Die Energieversorgung der Schweiz basiere zum überwiegenden Teil auf Importen, sagt Kurt R. Rohrbach. Ziel der nationalen Energiepolitik müsse deshalb sein, diese Abhängigkeit zu reduzieren, beziehungsweise die Risiken möglichst breit zu verteilen. Reto Martinelli: Vor welchen nationalen und internationalen Herausforderungen steht die Energie-Politik? Kurt R. Rohrbach:Die weltweite Entwicklung – wirtschaftlich, gesellschaftlich und bevölkerungsmässig – erzeugt einen gewaltigen „Energiehunger". Dieser langfristige Trend einer wachsenden Nachfrage wird zu einer grossen Herausforderung. Nicht nur die Endlichkeit der Ressourcen, sondern auch das Bestreben, möglichst wenig CO2 auszustossen, machen diese Herausforderung zu einer äusserst komplexen Aufgabe. Verwandte Themen| { Schweiz braucht Grosskraftwerke, 22.02.10 } | | { Die Schweiz strahlt, 13.01.10 } | | { Das Netz als Speicher, 05.01.10 } | | { Die Schweiz tut sich schwer, 16.10.09 } | | { Es gibt eine Lücke beim Strom, 09.10.09 } | | { Basler Schatten über Kalifornien, 31.08.09 } | | { Der Atomlobby die Stirn bieten, 26.08.09 } | | { Bald wird Sonne getankt!, 24.07.09 } | | { Den Stromhunger reduzieren, 16.07.09 } | | { Der Energiemix der Zukunft, 08.06.09 } | | { „Atomkraft löst Klimaproblem“, 07.05.09 } | | { Energie bestimmt globale Zukunft, 01.05.09 } | | { Auch Amerika soll handeln, 23.04.09 } |
Die Energieversorgung der Schweiz basiert zum überwiegenden Teil auf Importen (Erdöl, Gas, Uran). Ziel der nationalen Energiepolitik muss es sein, diese Abhängigkeit zu reduzieren, bzw. die Risiken möglichst breit zu verteilen. Alle Anstrengungen zum effizienteren Umgang mit Energie – vorausgesetzt natürlich, sie bewegen sich in einem wirtschaftlich tragbaren Rahmen – gehen deshalb in die richtige Richtung. Bei der Effizienzverbesserung kommt es häufig zu einer Verschiebung des Verbrauchs hin zu mehr elektrischer Energie, da viele technologisch und umwelttechnisch vernünftige Massnahmen zu einem höheren Stromverbrauch führen. Für die Energie-Politik, und speziell für die Stromversorgung, wird es deshalb absolut zentral sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit genügend Produktions- und Netzkapazitäten zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und damit auch für ein weiteres Wirtschaftswachstum bereit gestellt werden. Wir müssen unsere Verantwortung wahrnehmen, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Nutzung aller CO2-freien Produktionsmethoden forcieren und effizienten Anwendungen zum Durchbruch verhelfen. 18. Internationales Europa Forum Luzern Am 18. internationalen Symposium des Europa Forum Luzern in Zusammenarbeit mit Avenir Suisse wird ein Überblick über die international erkennbaren Trends staatlicher sowie institutioneller Souveränität und Interessen vermittelt. Die internationalen Betrachtungen zur Souveränität sowie die Schweizer Perspektiven wird neben anderen der designierte Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Peter Maurer vornehmen. Ausgeleuchtet wird auch die aktuelle Lage der „schweizerischen Souveränität" anhand der Politikbereiche Energie, Finanzdienstleistungen, Sicherheit und Menschenrechte. Unter anderen werden am Symposium Professor Lucius Caflisch, Mitglied der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen, Botschafter Fred Tanner, Direktor des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik, Burkhard P. Varnholt, Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Sarasin & Cie, Kurt Rohrbach, Vorsitzender Unternehmensleitung BKW FMB Energie, Franz von Däniken, ehem. Staassekretär EDA, und Christoph Blocher, ehem. Bundesrat, über die Souveränitätsaspekte und die Staatspolitischen Schlussfolgerungen für die Schweiz diskutieren. In der öffentlichen Veranstaltung am Abend wird Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf die Gratwanderung der Schweizerischen Politik zwischen souveränen Entscheiden und internationaler Zusammenarbeit aufzeigen. Im abschliessenden Podium diskutieren Ursula Plassnik, Bundesministerin a.D. aus Österreich, der Staatsminister für Justiz und Europa des Freistaates Sachsen, Jürgen Martens und Markus Hongler, CEO Western Europe Zurich Insurance Company mit Bundesrätin Widmer-Schlumpf über ihre Erfahrungen mit der staatlichen Souveränität in einer Welt der zunehmenden Abhängigkeiten. Neben Input-Referaten beinhalten das Symposium und die öffentliche Abendveranstaltung hochkarätig besetzte Diskussions-Runden in denen mögliche künftige Handlungsspielräume für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers diskutiert werden.
