| { Ein Schweizer Exportprodukt, 13.10.10 } | | { Luftiger Keramikschaum, 01.09.10 } | | { Baustelle ohne CO2, 06.08.10 } | | { Bauen und Modernisieren, 23.07.10 } | | { Räume verdichten, 21.06.10 } | | { Die Welt braucht Schweizer Design, 03.05.10 } | | { Hohlräume sparen Geld, 13.01.10 } | | { Bauherren in der Pflicht, 12.01.10 } | | { Die Pioniere wollen wachsen, 22.11.09 } | | { Auch bei Cleantech zählt Qualität, 18.11.09 } |
Karsten Pfeffer: Wir sammeln Bausteinchen, um die Akzeptanz der Cobiax-Technologie weiter zu steigern. Die Baubranche reagiert verglichen mit anderen Branchen träge auf Neuerungen. In andern Branchen, etwa in der Computerbranche, sind manche Dinge schon nach wenigen Monaten nichts mehr wert. Das ist in der Baubranche anders. Der Deutsche Materialeffizienzpreis wird, neben dem anfangs 2010 gewonnenen Schweizer Umweltpreis und der ebenfalls dieses Jahr vom Deutschen Institut für Bautechnik erteilten bauaufsichtlichen Zulassung, eines der Bausteinchen sein, mit denen wir die Akzeptanz weiter steigern können.
Steffen Klatt: Erklärt die Trägheit der Branche auch, warum Cobiax relativ lange gebraucht hat, um sich im Markt durchzusetzen?
Karsten Pfeffer: Deutschland ist vielleicht ein extremer Fall, weil die Baubranche hier sehr normengläubig ist. Es braucht eine ganze Weile, bis die Leute von einer Technik überzeugt sind, auch wenn sie sie schon vorher mal gesehen haben. Erst wenn die Referenzen stimmen und alle technischen Fragen beantwortet sind, trauen sie sich, die Technik einzusetzen. Inzwischen sind wir aber am Punkt angekommen, dass die Cobiax-Technik akzeptiert und eingesetzt wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leute die Technik wiederverwenden, wenn sie sie einmal eingesetzt haben.
Steffen Klatt: Wird die Cobiax-Technologie weiterentwickelt?
Karsten Pfeffer: Wir entwickeln die Technologie permanent weiter. Weil die Baubranche relativ träge ist, müssen wir das Produkt so entwickeln, dass es so nahe wie möglich an dem ist, was die Baubranche schon kennt. Es geht uns auch darum, in das dünnere Deckensegment hineinzukommen. Früher hatten wir nur die kugelförmigen Hohlkörper. Damit haben wir Decken von über 30 Zentimetern Dicke bauen können. Mittlerweile haben wir auch die sogenannte Slimline. Damit können wir auch Deckenstärken ab 20 Zentimetern bieten. Das eröffnet uns ein anderes Marktsegment.
Steffen Klatt: Welche Gebäude kommen in Frage?
Karsten Pfeffer: Jedes Gebäude, wo Leichtigkeit sinnvoll ist. Das könnte auch ein Einfamilienhaus sein, das ein Wohnzimmer mit einer grösseren Spannweite hat. Das kann ein Hochhaus mit vielen Geschossen sein. Heute kostet der technische Vorteil der Leichtigkeit nichts mehr. Ausserdem treten Nachhaltigkeit und Materialeffizienz immer mehr in den Fokus.
Steffen Klatt: Und dafür haben Sie jetzt die offizielle Bestätigung…
Karsten Pfeffer: Richtig. Das erleichtert uns jetzt die Argumentation.
Steffen Klatt: Wen müssen Sie ansprechen, die Bauunternehmer oder die Bauherren?
Karsten Pfeffer: Wir unterscheiden in technische und kommerzielle Kunden. Die technischen Kunden sind hauptsächlich die Tragwerksplaner, also die Statiker, und die Architekten. Der Statiker kann schnell erkennen, wo Cobiax aus technischer Sicht gebraucht wird: Wo gibt es eine grosse Spannweite, für die es eine relativ leichte Decke braucht? Aber auch bei kleineren Spannweiten kann es leichte Decken brauchen, etwa, wenn die Gründung des Gebäudes schlecht ist. Auch bei Erdbebengefahr muss das Gebäude leichter sein. Wer Cobiax aus technischer Sicht braucht, findet schnell heraus, dass Cobiax auch wirtschaftlich ist. Kommerzielle Kunden sind Bauunternehmen, die unsere Produkte kaufen und in den Gebäuden einsetzen.
Steffen Klatt: Strahlt ein Preis in Deutschland über den deutschen Markt hinaus?
Hugo Meier: Davon gehen wir aus. Deutschland ist ein grosser und technologisch führender Markt und hat deshalb eine internationale Strahlkraft.
Steffen Klatt: Neu ist die Tiong Seng-Gruppe in Singapur Mehrheitseigentümer von Cobiax. Was heisst das für das Unternehmen?
Hugo Meier: Das heisst, dass wir nach der Pionierzeit jetzt einen strategischen Industriellen als Haupteigentümer haben. Er bietet uns neben der weiteren Entwicklung in Europa auch die Option, Singapur als Hub für eine Asienstrategie auszubauen.
Steffen Klatt: Ist der Bedarf an industriellen Bautechnologien in Asien gross genug?
Hugo Meier: Das wird sich weisen müssen. Unser Haupteigentümer geht davon aus. Asien reagiert zwar sehr empfindlich auf den Preis. Aber gleichzeitig ist der asiatische Markt erpicht darauf, moderne Technologien einzuführen und umzusetzen, gerade auch im „Green Building“ Bereich.
Steffen Klatt: Welches sind die nächsten Schritte für Cobiax?
Hugo Meier: In Europa setzen wir den Schwerpunkt in den nächsten zwei bis drei Jahren ganz klar in den drei deutschsprachigen Märkten. Wir wollen hier einen Quantensprung im Wachstum herbeizuführen. In anderen europäischen Ländern wollen wir das bereits begonnene Lizenzgeschäft ausbauen. In Asien sind wir jetzt daran, gemeinsam mit dem neuen Eigentümer eine Strategie zu formulieren. Wir sehen da prioritär Singapur als neuen Heimmarkt. Darüber hinaus versprechen wir uns in Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Indonesien einen relativ schnellen Einstieg. China wird für uns vorerst ein Markt sein, auf den wir nur gehen, wenn unser neuer Haupteigentümer selbst als Auftragnehmer für die Planung und den Bau auftritt. Ansonsten halten wir uns zurück, um der Gefahr zu entgehen, kopiert zu werden.
Steffen Klatt: Sie haben gesagt, die Pionierphase sei vorbei. Heisst das, Sie sind jetzt in den schwarzen Zahlen?
Hugo Meier: Wir sind 2010 erstmals in den schwarzen Zahlen.
Zu den Personen: Hugo Meier ist CEO und Verwaltungsrat der Cobiax-Muttergesellschaft in Zug, Dr. Ing. Karsten Pfeffer Deutschland- und Technologiechef der Gruppe. Der Deutsche Materialeffizienzpreis wird vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vergeben.
Bild1: Karsten Pfeffer (ZvG). Bild2: Hugo Meier (ZvG)
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