Der amerikanische Innenminister Salazar hat die Genehmigung zum Bau der ersten grossen Solaranlagen auf Bundesterritorium gegeben. Ein 700-MW-Projekt soll im Imperial Valley in der kalifornischen Wüste entstehen.
Nach Jahren des Zögerns und der Verzögerungen wollen die Vereinigten Staaten endlich grosse Solaranlagen zur Stromerzeugung im Industriemassstab bauen. Diese Entscheidung könnte vereinzelte Bemühungen, eine Industrie der sauberen Energie aufzubauen, beflügeln, sagte US-Innenminister Ken Salazar, als er die Genehmigung zweier grosser Solarkraftwerke ankündigte. Fünf weitere sollen bald folgen. Verwandte Themen| { Atomkraft bremst Erneuerbare, 26.08.10 } | | { Desertec ist keine Utopie, 28.07.10 } | | { Erneuerbare stärker fördern, 07.06.10 } | | { Solarinseln kommen aufs Dach, 29.03.10 } | | { Auch Diebe lieben Sonnenkraft, 02.03.10 } | | { Solarstrom ausgebremst, 19.02.10 } | | { Sonnige Aussichten, 15.02.10 } | | { Den Wind und die Sonne zähmen, 22.01.10 } | | { Sonnenlicht am Ende des Tunnels, 19.01.10 } | | { Desertec hat Durst, 11.12.09 } | | { Erneuerbare Energien gewinnen, 11.12.09 } | | { Erneuerbare brauchen Speicher, 30.11.09 } |
Meilensteine auf dem Weg zur Sauberen Energie
„Diese Projekte sind Meilensteine in unseren konzentrierten Bemühungen, rasch und verantwortungsbewusst Ressourcen an erneuerbaren Energien auf Staatsland zu schaffen", sagte der Minister. „Diese Projekte bringen das Vorhaben des Präsidenten voran, Investitionen in Spitzentechnologie anzuregen, Jobs für amerikanische Arbeiter zu schaffen und Saubere Energie zu fördern." Die Genehmigung der beiden Anlagen auf im Bundesbesitz befindlichen Land macht aber auch deutlich, wie frustriert man in der Regierung Präsident Barack Obamas darüber ist, dass das Zielvorhaben Saubere Energie so langsam angegangen wird. Im vergangenen Jahr schon hatte das Repräsentantenhaus mit seiner demokratischen Mehrheit die Einführung eines Emissionshandels nach europäischem Vorbild zur Schadstoffbegrenzung beschlossen. Das Gesetz liegt aber unbehandelt im Senat. Auch die Senatoren der Demokraten wagen angesichts der konservativen Stimmungswelle in den USA zumindest vor den Wahlen Anfang November nicht, das Projekt anzupacken.
Regierung verschleppt Projekte
Aber die demokratischen Abgeordneten kritisieren ihrerseits auch die Obama-Administration, weil sie Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energien viel zu langsam entscheidet. So haben mehrere Abgeordnete an Energieminister Steven Chu geschrieben und gerügt, dass in seinem Ministerium die Bereitstellung von Geldmitteln für wichtige Projekte verschleppt werde. „Private Anleger, die Vorschläge einreichen, um eine Energie-Infrastruktur aufzubauen, sollten Ablehnung allenfalls wegen der Qualität ihrer eingaben erfahren und nicht dadurch, dass die Bundesregierung die Vorlagen einfach nicht in einem vernünftigen Zeitrahmen prüft."
Zwei verschiedene Technologien
Die beiden jetzt von Salzar genehmigten Anlagen sollen auf Bundesterritorium in der Wüste von Kalifornien entstehen, nahe der mexikanischen Grenze. Sie sollen nach Fertigstellung Strom für 570.000 amerikanische Haushalte liefern. Wenn die fünf weiteren zur Genehmigung anstehenden anlagen fertig seien, werde insgesamt vier Mal soviel Elektrizität produziert, sagte Innenminister Salazar. Die Grossanlage im Imperial Valley mit einem Investitionsvolumen von 2,1 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro/2,0 Milliarden Franken) soll die von Tessera Solar in Texas entwickelte Technik benutzen. Dabei werden 710 Megawatt Strom durch 28.000 Sonnenschüsseln produziert, die die Sonnenenergie zur Stromgewinnung bündeln. Neben diesem Solarkraftwerk auf einer Fläche von 25,7 Quadratkilometern soll eine weitere auf 1,7 Quadratkilometern entstehen. Dabei werden im Lucerne Valley von Chevron 40.500 Photovoltaik-Paneele zur direkten Stromgewinnung aufgestellt. Diese Anlage soll 45 Megawatt Strom produzieren.
Hürden: Zu wenig Leitungen und die Plattschwanz-Eidechse
Vor der Inbetriebnahme sind allerdings noch einige Hürden zu überwinden. Denn noch fehlen ausreichende Stromleitungen, um die gewonnene Energie in Städte wie Los Angeles, San Diego oder Phoenix zu bringen. „Wir wissen, dass die Stromleitung eine gewaltige Aufgabe ist", sagte Salazar. Die Bundesregierung in Washington will aber dafür sorgen, dass diese Hürde überwunden wird. Aus dem Konjunkturpaket Obamas von 800 Milliarden Dollar sind für Tessera 270 und für Chevron 30 Millionen Dollar vorgesehen. Beide Projekte sollen auf Dauer eintausend neue Arbeitsplätze bringen. Ein weiteres Problem sind die Bedenken der Umweltschützer. Dazu verwies Salazar darauf, dass der US-Regierung in der kalifornischen Wüste elf Millionen Acres (44.500 Quadratkilometer) Land gehörten. Die für die Projekte benötigte Fläche mache also nur ein hundertstel Prozent davon aus. Dennoch bleiben die Naturschützer kritisch, denn in der bisher kaum berührten grenznahen Region würden seltene Arten wie das Bighorn-Schaf, Wüstenschildkröten oder die gehörnte Plattschwanz-Eidechse gefährdet. „Diese Projekte wurden nicht von uns ausgesucht", kritisiert Johanna Wald, Anwältin des einflussreichen Umweltverbandes Natural Resources Defense Council. „Sie sind da, uns wurden die Karten einfach auf den Tisch gelegt. Jetzt arbeiten wir mit den Unternehmen und Behörden zusammen, um das Beste daraus zu machen."
Bild: (Sreenshot www.stirlingenergy.com)
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