Club der grossen Zusammenhänge

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Vaduz 29.10.10
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Grosse Köpfe, grosse Zusammenhänge und der Aufruf zum Umdenken – dafür steht der Club of Rome seit den 1970er Jahren. Seitdem ist viel passiert. Nach dem Umzug in die Schweiz stellt sich auf der Jahreshauptversammlung in Winterthur auch die Frage nach der eigenen Rolle.

1968 kämpfte der Club of Rome noch weitgehend allein auf weiter Flur: Wissenschaftler, angesehene Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft standen damals selten Seit an Seit für mehr Achtung gegenüber Mutter Erde und dem Menschen ein. Und ihre epochale Studie „Die Grenzen des Wachstums“ stiess Debatten auf der ganzen Welt an. Sie hatten Gewicht, auch weil sie keine Hippies waren, sondern dem Establishment entstammten. Wenn die Mitglieder des Club of Rome dieser Tage unter anderem in Winterthur zur Jahreshauptversammlung zusammentreffen, können sie nur konstatieren, eine von vielen Organisationen zu sein, die mehr Nachhaltigkeit in die Welt bringen wollen. Sie waren nicht die ersten, als sie im Liechtensteinischen Vaduz vor der Jahreshauptversammlung gemeinsam mit der LIFE Klimastiftung über die Zukunft des Finanzsystems diskutieren. Und ihre Studien finden zwar Aufmerksamkeit, doch ein Wurf wie 1972 ist nicht mehr gelungen. Die Frage nach der heutigen Rolle drängt sich auf.  

Ausgangspunkt einer Welle

„Die Grenzen des Wachstums wirken als umstrittene Studie nach, das ist immer noch Teil unserer Arbeit“, sagt Uwe Möller nach der Debatte in Vaduz. Der heute 75-Jährige war zehn Jahre lang Generalsekretär des Club of Rome, als der Hauptsitz noch Hamburg und nicht Winterthur hiess. Er sagt auch: „Wir freuen uns über die vielen Organisationen und sehen uns nicht in Konkurrenz.“ In gewissem Sinne, meint er, habe man die diese ja erst möglich gemacht. Und somit argumentiert er wie Vertreter von Biolabels, die sagen: „Wir wollen erreichen, dass wir eines Tages unnötig werden.“ Aber eigentlich ist der Club of Rome das ja: ein Label beziehungsweise eine Marke oder neudeutsch „Brand“. Möller sagt: „Wenn unsere Mitglieder in der Öffentlichkeit auftreten, finden sie Gehör. Es gibt natürlich Denkfabriken, die viel potenter sind, doch wir fungieren immer noch als Referenzpunkt und wollen diese Brand sinnhaft nutzen.“ In Hochschul- und Schulprojekten beispielsweise.

Eine andere Möglichkeit hierfür sieht Möller in Desertec, dem Wüstenstromprojekt, das aus dem Deutschen Club of Rome erwachsen ist. Er habe Anfang der Neunziger den Wissenschaftler Gerhard Knies mit dem damaligen Club-of-Rome-Präsidenten und jordanischen Prinzen Hassan ibn Talal zusammengebracht. „Dann kam alles ins Rollen“, sagt Möller. In dieser Woche fand in Barcelona die erste Jahreskonferenz der Desertec Stiftung statt. Afrikanische Abgesandte, Industrievertreter unter anderem von Siemens und Politiker wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger wollen die Vision von der Stromleitung zwischen Afrika und Europa Realität werden lassen. 

Forum für die grossen Fragen

Doch der Club of Rome will mehr als nur Einzelprojekte auf den Weg bringen. Der indische Vizepräsident Ashok Khosla sagt: „Die meisten Organisationen in diesem Bereich beschäftigen sich nur mit einem Thema, wir betrachten die Probleme ganzheitlich. Wir sind dazu da, die grossen Fragen zu stellen.“ Und Energiesicherheit oder Klimawandel stünden gar nicht mal ganz oben auf der Tagesordnung. „Armutsbekämpfung hat bei uns höhere Priorität“, sagt Khosla.

