Angesichts der Millionen Hektar Regenwald, die jährlich abgeholzt werden, um genmodifiziertes Soja anzubauen und sodann mit chemischen Pestiziden zur Reife zu bringen, sind unsere Bemühungen für Biodiversität im Weinbau nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber wir kennen sie natürlich auch, die Helikopter, die selbst in der Schweiz noch immer unsere Felder, Dörfer und Gewässer mit Pestiziden vergiften. Während die Bevölkerung sich in Sicherheit wiegt und auf die Gesetze des Staates vertraut, schliessen der Staat und seine Behörden die Augen, obwohl bei Pestizidspritzungen aus der Luft oft klare und eindeutige Gesetze gebrochen werden.
Im Wallis werden noch immer 1200 Hektar Rebberge (und 80 ha Aprikosen) vom Helikopter aus gespritzt, wobei etwa ein Drittel der zum Einsatz kommenden Pestizide unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein (Quelle: PAN-Studie). Über 30 Prozent der mit dem Helikopter gespritzten Flächen werden illegal gespritzt, da die gesetzlich festgelegten Abstände zu Wasserläufen, Wäldern, Häusern und natürlichen Biotopen nicht eingehalten werden. Die Gesetze, die bereits vor 12 Jahren von einem immerhin mehrheitlich konservativen Bundesrat verabschiedet wurden, vertreten eine eindeutige Position zum Schutz von Mensch, Tier und ökologischen Ausgleichsflächen. Nur eingehalten werden diese Gesetze nicht. Die Behörden schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu, während die sogenannten "Consortage d'Helicopter" ihre Gegner massiv unter Druck setzen. Und dies mitten in der Schweiz, nicht fern ab in Südamerika.
Ökologische Ausgleichsflächen unter Pestizidschauern
Wenn ökologischen Ausgleichsflächen mit Pestiziden gespritzt werden, wird das ökologische Gleichgewicht auch der landwirtschaftlichen Gebiete zerstört. Die Folge ist, dass der Krankheitsdruck auf den Rebflächen immer weiter wächst, so dass immer häufiger immer stärkere Pestizide eingesetzt werden müssen. Unweit des Bereiches der Luftaufnahme werden übrigens auch mehrere Wasserläufe überflogen und Rebflächen gespritzt, die unmittelbar an einen Fluss grenzen, der 500m weiter in die Rhone mündet. Leben wir eigentlich in einer Bananenrepublik? (siehe hier das geltende Gesetz für das Ausbringen von Spritzmitteln mit Helikoptern)
Der Einsatz von Hubschraubern für den Pflanzenschutz hat in den teilweise extremen Steillagen des schweizerischen Weinbaus eingestandenermassen zu grossen Arbeitserleichterungen geführt. Insofern ist der Widerstand der Winzer gegen die Einschränkung oder die Abschaffung des Helikoptereinsatzes zwar nachvollziehbar, doch kann dies natürlich nicht als hinreichender Grund für gesetzeswidriges Verhalten geltend gemacht werden.
Pestizide als Lärmschutz ?
Erstaunlicherweise bevorzugen übrigens auch viele Anwohner die Pestizidspritzungen aus der Luft, da auf diese Weise ein ganzer Hektar in wenigen Minuten gespritzt wird, wohingegen die Behandlung mit traditionellen Spritzmaschinen teilweise mehrere Stunden pro Hektar dauert, was die Lärmbelastung erheblich steigert. Würden die Anwohner allerdings wissen, welche Folgen sowohl für ihre eigene Gesundheit als auch für die Natur von den Helikopterspritzungen ausgehen und dass es vom Gesetzgeber her eindeutige Vorgaben gibt, die fahrlässig missachtet werden, wäre sicher auch ihre Position eine andere. Doch eben da liegt das Hauptproblem, die Anwohner wissen ebenso wenig wie die Winzer selbst um die Folgen und die Gefahren, die von den Pestizidspritzungen ausgehen. Selbst die Winzer erhalten nur einmal im Jahr ein A4-Blatt auf dem die Namen der eingesetzten Produkte aufgeführt sind, nicht aber die Inhaltsstoffe, geschweige denn die Risiken, die von den Inhaltsstoffen ausgehen (Inhaltsstoffe und die von ihnen ausgehenden Risiken für das Hubschrauber-Spritzprogramm Ayent 2009).
Um die tatsächlich hohe Lärm- und Abgasbelastung der traditionellen Spritzmaschinen deutlich zu reduzieren, entwickelt das Delinat-Institut in Partnerschaft mit der HEV-Sion sowie ValNature Elektro-Atomiseure und Turbospritzen auf Basis von Li-Ionen-Akkus, die ab 2011 in Einsatz gehen werden.
Die grössten Weinbaugebiete mit den besten Krebsstationen
In den Walliser Weinbau-Gemeinden wie Ayent, Saviese, Conthey ist die Quote der Krebserkrankungen übrigens überdurchschnittlich hoch, was freilich auch noch andere Gründe haben könnte. Schaut man sich allerdings die Liste der Gesundheitsgefahren, die von Pestiziden ausgehen, einmal etwas genauer an, liegt die Vermutung doch sehr nah, dass eine Verbindung besteht. Genaue Studien über diese Zusammenhänge wurden nach unserer Kenntnis bisher nicht im Wallis durchgeführt. Fest steht aber, dass die Walliser Krebskliniken laut Regierungsrat landesweit das beste Renomee geniessen, da nirgends sonst so viele Erfahrungen mit dieser Krankheit vorliegen. Untersuchungen in Frankreich haben übrigens gezeigt, dass in der Nabelschnur von Müttern aus Weinbaugebieten bis zu 30 verschiedene Pestizide nachweisbar sind (Quelle: Our Children will accuse us – siehe folgenden Film)
Fachkontakt: Delinat-Insitut Hans-Peter Schmidt:
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Bild: In dem Haus auf dem Bild wohnt eine Familie mit drei kleinen Kindern. Siebenmal im Jahr werden Haus und Garten komplett von den Pflanzenschutzspritzungen des Hubschraubers eingenebelt. Die Familie hat dem zugestimmt, da der Helikopter insgesamt weniger Krach macht, als wenn die Winzer der umliegenden Parzellen jeder einzeln in der Morgenstunde mit ihren eigenen Maschinen spritzen. Trotz der verbalen Zustimmung der Familie müsste laut Gesetz ein Sicherheitsabstand von 20m zum Haus eingehalten werden und zudem die schriftliche Einwilligung der Hausbewohner vorliegen. Doch reicht die Flugschneise des Hubschraubers direkt an die Uferböschung eines Baches heran. Der Bach, der Waldstreifen und die ökologische Ausgleichsfläche werden somit vollständig gespritzt (Delinat-Institut).
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