Masdar verzögert sich

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 06.01.10
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Abu Dhabi - Das ölreiche Abu Dhabi bremst den Bau der Ökostadt Masdar. Die für 50000 Bewohner ausgelegte Stadt soll frühestens 2020 fertiggestellt werden. Die erste Phase dagegen soll wie geplant 2013 beendet werden. Zu ihr gehört neben Universität und Hauptquartier das Swiss Village. Die Bauherrin macht die Komplexität des Projekts und dessen Pioniercharakter für die Verschiebung verantwortlich.

Eben erst hat die Welt der Eröffnung des Turms des Kalifen zugeschaut. Während das mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende Dubai das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt feiert, steckt der reiche Nachbar Abu Dhabi zurück: Die Ökostadt Masdar am Rand der Hauptstadt des grössten der Vereinigten Arabischen Emirate soll mindestens vier Jahre später als geplant fertiggestellt werden. Statt 2016 soll Masdar frühestens 2020 Wirklichkeit werden.

Erste Phase bis 2013

Die erste Phase Masdars soll wie geplant 2013 verwirklich werden. Dazu gehören zwei der wichtigsten Gebäudekomplexe der Stadt. Der Grundstein für das Masdar Institute of Science and Technology war bereits im Februar 2008 gelegt worden. Die ersten Gebäude sollen in den nächsten Wochen bezugsbereit sein. Die ersten knapp hundert Studenten haben ihr Studium im September in Provisorien aufgenommen. Ursprünglich hatten sie von Anfang an in den neuen Gebäuden unterrichtet werden. Nun dürften sie erst zum Beginn des zweiten Studienjahres auf den Campus ziehen. Zur ersten Phase gehört auch das Hauptquartier Masdars. In dem Gebäude wird auch die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien untergebracht werden. Masdar hatte sich im Ringen um den Sitz der neuen Behörde, der bereits 138 Staaten angehören, Ende Juni gegen Bonn und Wien durchgesetzt.

Zur ersten Phase soll aber auch das Swiss Village gehören: Die Schweiz ist das bisher einzige Land, dem ein eigenes Quartier zugebilligt wird. Bereits über hundert Schweizer Unternehmen haben ihr Interesse am Quartier zugesichert. Auch die Schweizer Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten soll hier untergebracht werden.

„Komplexität verlangt Flexibilität“

Für die vollständige Fertigstellung gibt die Bauherrin, die staatliche Abu Dhabi Renewable Energy Company, kein festes Datum an. „Wenn die erste Phase 2013 fertiggestellt ist, folgen die sechs weiteren Phasen im darauffolgenden Jahrzehnt“, sagte ein Sprecher. „Wir erwarten, dass die Stadt bis 2020 eine kritische Masse von Bewohnern und Unternehmen erreichen wird.“ Die Stadt wird für insgesamt 50000 Bewohner und 90000 Arbeitsplätze angelegt.
Ein Sprecher versuchte die Bedeutung dieser Verzögerung zu relativieren. „Masdar ist kein typisches Immobilienprojekt und unterliegt nicht dem üblichen Druck fester Fristen.“ Der Erfolg Masdars messe sich nicht in der Geschwindigkeit, mit der die Stadt errichtet werde, sondern an den Standards, die es im Umgang mit den heutigen Herausforderungen an die Energieversorgung und die Nachhaltigkeit setze. Der Bau der Stadt sei ein „Versuchslabor für die Forschung“ und verlange deshalb flexible Fristen. „Vieles, was hier getan wird, ist bisher nie in diesem grossen Massstab getan worden.“ Die Komplexität dieses Projekts sei daher grösser als anderswo. Dafür könnten später andere nachhaltige Städte von den Erfahrungen Masdars profitieren.

Unrealistische Fristen

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise soll keine Rolle bei der Verzögerung spielen. Masdar rechnet mit Baukosten in Höhe von 22 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro/23 Milliarden Franken). Davon will die Bauherrin 4 Milliarden Dollar aufbringen. Der Rest soll von privaten Investoren oder über Kredite finanziert werden.

Quellen in Masdar sagen, dass die ursprünglich geplante Fertigstellung bis 2016 schon während längerer Zeit als unrealistisch galt. Auch Masdars Chef Sultan Al Jaber deutete Verzögerungen an. Im November sprach er an einer Konferenz, die Entwicklung Masdars nehme zwölf bis fünfzehn Jahre in Anspruch. Im Dezember nannte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erstmals 2020 als das Jahr der Fertigstellung, sprach aber gleichzeitig nur von einer einjährigen Verzögerung.

Wechsel auch bei Technologien

Auch in einigen technologischen Entscheidungen hat sich Masdar bereits von früheren Plänen verabschiedet.  So hatte Masdar ursprünglich stark auf konzentrierte Solarenergie gesetzt, bei denen die Sonnenstrahlen mit Hilfe von Spiegeln konzentriert werden sollten. Computermodelle zeigten aber, dass der Dunst und der Staub im zwischen Wüsten und Meer gelegenen Abu Dhabi die Wirksamkeit dieser Technologie einschränkten. Stattdessen setzt Masdar jetzt vermehrt auf Photovoltaik. Ausserdem will Masdar auch die ursprünglich nicht berücksichtigte Erdwärme nutzen.
Masdar soll die erste Stadt weltweit sein, die ihre Energie vollständig aus erneuerbaren Quellen bezieht, autofrei ist, netto kein Kohlendioxid ausstösst und keinen Abfall produziert.

Die Verschiebung der Fertigstellung dürfte auch den World Future Energy Summit dominieren, der am 18. Januar beginnt: Abu Dhabi hat die mit einer Branchenmesse kombinierte Konferenz 2008 lanciert und will es zum „Davos der erneuerbaren Energien“ machen.

 

Bild: Es wird etwas länger als geplant dauern, bis die Ökostadt Masdar eine lebendige Stadt am Golf werden wird (Foster and Partners).

 

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