Masdar speckt ab

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 22.03.10
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Masdar, PRTAbu Dhabi - Auch die Ökostadt Masdar muss sich nach der Decke strecken. Sie soll nach der neuen Strategien weniger Gebäude enthalten, stärker in die Höhe wachsen und mehr mit einheimischen Produkten gebaut werden. Damit will Abu Dhabi Rentabilität gewährleisten.

Masdar hält noch immer an seinen wesentlichen Zielen fest: Die Ökostadt am Rand von Abu Dhabi, an der seit Februar 2008 gebaut wird, will noch immer kohlendioxid- und abfallfrei werden. Aber sie soll laut ihrem Chef Sultan al Jaber mit weniger Gebäuden auskommen, dafür in die Höhe wachsen und mehr Zeit bis zu ihrer Fertigstellung beanspruchen dürfen. „Unsere Strategie ist noch immer die gleiche, unsere Vision ist die gleiche, aber wir sind in unserem Ansatz sehr viel klüger geworden.“

Nachfrage nach Immobilien sinkt

Vier Jahre nach Beginn der Planungen hat die Führung von Masdar ihre neue Strategie vorgestellt. Damit reagiert sie auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die gerade in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Nachfrage nach Immobilien geschwächt hat. „Der Masterplan wurde vor vier Jahren erarbeitet. Seither hat sich die Welt sehr stark verändert, und wir haben mehr gelernt, wie wir ihn umsetzen müssen“, sagte Alan Frost, der neue Chef der Immobilienentwicklung Masdars, gegenüber Medien in den Emiraten. Sein Vorgänger Khaled Awad musste das Unternehmen Ende Februar verlassen.

In die neue Strategie sollen auch die neuen Erfahrungen einfliessen, die Masdar mit den Grenzen der sauberen Energien und der sauberen Transporttechnologien gemacht hat. „Masdar wird in Phasen verwirklicht“, fügte Frost hinzu. „Nicht alles wird schon am ersten Tag parat sein.“

Kleiner, weniger futuristisch, lokaler

Masdar wird anders aussehen als ursprünglich vorgesehen. Manche geplanten Villas werden effizienteren Wohngebäuden weichen. Viele kommerziell genutzte Flächen werden grösser. Vor allem aber wird Masdar weniger selbst bauen als vorgesehen. Vielmehr sollen dritte Unternehmen das Risiko und den Bau von Teilen Masdars übernehmen. Masdar soll zumindest am Anfang kleiner werden als vorgesehen. Die Stadt will weniger stark auf futuristische Technologien  setzen und dafür den Bedürfnissen des Marktes einen grösseren Platz einräumen.

„Ursprünglich war geplant gewesen, dass wir die gesamte Stadt entwickeln“, sagt Frost. „In Wirklichkeit werden wir stärker auf sehr fähige Immobilienentwickler zurückgreifen.“ Es mache keinen Sinn, dass Masdar die Rolle übernehme, die Immobilienunternehmen wie Aldar aus Abu Dhbai spielten. Die aktive Rolle Masdars im Bauprozess habe die Strategie teurer und weniger effizient gemacht, so Frost. Die eigenen Standards von Masdar, welche die Verwendung kohlendioxidneutraler Baumaterialien vorsehe, hätten den Einbezug lokaler Lieferanten nahegelegt. Importe seien oft kohlendioxidintensiver, da sie von weither herangebracht werden müssten.

Futurismus trifft auf harte Wirklichkeit

Mit der neuen Strategie reagiert Masdar auf die geänderten Verhältnisse möglicher künftiger Mieter. Diese wünschen eher Wohnungen mit zwei bis drei Wohnungen statt Villas. Interessenten für Gewerbe- und Bürogebäude dagegen wünschen grössere Flächen. Ausserdem hat sich gezeigt, dass manche der gewünschten Technologien nicht sofort zur Verfügung stehen. So stehen die Solarschirme – tagsüber ernten sie Sonnenkraft, nachts lassen sie kühle Luft in die Stadt – noch nicht in der gewünschten Form zur Verfügung. Zudem müssen alle Solaranlagen, auch das 10-Megawatt-Photovoltaikkraftwerk, mit dem Staub der Wüste kämpfen. Die automatischen Fahrkabinen - das Hauptelement des öffentlichen Verkehrs -  sind zwar entwickelt, aber noch bei weitem zu teuer für die gewünschte Massenanwendung.

Kind des hohen Ölpreises

Als Masdar Anfang 2008 vorgestellt wurde, stiegen die Immobilienpreise Abu Dhabis scheinbar unaufhörlich. Die Preise für Öl – Abu Dhabis wichtigstes Exportprodukt – jagten noch neuen Rekorden nach. Die Pläne für eine Stadt mit 50 000 Einwohnern und 90 000 Arbeitsplätze, die bis 2016 fertiggestellt sein sollte, sowie Investitionen von 22 Milliarden Dollar erregten weltweit Aufmerksamkeit. Masdar galt als ein gewaltiges Experimentierfeld für erneuerbare Energien. Das ölreiche Emirat sah darin ein Mittel, sich von der Abhängigkeit von fossilen Energien zu lösen.

Formel-1-Rennstrecke steht leer

Masdar spürt aber auch die Folgen von zwei weiteren teuren Immobilienentwicklungen. Im November 2009 wurde pünktlich zum ersten Formel-1-Rennen auf Yas Island nur wenige Kilometer von Masdar ein grosser Komplex von Hotels und anderen Tourismuseinrichtungen fertiggestellt, die seither weitgehend leerstehen. Yas Island wurde von Aldar entwickelt, einer Schwestergesellschaft Masdars. Beide gehören zu Mubadala, dem von Kronprinz Mohammed bin Zayed Al Nahyan kontrollierten Staatsfonds. Seit dem Ende des Rennens sind die Hotels auf Yas Island stark unterbelegt. Weit ausserhalb der Hauptstadt gelegen, haben sie kaum Möglichkeiten, Geschäftsreisende anzuziehen. Für Erholungssuchende sind sie dagegen ohne Strandanschluss wenig interessant. Auch Saadiyat Island, die geplante Kulturinsel mit Louvre und Guggenheim, droht zu einem Finanzloch zu werden. Auch wenn sie mit Sheikh Sultan bin Tahnoon Al Nahyan zu einem anderen Zweig der Herrscherfamilie des Emirats gehört, wurde der Masterplan wie derjenige Masdars von Foster and Partners entwickelt.

Nun muss Masdar beweisen, dass es nicht ebenfalls zu einem Finanzloch wird. Noch hält es jedenfalls am neuen Zeitplan fest, wie er Anfang des Jahres bekannt wurde. Die erste Phase Masdars soll laut Alan Frost 2013 fertiggestellt werden.

 

Bild: Die automatischen Fahrerkabinen sind technisch machbar, aber noch bei weitem zu teuer für einen Masseneinsatz (Steffen Klatt).

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