Schweizer sind grosszügig

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Geschrieben von: Steffen Bethmann, Universität Basel 18.02.10
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Wenn von Philanthropen die Rede ist, dann fallen meistens Namen wie Bill Gates,  Warren Buffet oder Stephan Schmidheiny. Demnach könnten nur reiche Menschen philanthropisch aktiv sein. Dieses Verständnis greift aber zu kurz. Philanthropie bedeutet übersetzt Menschenfreundlichkeit  und darunter fallen weit mehr Dinge als nur Grossspenden.

Im Gegensatz zu häufiger verwendeten Begriffen wie Gemeinnützigkeit oder Gemeinwohl richtet die Philanthropie den Fokus auf  die handelnde Person als Ursprung der gemeinnützigen Tätigkeit.  Die Philanthropin oder der Philanthrop hat nicht den eigenen Nutzen vor Augen, sondern die Hilfeleistung für andere Menschen oder für das Gemeinwohl. Dieses weit gefasste Verständnis von Philanthropie lässt sich in einem einfachen Satz ausdrücken: Philanthropie umfasst jede private freiwillige Handlung für einen gemeinnützigen Zweck.

Philanthropie als übergeordnete Handlungsdimension

Philanthropie ist in allen gesellschaftlichen Sektoren verankert. Philanthropie ist also nicht ein Vorrecht der Reichen,  vielmehr hat jeder Mensch eine philanthropische Autobiographie, denn schliesslich finden sich philanthropische Aktivitäten in allen Gesellschaftsbereichen. Nicht nur Individuen, sondern auch Unternehmen und Nonprofit-Organisationen (juristische Personen) können philanthropisch handeln. Insbesondere das gemeinnützige Engagement von gewinnorientierten Unternehmen hat in den letzen Jahren unter den Schlagwörtern Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Philanthropy stetig zugenommen. Der Staat nimmt die Rolle des Garanten und Gestalters der entsprechenden Rahmenbedingungen ein. Basierend auf dieser Auffassung lässt sich Philanthropie als übergeordnete Handlungsdimension verstehen, die von allen Gesellschaftsakteuren ausgeübt bzw. beeinflusst werden kann. Die Abbildung verdeutlicht dieses Verständnis von Philanthropie.

Philanthropie in der Schweiz

Bisher gibt es keine zusammenfassende Darstellung der Philanthropie in der Schweiz. Vielmehr werden immer einzelne philanthropische Handlungen, wie z.B. Geldspenden gesondert betrachtet. Das CEPS hat daher in dem Forschungsprojekt „Philanthropie in der Schweiz“ eigene und sekundäre Studien zu Teilbereichen der Philanthropie ausgewertet und in einer Gesamtanalyse zusammengefasst. Ausgehend von der Unterteilung in Geld-, Zeit- und Sachspenden wurden dabei die philanthropischen Handlungen der einzelnen Akteure in Bezug auf Ausprägung und Motivation untersucht und im Anschluss aggregiert.

Geld- und Sachspenden

Schweizer Bürger(innen) spenden generell gerne und sind hinter den USA an zweiter Stelle, was das Spendenvolumen in Bezug auf das Einkommen betrifft.  Rund drei Viertel der über 15-jährigen geben an, schon einmal im letzten Jahr Geld oder Naturalien für eine gemeinnützige Sache gespendet zu haben. Hochrechnungen auf die gesamte Schweizer Bevölkerung ergeben ein Spendenvolumen von rund 1,3 Mrd. CHF. Zieht man Erbschaften und Legate in die Berechnungen mit ein, ergibt sich sogar ein Gesamtvolumen von 1,6 Mrd. CHF im Jahr 2007. Das philanthropische Engagement von Unternehmen gleicht in vielerlei Hinsicht dem der Individualspender. Ungefähr drei Viertel aller Unternehmen in der Schweiz spenden für gemeinnützige Zwecke.  Aus den ausgewerteten Studien lässt sich ein Gesamtvolumen der Unternehmensspenden von 800 Mio. bis 1 Mrd. CHF schätzen. Die Schätzungen über die gesamte Fördersumme der 12.043 gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz, liegen zwischen 1 und 1,5 Mrd. CHF. Insgesamt ergibt sich daraus ein kumuliertes Spendenvolumen von ca. 3 Mrd. CHF. Dabei handelt es sich jedoch um einen Mindestwert, da insbesondere Sachspenden oft nicht genügend in den Betrachtungen berücksichtigt werden oder auch schlecht in Geldwerten ausgedrückt werden können.

