Grüne Bauten sollen die Investition wert sein. Nun wurde ein Indikator entwickelt, um die finanzielle Nachhaltigkeit einer Immobilie zu bewerten. Wofür das gut sein soll, erklärt Projektleiterin Erika Meins.
Nathalie Schoch: Warum soll man in grüne Immobilien investieren? Erika Meins: Nachhaltige Immobilien schaffen einen finanziellen Mehr-Wert. Einerseits besteht heute im Markt eine Zahlungsbereitschaft für Nachhaltigkeit. Statistische Untersuchungen belegen, dass in der Schweiz bei Transaktionen für Minergie-Häuser im Schnitt ein Aufpreis von sieben Prozent auf den Kaufpreis bezahlt wird und dass Minergie-Wohnungen um sechs Prozent höhere Nettomieten erzielen. Andererseits reduzieren nachhaltige Immobilien das Risiko eines zukünftigen Wertverlustes. Eine Immobilie, die flexibel und energieeffizient gebaut ist, kann mit den sich abzeichnenden Herausforderungen der Zukunft wie zum Beispiel Klimawandel oder demographischer Wandel gut umgehen. Verwandte Themen| { "Mein Minergie-Traumhaus" , 29.01.10 } | | { Nachhaltig im eigenen Haus, 08.01.10 } | | { Coop bietet Minergiehäuser an, 30.09.09 } | | { Masdar baut die Zukunft, 28.09.09 } | | { Marke Minergie gewinnt, 21.09.09 } | | { Banken belohnen Bauherren, 14.09.09 } | | { Mehr Wert dank Minergie, 14.09.09 } | | { Die Schweiz hat einen Vorsprung, 28.08.09 } | | { Nachhaltigkeit exportieren, 06.08.09 } | | { Energieautarke Berghütte, 14.07.09 } | | { Amerikas Städte werden attraktiv, 15.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } |
Nathalie Schoch: Wie lässt sich die Nachhaltigkeit einer Immobilie messen? Erika Meins: Neben Energie gibt es vier weitere Nachhaltigkeitsmerkmale aus finanzieller Sicht: Flexibilität und Polyvalenz, Mobilität und Erreichbarkeit, Sicherheit (bzgl. Klimawandel), Gesundheit und Komfort. Mit dem Economic Sustainability Indicator (ESI) lässt sich messen, wie gut eine Immobilie bezüglich diesen finanziellen Nachhaltigkeitsmerkmalen abschneidet. Oder anders ausgedruckt: Er misst die Zukunftsfähigkeit einer Immobilie. Nathalie Schoch: Wie gut lassen sich Trends messen? Wer gibt uns die Garantie, dass zum Beispiel Minergie auch in 20 Jahren noch gefragt ist? Erika Meins: Natürlich fehlt die Gewissheit, wie die Welt in 20 Jahren aussehen wird. Um der Unsicherheit über die Zukunft gerecht zu werden, liegt dem ESI ein Risikomodell mit verschiedenen Szenarien zugrunde. Berücksichtigt werden Trends, die sich gemäss wissenschaftlichen Szenarien mit hoher Wahrscheinlichkeit abzeichnen, zum Beispiel die Zunahme extremer Wetterereignisse aufgrund von Global Warming. Nathalie Schoch: Nachhaltige Immobilien sind kostenintensiver. Kann die Energieeffizienz diese Kosten aufheben? Erika Meins: Nachhaltige Immobilien müssen nicht teurer sein. Ein gewisses Mass an natürlicher Kühlung beispielsweise kann auch durch intelligente Architektur erreicht werden - dasselbe gilt für Flexibilität. Zur Person: Erika Meins wurde in Princeton/New Jersey (USA) geboren. Sie studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center for international Studies an der ETH Zürich. Heute beschäftigt sie sich mit der interdisziplinären Analyse von aktuellen Fragen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Seit 2005 ist sie Senior Researcher und Projektleiterin am Center for Corporate Responsibility and Sustainability (CCRS) an der Universität Zürich.
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