Aber irgendwie gehört ja alles zusammen. Die naturwissenschaftlichen Schwergewichte der Organisation, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Franz Radermacher, hetzen von Vortrag zu Vortrag. Plädieren für Investitionen in saubere Technik und ein Umdenken der Industriestaaten, für weniger Armut und mehr Klimagerechtigkeit. 

Junge Frauen sind gefragt

Der Club of Rome lebt von seinen streitbaren und umstrittenen Persönlichkeiten mit Intelligenzquotienten über 150. Und für diese ist klar, dass alles zusammenspielt. Doch es gibt Kritiker, die die Arbeit zwar anerkennen, sich jedoch eine stärkere Fokussierung wünschen. ETH-Forscher Andreas Fischlin zum Beispiel, seines Zeichens führender Autor des UN-Klimareports und Mitempfänger des Friedensnobelpreises: „Der Club of Rome sucht momentan nach seiner Rolle. Würde er sich mehr auf die Themen Ressourceneffizienz und Demografie konzentrieren, könnte er noch mehr Gehör finden.“ Doch hierfür, so Fischlin, bräuchte man in diesem Feld noch mehr geballte Kompetenz.

Kompetent seien die Mitglieder, doch es mangele an jungen, heisst es unisono beim Club of Rome. Besonders hält man Ausschau nach jungen intelligenten Frauen aus Asien, Afrika und Südamerika. Es gibt zwar den Think-Tank 30 des Club of Rome für junge Köpfe, doch ist hier beispielsweise niemand mit chinesischer Nationalität vertreten. Ex-Generalsekretär Möller: „Auch Afrika ist unterrepräsentiert.“ Und hier steigt Greenpeace-Vertreterin Asti Gabriella Roesle ins Gespräch ein: „Da hätte ich Ihnen einen guten Tipp.“ Auch in der vernetzten Schweiz spielt alles irgendwie zusammen.

 

Bild: Club of Rome

Club der grossen Zusammenhänge 

 

Der Club of Rome hält erstmalig seine Jahreshauptversammlung in der Schweiz ab – Die Debatte über die Rolle der Organisation ist lebendig

 

Grosse Köpfe, grosse Zusammenhänge und der Aufruf zum Umdenken – dafür steht der Club of Rome seit den 1970er Jahren. Seitdem ist viel passiert. Nach dem Umzug in die Schweiz stellt sich auf der Jahreshauptversammlung in Winterthur die Frage nach der eigenen Rolle.

 

Von Yvonne von Hunnius, Vaduz

 

1968 kämpfte der Club of Rome noch weitgehend allein auf weiter Flur: Wissenschaftler, angesehene Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft standen damals selten Seit an Seit für mehr Achtung gegenüber Mutter Erde und dem Menschen ein. Und ihre epochale Studie „Die Grenzen des Wachstums“ stiess Debatten auf der ganzen Welt an. Sie hatten Gewicht, auch weil sie keine Hippies waren, sondern dem Establishment entstammten. Wenn die Mitglieder des Club of Rome dieser Tage in Winterthur zur Jahreshauptversammlung zusammentreffen, können sie nur konstatieren, eine von vielen Organisationen zu sein, die mehr Nachhaltigkeit in die Welt bringen wollen. Sie waren nicht die ersten, als sie vor der Jahreshauptversammlung über die Zukunft des Finanzsystems im Liechtensteinischen Vaduz diskutieren. Und ihre Studien finden zwar Aufmerksamkeit, doch ein Wurf wie 1972 ist nicht mehr gelungen. Die Frage nach der heutigen Rolle drängt sich auf. 