18. Internationales Europa Forum Luzern, Montag, 26. April 2010
im KKL Luzern. Symposium (13 bis 18.00 Uhr) Eintritt CHF 180.00/ € 125.00,
Öffentlicher Abend mit Gratis-Eintritt (18.45 bis 20.45 Uhr). Reto Martinelli: Spielt die Schweiz in der globalen Energie-Politik eine wichtige Rolle? Kurt R. Rohrbach: Nein, bleiben wir bescheiden, aber ich bin überzeugt, dass die Schweiz als wohlhabendes Land eine Verpflichtung und durchaus einen gewissen Vorbildcharakter, insbesondere im Bereich der effizienten Anwendungen und der entsprechenden Technologien haben soll. In einer europäischen Dimension hat die Schweiz als Stromdrehscheibe immer noch eine Bedeutung, ebenso als Wasserschloss Europas und – dank unseren Pumpspeicherkraftwerken – auch als Energiespeicher. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur europäischen Netzstabilität. Reto Martinelli: Welche Vorteile bringt der Alleingang der Schweiz in der Energie-Politik? Kurt R. Rohrbach: Einem Alleingang, der nur mit einer Vielzahl von Eingriffen aufrecht zu erhalten ist, stehe ich sehr skeptisch gegenüber, einer Eigenständigkeit jedoch nicht. Sie bedeutet für mich zwar nicht a priori völli-ge Unabhängigkeit von den internationalen Beschaffungsmärkten, aber grösstmögliche Freiheitsgrade und somit eine gewisse Preissouveränität und Entscheidungsfreiheit. Reto Martinelli: Welches sind die Nachteile des Alleingangs? Kurt R. Rohrbach: Bei einem Alleingang und einer faktischen Abschottung von den internationalen Märkten ginge die Rolle der Stromdrehscheibe rasch verloren. Der grenzüberschreitende Stromaustausch mit Europa wäre kaum mehr möglich, ein optimaler europaweiter Kraftwerkseinsatz schon gar nicht. Als Land, das vom Export und internationalen Verbindungen lebt, würden wir einen Alleingang nicht durchstehen. Reto Martinelli: Steht die Schweiz mit ihrer Energie-Politik mangels „Verbündeter" im Abseits? Kurt R. Rohrbach: Das würde ich nicht sagen. Die Schweiz ist traditionell ein guter und verlässlicher Partner der EU. Wir sind als Stromdrehscheibe anerkannt und unsere Arbeit und unser Beitrag sind geschätzt. Klar ist jedoch, dass die Schweiz bei der Revision des Stromversorgungsgesetzes die europäischen Entwicklungen, insbesondere das neue Liberalisierungspaket, berücksichtigen muss. Es zeichnet sich ab, dass die EU ein bilaterales Stromabkommen mit der Schweiz nur dann unterzeichnen wird, wenn ihre Regeln zumindest weitgehend übernommen werden. Reto Martinelli: Welches sind die nationalen Hindernisse für eine internationale Energie-Politik? Kurt R. Rohrbach: Bleiben wir beim Strom. Abgesehen davon, dass es nicht ganz einfach ist, sich als Vertreter eines kleinen Landes mit einem teiloffenen Markt gegen Vertreter viel grösserer Länder, die seit Jahren einen freien Markt kennen, durchzusetzen, sind es weniger nationale Hindernisse, sondern wie beim Thema der Langfristverträge mit Frankreich, die Interessen der Schweiz, die tangiert sind. Wir können nicht neue Regeln akzeptieren, ohne dass ein minimaler Investitionsschutz zugesichert wird. Reto Martinelli: Welches ist für Sie international gesehen das Worst-Case-Szenario? Kurt R. Rohrbach: Neben der Sorge, dass Blackouts zunehmend wahrscheinlicher werden, befürchte ich, dass die Energiepolitik der EU dazu führt, dass sich energieintensive Branchen ausserhalb Europas ansiedeln, was zwar der EU kurzfristig zu einer positiveren Energiebilanz verhelfen mag, aber den weltweiten CO2-Ausstoss um kein Gramm senkt. Reto Martinelli: Und national? Kurt R. Rohrbach: Da möchte ich zwei Punkte erwähnen: Zum einen, wenn der zweite Schritt der Marktöffnung scheitert und wir kein Stromabkommen mit der EU unterzeichnen, wird die Schweiz ziemlich isoliert da stehen. Zum anderen, falls den Ausbau der Produktionskapazitäten nicht schaffen, werden wir mittel- und langfristig die Nachfrage nicht decken können. Es droht letztlich der Verlust der komparativen Vorteile der Schweiz und damit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Zur Person: Kurt R. Rohrbach, Vorsitzender der Unternehmensleitung, Leiter des Geschäftsbereichs Konzernsteuerung, BKW FMB Energie. Bild: Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen
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