Mit Kernkraft gegen Klimawandel

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: John Dyer, Boston 17.02.10
Bookmark and Share
Stichworte:         

Die US-Regierung gibt für den Bau neuer Atomkraftwerke 8,3 Milliarden Dollar Kredit. Erstmals seit drei Jahrzehnten werden in den USA wieder neue Reaktoren gebaut. Präsident Obama will sogar 55 Milliarden für sechs bis zehn neue Atomkraftwerke bereitstellen. Er preist Kernenergie als Mittel zum Klimaschutz.

Erstmals seit drei Jahrzehnten sollen in den USA wieder neue Atomkraftwerke gebaut werden. Präsident Barack Obama will die Nutzung der Kernenergie kräftig ausweiten und erhofft sich mehrfachen Nutzen davon. Zum einen will er die um Aufschwung kämpfende Wirtschaft ankurbeln, zum anderen die CO2-Bilanz der USA verbessern, denn Kernkraftwerke stossen keine Treibhausgase aus. Der dritte, in einem Wahljahr nicht unwichtige Aspekt ist, dass er mit dieser Politik sein Versprechen wahr machen kann, Zwei-Parteien-Politik zu betreiben. Die republikanische Opposition fordert seit langem mehr Nutzung der Nuklearenergie.

Obama: So einfach ist das

Mit der Kreditzusage von 8,3 Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro/8,9 Milliarden Franken) will der Präsident die Finanzierung zwei neuer Atommeiler des Energieversorgers Southern Company in Georgia unterstützen. „Wir können nicht weiter im Sumpf der alten Debatte stecken bleiben zwischen Links und Rechts, zwischen Umweltschützern und Unternehmern“, sagte Obama auf einer Pressekonferenz in Maryland. „Nuklearenergie bleibt unsere grösste Energiequelle, die keine Kohlenoxide abgibt. Wir müssen unsere Versorgung mit Kernenergie steigern. So einfach ist das.“

Werden die beiden neuen Reaktoren in Georgia genehmigt, dann sollen sie Energie für 1,4 Millionen Konsumenten liefern. Die Gesamtkosten des Projekts werden sich auf 14 Milliarden Dollar belaufen. „Wir fühlen uns durch das Vertrauen der Regierung in unsere Fähigkeit geehrt, das erste Kernkraftwerk der Nation seit mehr als drei Jahrzehnten zu bauen“, sagte der Chef von Southern Company, David Ratcliffe. „Das ist eine wichtige Unterstützung der Rolle, die die Kernenergie in einem diversifizierten Energiemix unseres Landes und beim Reduzieren von Treihausgasemissionen spielt.“

Geld für bis zu zehn neue Reaktoren

Der Kredit ist Teil der 18 Milliarden Dollar, die die Regierung zur Finanzierung im Energiesektor vorgesehen hat. Präsident Obama hat in seinem Haushaltsplan für 2011 vorgesehen, dieses Volumen auf knapp 55 Milliarden auszuweiten. Damit könnten zwischen sechs und zehn neue Atomkraftwerke finanziert werden.

Diese neue Energiepolitik kann, so scheint man im Weissen Haus zu hoffen, die Demokraten und Republikaner zueinander führen, die in der Klimaschutzgesetzgebung bisher zutiefst zerstritten waren. Damit sollte ein Handel mit Abgasemissionen nach europäischem Muster eingeführt werden. Wegen dieser Absicht liegt das Gesetzespaket seit Monaten auf Eis. Die Republikaner sind mehrheitlich dagegen, sie fordern eine Ausweitung der Kernenergie, was bei den meisten Demokraten bisher auf Widerstand gestossen ist. Obama hofft, mit dem neuen Energiemix-Ansatz Republikaner und Demokraten zusammen zu bringen. „Ich glaube daran, dass es hier wirklich Gemeinsamkeiten gibt“, sagte der Präsident. „Meine Administration wird daran arbeiten, Bereiche der Übereinstimmung zu erarbeiten, sodass wir einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf zu Energie und Klimaschutz durch den Senat bringen.“

Energieminister Chu: Wieder Führung übernehmen

Kernkraft stellt mit ihren heute 104 Atomkraftwerken etwa ein Fünftel des Energieverbrauchs der USA. Seit dem Unfall im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg in Pennsylvania im März 1979 allerdings war die Nuklearenergie auch in den USA umstritten.

Die Ängste der Bevölkerung hätten dazu geführt, dass die einst führenden USA hinter China, Japan und Frankreich zurückgefallen seien, erklärte US-Energieminister Steven Chu in Maryland. Diese Staaten hätten gut ausgebaute Nuklearsektoren. 56 Reaktoren seien derzeit weltweit im Bau, sagte Minister Chu. Allein China baue zurzeit 21 Anlagen. „Es ist an der Zeit, wieder die Führung zu übernehmen“, erklärte Chu.

Umweltschützer kritisierten Obama dagegen und meinten, die Milliarden würden besser für Sonnen- und Windkraftwerke ausgegeben statt für eine „gescheiterte“ Energieform.

Die US-Nuklearaufsichtsbehörde NRC muss den Bau genehmigen. Seit 2007 sind 26 Bauanträge dort eingereicht worden, 19 wurden bisher abgelehnt.

Kontraproduktiv: Obama schliesst Endlager

Ein Problem stellt sich bei Obamas Schwenk zu mehr Nutzung von Kernenergie. Er hat versprochen, das unter dem Yucca Mountain in Nevada fertig gestellte Endlager für Reaktorabfälle zu schliessen. Das Endlager ist in 20 Jahren mit Kosten von 1,2 Milliarden Dollar gebaut, aber nie benutzt worden.

Republikaner werfen Obama vor, er wolle mit der Schliessung dem demokratischen Senator von Nevada, Harry Reid, vor den Wahlen im November einen Gefallen tun, weil das Endlager bei der Bevölkerung in Nevada nicht gern gesehen werde.

 

Bild: In den USA wurden in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer wieder Kernkraftwerke geschlossen, hier Big Rock in Charlevoix (Michigan). Nun sollen wieder  Kraftwerke gebaut werden. (NRC).

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren