Thunfisch im Mittelmeer vor dem Aus

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Geschrieben von: Roderick Agius, Malta 12.02.10
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Die Jagd auf Wale gerät immer wieder ins Scheinwerferlicht. Doch die Jagd auf Thunfische hat viel grössere Auswirkungen. Im Mittelmeer ist die Zahl der Thunfische dramatisch gesunken. Das Europaparlament verlangt ein Handelsverbot.

Die „Seehirten” haben auch nach Beendigung der japanischen Walfangsaison keine Ruhe. Denn die Artenschutzorganisation „Sea Shepherd Conservation Society”, die auch vor Versenkung von Walfangschiffen nicht zurückschreckt, will ihr Aktionsfeld jetzt ins Mittelmeer verlagern. Dort will sie alles tun, um die Jagd auf den Blauflossen-Thunfisch zu verhindern. Der „Bluefin”, der auf Deutsch „Roter Thun” genannt wird, ist in der Gefahr im Mittelmeer auszusterben. Alle Appelle an die Politik, Fang und Handel zu verbieten, haben in der Vergangenheit wenig gebracht, weshalb die militanten Umweltschützer im Mittelmeer aktiv werden wollen. Allerdings hat sich auch im Europaparlament die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese Fischart mit nur noch 25 Prozent des Bestandes von 1957 heute nur noch durch ein Handelsverbot vor dem Aussterben zu retten ist.

Europaparlament stimmt für Aufnahme auf Artenschutzliste

422 der 736 Europaparlamentarier stimmten dafür, dass die Europäische Union bei der nächsten Sitzung von CITES, der Organisation des Washingtoner Artenschutzabkommens (Convention on International Trade in Endangered Species) für ein Handels- und Exportverbot stimmt. Die Delegierten der 175 Vertragsstaaten kommen vom 13. bis 25. März in Doha, der Hauptstadt von Katar, zu ihrem Jahrestreffen zusammen. Der größte Widerstand dürfte dort von Japan kommen, wo Thunfischfleisch ein zentraler Bestandteil der Sushi-Küche ist. Aber auch Mittelmeeranrainer-Staaten sind gegen zu starke Beschränkungen oder gar ein Fangverbot. Der Blauflossen-Thunfisch wird von den Fischereiflotten fast aller Mittelmeerstaaten gejagt. Früher gab es ihn sogar im Schwarzen Meer, heute ist er dort schon ausgestorben.
Um das im Mittelmeer zu verhindern, sind die beiden Sea Shepherd-Schiffe „Steve Irwin” und „Bob Barker” jetzt auf dem Weg ins Mittelmeer. Sie wollen sich auch von Drohungen der Fischer dort nicht einschüchtern lassen, so, wie sie auch den Japanern getrotzt haben, wenn sie deren Walfang zu verhindern versucht haben.

Watson will sogar Schiffe opfern

Die Mittelmeeraktion der „Seehirten” kündigte der Gründe und Präsident der Organisation selber an: Captain Paul Watson. Er sagte: „Wir müssen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit darauf lenken, dass eine der einzigartigsten Fischarten, der Bluefin tuna (Blauflossen-Thunfisch oder Roter Thun) vor dem Aussterben ist – aufgrund illegalen Fischfangs, der durch Japans unersättliche Nachfrage nach diesem teuren Fisch betrieben wird.” 
In Japan gilt diese Thunfischart als besondere Delikatesse und wird zu Rekordpreisen gehandelt. Einer der bis zu 700 Kilogramm schweren Fische soll vor kurzem für rund 120.000 Euro verkauft worden sein.
Dass die Sea Shepherds ebenso aggressiv vorgehen wollen wie gegen die japanischen Walfänger machte Watson mit den Worten deutlich: „Wir mögen ein Schiff verlieren, aber der Verlust eines Schiffes ist dem Verlust des Bluefins als Spezies vorzuziehen. Schiffe sind entbehrlich, eine Spezies ist es nicht.”

Fischer gegen Fangverbot

Fischer im Mittelmeer wie etwa in Malta fürchten jetzt um eine wichtige Einnahmequelle. Nur ein einziges Anrainerland - das Kleinste - hat bisher mit politischen Maßnahmen zum Schutz des Thunfisches ernst gemacht. In Monaco ist der Verkauf von Blauflossen-Thunfisch ganz verboten. Die Empfehlung der EU-Kommission, den Bauflossen-Thunfisch in die CITES Liste aufzunehmen, beruht auf dem Vorschlag Monacos.
In Malta, in Spanien, Italien, Frankreich oder Griechenland und Zypern wird nach wie vor gefischt, konsumiert und exportiert. Wobei schon aufgrund der hohen Kilopreise beispielsweise in Spanien der Sorte „Bonito del Norte” der Vorzug gegeben wird, die zwar auch überfischt aber nicht bestandsgefährdet ist. 
Nachdem auch Frankreich für ein Handelsverbot gestimmt hat – allerdings erst in anderthalb Jahren – erklärte der Vorsitzende des Verbandes der Mittelmeerfischer, Murat Kahoul, die Fischer versetze diese Nachricht „in einen Schockzustand. Das kann nur auf eine große Krise hinauslaufen.”

Fangquote zu hoch für Bestandsschutz

Heute liegen die Fangmengen für den Tunfisch weit höher als die von Wissenschaftlern empfohlenen Grenzwerte. Die Quote für 2010 ist sogar 1,7 mal höher als der kritische Wert, bei dem eine fünfzigprozentige Chance besteht, dass sich die Bestände erholen. Eine Aufnahme in CITES Appendix 1 wird die Internationale Kommission für den Schutz des Atlantischen Tunfischs ICCAT darin unterstützen, die Tunfischerei effizient zu verwalten und niedrigere Fangquoten festzulegen, die zur Erholung der Tunfischbestände führen können.

 

Bild: Urheber dieses Wikipedia und Wikimedia Commons Bildes ist der User Chris 73. Es ist frei erhältlich unter http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tsukiji.FrozenTuna.jpg und ist lizensiert nach creative commons cc-by-sa 2.5.

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