Masdar hat zwei der führenden Köpfe verloren. Sowohl der Leiter Immobilienentwicklung als auch der Chef von Masdar Energie haben das Unternehmen verlassen. Masdars Chef, Sultan al Jaber, verordnet dem Ökostadtprojekt nun eine Denkpause von sechs bis acht Wochen. Dabei soll Masdar auch auf seine finanzielle Machbarkeit hin überprüft werden.
Für Masdar City hat das Jahr bereits auf dem falschen Fuss begonnen. Anfang Jahr musste die Abu Dhabi Future Energy Corporation, die Bauherrin, bereits mitteilen, dass die Fertigstellung des Vorhabens sich bis weit in die 20er Jahre hineinziehen wird. Die erste Etappe mit dem Masdar Institute for Science and Technology, dem Hauptquartier und dem Swiss Village werde gleichwohl bis 2013 fertiggestellt werden. Zu wenig Erdgas Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate schätzt, dass der Stromverbrauch von heute 16000 Megawatt bis 2020 auf 40000 Megawatt steigt. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 9 Prozent. In Dubai erwartet die Strom- und Wasserbehörde des Emirats allein für dieses Jahr einen Anstieg des Verbrauchs von 7000 auf 10000 Megawatt. Erstmals hat die Behörde nun den Bau eines privaten Kraftwerks genehmigt. Zuvor hatte sie die Genehmigung während eines Jahres hinausgezögert, vor allem wegen des krisenbedingten langsamen Wachstums des Strombedarfs. Die heutigen Kraftwerke in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden mit Öl und Gas aus heimischer Förderung betrieben. Laut der Regierung der Föderation reicht das verfügbare Erdgas nur für eine Stromproduktion von bis zu 25000 Megawatt. Deshalb hat das staatliche Energieunternehmen Emirati Nuclear Energy Corporation im Dezember ein Abkommen mit der Koreanischen Stromgesellschaft unterzeichnet, laut dem diese vier Kernkraftwerke mit einer Kapazität von je 1400 Megawatt in den Emiraten errichtet. Das Abkommen hat einen Wert von 20 Milliarden Dollar. Zwei führende Köpfe verlassen MasdarNun muss Masdar die Abgänge von zwei der profiliertesten Köpfe hinnehmen. Khaled Awad, Leiter Immobilienentwicklung Masdars, hat das Unternehmen ebenso wie ZiadTassabehji, Chef von Masdar Energie Ende Februar verlassen. Laut Masdar sind diese Abgänge lange geplant gewesen. „Die Stabübergabe von Tassabehji und Awad zu ihren Nachfolgern wurde schrittweise vollzogen und wurde über einen Zeitraum von fünf Monaten koordiniert“, hiess es aus dem Unternehmen. „In schnell wachsenden Unternehmen ist es normal, dass die Belegschaft wechselt. Die Leute kommen und gehen; wir kommen sehr gut mit dem Wechsel klar.“ An die Stelle Awads tritt Alan Frost, an die Stelle Tassabehjis Frank Wouters. Ursprüngliche Pläne werden überprüftAwad hatte erst vor kurzem bekräftigt, dass Masdar die Frist 2013 für die erste Phase einhalten kann. Doch nun hat der Chef von Masdar, Sultan al Jaber, eine umfassende, sechs Wochen dauernde Prüfung der ursprünglichen Pläne Masdars angeordnet. Insbesondere sollen die Pläne daraufhin abgeklopft werden, wie und wann die Investitionen sich bezahlt machen. Die Überprüfung hat bereits Mitte Februar begonnen. Das Unternehmen spielte die Bedeutung der Entscheidung herunter. „Alle Projekte und erst recht visionäre wie Masdar erfordern eine ständige Überprüfung.“ Masdar werde fortgesetzt. Allerdings sei mit weiteren Veränderungen des ursprünglichen Plans zu rechnen. „Der Weg ist sehr weit. Beobachter sollten damit rechnen, dass Masdar weitere Änderungen und Anpassungen an Projekten, Zeitplänen und anderen Plänen vornehmen wird. Wir wollen damit sicherstellen, dass Masdar die wirksamsten Energielösungen für die Zukunft liefert.“Ökostadt netto ohne KohlendioxidMasdar wurde vor vier Jahren vom Emirat Abu Dhabi lanciert. Die Ökostadt am Rand der Hauptstadt des Emirats soll autofrei sein, seine Energie aus erneuerbaren Energien beziehen und netto kein Kohlendioxid ausstossen. Der Aufbau der Stadt mit 50000 Einwohnern und 90000 Arbeitsplätzen soll 22 Milliarden Dollar kosten. Masdar soll dazu beitragen, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Abu Dhabi bis 2020 auf 7 Prozent zu erhöhen. Die Ökostadt wird auch Sitz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien sein. Bild: Die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 10 Megawatt, die grösste in der Golfregion, ist bereits in Betrieb und speist Strom ins Netz. Doch der Rest Masdars steht nun auf dem Prüfstand (Steffen Klatt).
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