Zeitspenden

Das Bundesamt für Statistik schätzt den Wert von informellen und formellen freiwilligen Tätigkeiten für die Schweiz im Jahr 2004 auf eine Gesamtsumme von 31 Milliarden Franken. Dies entspricht einem ungefähren Gesamtvolumen von 700 Millionen Stunden pro Jahr. Während sich im formellen freiwilligen Engagement, wie bei den Geldspenden, die Höhe des Einkommens und das  Bildungsniveau positiv auf die Aufnahme einer Tätigkeit auswirken, ist dieser Zusammenhang beim informellen Engagement nicht gegeben. Corporate Volunteering Programme sind in der Schweiz bisher nur wenig verbreitet,  es ist jedoch zu erwarten, dass sie in der Schweiz immer öfters in die CSR-Strategien der Unternehmen eingeführt werden. Das ausgeprägte freiwillige Engagement in der Schweiz ist auch Zeichen einer gefestigten Demokratie und starken Zivilgesellschaft.

Motivation

Generell liegt philanthropischem Handeln nicht eine einzige Motivation zu Grunde. Man spricht viel mehr von Motivbündeln, die verschiedene, durchaus widerstreitende Elemente enthalten können. Es lässt sich zwischen altruistischen-, gemeinschaftsbezogenen-, gestaltungsorientierten-, problem-orientieren- und entwicklungsbezogenen Gründen unterscheiden. Je nach Akteur und Handlungs-dimension sind die Motivbündel verschieden zusammengesetzt. Neben rein altruistischen Motiven sind auch eigennützige Motive ausschlaggebend für philanthropische Handlungen. Das Wohlergehen Dritter muss jedoch klar im Vordergrund stehen.

Fazit

Betrachtet man Philanthropie als jede private freiwillige Handlung für einen gemeinnützigen Zweck, ergibt sich ein spannendes Forschungsfeld. Entgegen Forschungsvorhaben, die den Dritten Sektor untersuchen, zieht dieser Ansatz das Engagement von Individuen und der Wirtschaft in die Analysen mit ein. Die Aggregation der Ergebnisse ist jedoch bisher nur mit Einschränkungen möglich. Die verwendeten Methoden der ausgewerteten Teilstudien differieren teilweise stark untereinander, so dass eine Vergleichbarkeit nur bedingt gegeben ist. So ist die aggregierte Summe philanthropischer Handlungen von 34 Mrd. CHF als ein erster Richtwert zu betrachten.

Das CEPS möchte mit dieser Studie dazu beitragen, Philanthropie als eigenen Forschungsgegenstand zu etablieren und darauf aufbauend weitere Forschungsaufgaben definieren. Ziele sind den gesellschaftlichen Nutzen und Wert der Philanthropie in der Schweiz aufzuzeigen, und das Verständnis von Philanthropie in der Bevölkerung zu festigen.

Der vollständige Bericht steht als kostenfreier Download unter www.ceps.unibas.ch/forschung/publikationen zur Verfügung

 

Weitere Informationen:

Universität Basel
CEPS - Centre for Philanthropy Studies / Centrum für Philanthropie und Stiftungswesen
Steffen Bethmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Telefon: +41 (0)61 267 23 99
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Bild: Philanthropie als übergeordnete Handlungsdimension (Universität Basel).

 

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