 

Ausgangspunkt einer Welle

 

„Die Grenzen des Wachstums wirken als umstrittene Studie nach, das ist immer noch Teil unserer Arbeit“, sagt Uwe Möller nach der Debatte in Vaduz. Der heute 75-Jährige war zehn Jahre lang Generalsekretär des Club of Rome, als der Hauptsitz noch Hamburg und nicht Winterthur hiess. Er sagt auch: „Wir freuen uns über die vielen Organisationen und sehen uns nicht in Konkurrenz.“ In gewissem Sinne, meint er, habe man die diese ja erst möglich gemacht. Und somit argumentiert er wie Vertreter von Biolabels, die sagen: „Wir wollen erreichen, dass wir eines Tages unnötig werden.“ Aber eigentlich ist der Club of Rome das ja: ein Label beziehungsweise eine Marke oder neudeutsch „Brand“. Möller sagt: „Wenn unsere Mitglieder in der Öffentlichkeit auftreten, finden sie Gehör. Es gibt natürlich Denkfabriken, die viel potenter sind, doch wir fungieren immer noch als Referenzpunkt und wollen diese Brand sinnhaft nutzen.“ In Hochschul- und Schulprojekten beispielsweise.

Eine andere Möglichkeit hierfür sieht Möller in Desertec, dem Wüstenstromprojekt, das aus dem Deutschen Club of Rome erwachsen ist. Er habe Anfang der Neunziger den Wissenschaftler Gerhard Knies mit dem damaligen Club-of-Rome-Präsidenten und jordanischen Prinzen Hassan ibn Talal zusammengebracht. „Dann kam alles ins Rollen“, sagt Möller. In dieser Woche fand in Barcelona die erste Jahreskonferenz der Desertec Stiftung statt. Afrikanische Abgesandte, Industrievertreter unter anderem von Siemens und Politiker wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger wollen die Vision von der Stromleitung zwischen Afrika und Europa Realität werden lassen.

 

Forum für die grossen Fragen

 

Doch der Club of Rome will mehr als nur Einzelprojekte auf den Weg bringen. Der indische Vizepräsident Ashok Khosla sagt: „Die meisten Organisationen in diesem Bereich beschäftigen sich nur mit einem Thema, wir betrachten die Probleme ganzheitlich. Wir sind dazu da, die grossen Fragen zu stellen.“ Und Energiesicherheit oder Klimawandel stünden gar nicht mal ganz oben auf der Tagesordnung. „Armutsbekämpfung hat bei uns höhere Priorität“, sagt Khosla.

Aber irgendwie gehört ja alles zusammen. Die naturwissenschaftlichen Schwergewichte der Organisation, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Franz Radermacher, hetzen von Vortrag zu Vortrag. Plädieren für Investitionen in saubere Technik und ein Umdenken der Industriestaaten, für weniger Armut und mehr Klimagerechtigkeit.

 

Junge Frauen sind gefragt

 

Der Club of Rome lebt von seinen streitbaren und umstrittenen Persönlichkeiten mit Intelligenzquotienten über 150. Und für diese ist klar, dass alles zusammenspielt. Doch es gibt Kritiker, die die Arbeit zwar anerkennen, sich jedoch eine stärkere Fokussierung wünschen. ETH-Forscher Andreas Fischlin zum Beispiel, seines Zeichens führender Autor des UN-Klimareports und Mitempfänger des Friedensnobelpreises: „Der Club of Rome sucht momentan nach seiner Rolle. Würde er sich mehr auf die Themen Ressourceneffizienz und Demografie konzentrieren, könnte er noch mehr Gehör finden.“ Doch hierfür, so Fischlin, bräuchte man in diesem Feld noch mehr geballte Kompetenz.

Kompetent seien die Mitglieder, doch es mangele an jungen, heisst es unisono beim Club of Rome. Besonders hält man Ausschau nach jungen intelligenten Frauen aus Asien, Afrika und Südamerika. Es gibt zwar den Think-Tank 30 des Club of Rome für junge Köpfe, doch ist hier beispielsweise niemand mit chinesischer Nationalität vertreten. Ex-Generalsekretär Möller: „Auch Afrika ist unterrepräsentiert.“ Und hier steigt Greenpeace-Vertreterin Asti Gabriella Roesle ins Gespräch ein: „Da hätte ich Ihnen einen guten Tipp.“ Auch in der vernetzten Schweiz spielt alles irgendwie zusammen.

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