Plastiksäcken droht das Aus. Doch es gibt Alternativen. Solche Säcke können auch aus Mais oder Kartoffeln hergestellt werden. Die Westschweizer Firma BioApply stellt sie seit vier Jahren her. Ab Ende März werden sie von Bäckereien in der ganzen Schweiz verwendet. Als nächstes hat BioApply abbaubare Bio-Flipflops im Blick.
Am Anfang waren Flipflops. Sehr viele Flipflops. Frédéric Mauch arbeitete in China und handelte mit ihnen: billige Wegwerfware, die nach wenigen Wochen auf dem Müll landete. In China hiess das meist: irgendwo in der Landschaft. Und dort würden sie für eine Ewigkeit bleiben. Denn Badelatschen zersetzen sich nicht so leicht. Pro Jahr werden 1,4 Milliarden Stück hergestellt und fast ebenso viele wieder entsorgt. „Ich habe gesehen, wie sie hergestellt wurden, mit Gift“, sagt Mauch. Was aber, wenn sie aus Biorohstoffen gemacht würden? Dann müssten sie sich auch wieder in ihre Bestandteile auflösen lassen können.
Harter Start in der Schweiz
Aber so viel traute sich Mauch noch nicht zu. Jedenfalls nicht 2006. Und so begann er mit Plastiksäcken. Davon gibt es noch mehr als Badelatschen, rund 500 Milliarden Stück pro Jahr. Auch sie brauchen bis zu 400 Jahre, um sich zu zersetzen. Immerhin: Es gab Technologien, sie aus Stärke herzustellen, also einem Rohstoff, der sich aus Kartoffeln und Mais herstellen lässt. So suchte er Partners und wurde in Europa fündig. Später kam BioApply mit Produktion in der Schweiz und Spanien hinzu. Deren Säcke zersetzen sich nach zwölf Wochen. Man kann sie also guten Gewissens im industriellen Kompost, aber auch in den Gartenkompost werfen. Vorausgesetzt, es sind keine giftigen Farben verwendet worden. Und darauf achtet Mauch.
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Seinen Markt suchte Mauch in der heimischen Schweiz. Ein harter Start: Der Abfall ist gut organisiert, also besteht kein starken Leidensdruck. Der Markt ist klein und durch die drei Landessprachen nochmals fragmentiert. Das gemeinsame Monopol der beiden Grossverteiler Migros und Coop bedeutete: Entweder ist man dabei oder man ist draussen. Über den Preis konnte Mauch nicht gehen. Die Biosäcke waren vier Mal so teuer wie herkömmliche Plastiksäcke. Heute sind sie immerhin nur noch doppelt so teuer.
Für Brote vom Bäcker und für Taschenmesser
Mauch hatte Glück. Die Bäckervereinigung von Genf, der immerhin 80 Bäckereien im Stadtkanton angehören, übernahm seine Säcke. Die Überlegung: Gutes Brot gehört in gute Säcke. Im Wettbewerb mit den Grossverteilern wollten die Bäcker auch nach aussen einen Unterschied markieren. Später folgte die Vereinigung der Westschweizer Bäcker. Und ab Ende März bieten die Mitglieder des Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes die Säcke von BioApply an. Dem Verband gehören 4000 Bäckereien an. Auch sonst sind die typischen Abnehmer der Biosäcke kleine und mittlere Unternehmen, denen ihr Ruf wichtig ist: der Taschenmesserhersteller Wenger, der Textilhersteller Switcher, Alinghi, Capitole, Philipp Morris, Loterie Romande, LeShop, Banken, Medienunternehmen.
Erfolg am Golf
Das harte Pflaster Schweiz hat die Erfahrungen hervorgebracht, mit denen BioApply ins Ausland exportieren kann. In Deutschland, Frankreich und Lettland verkauft es schon. Im Januar gelang der grosse Wurf in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Der BioApply-Sack wurde zur offiziellen Tragtasche des World Future Energy Summit, des Davos der erneuerbaren Energien in Abu Dhabi. Die Emirate am Golf sind eine Grossmacht, wenn es um Plastiksäcke geht. Eine Milliarde werden davon pro Jahr verbraucht – und landen oft in der Wüste. Bis 2012 sollen sie verboten werden – eine Riesenchance für Mauch. Auch anderswo wird laut über ein Verbot nachgedacht, etwa in den Städten Moskau und San Francisco.
Der Erfolg spiegelt sich im Umsatz. 2008 nahm BioApply erst 280000 Franken ein. Im vergangenen Jahr wurde die Firma Umsatzmillionär. In diesem sollen es mehr als 2.2 Millionen werden, 2015 dann 11 Millionen. Dann will Mauch 20 Beschäftigte haben. Ende dieses Jahres sollen es fünf sein.
Mit der KTI zu neuem Produkt
Doch Biosäcke sind nur der Anfang gewesen. 2007 hat er mit Hilfe der KTI, der Innovationsförderungsagentur des Bundes, gemeinsam mit der Empa in St. Gallen und industriellen Partnern im Waadtland und Solothurn ein Forschungsprojekt begonnen. Ziel war es, das Material für Bio-Flipflops herzustellen. Biegsam sollte das Material sein und leicht. Jetzt ist es gelungen. Mauch will allerdings nicht direkt auf den Markt gehen, sondern sucht einen starken Markenpartner.
Die Biosäcke sind für Mauch ein guter Anfang gewesen. Damit konnte er Erfahrungen sammeln und Geld verdienen. „Aber wir wollen nicht bei einem Produkt bleiben“, sagt Mauch. „Wir wollen jetzt auch andere Produkte anbieten und unsere eigene Biopolymere.“ Was im Rückblick eine Erfolgsgeschichte ist, war lange nervenzehrend. „Ich habe erst 2009 gewusst, dass es funktioniert“, sagt Mauch.
Bild: Säcke können auch aus Mais oder Kartoffeln hergestellt werden (Steffen Klatt).
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