Noch sind China und Indien von fossilen Energieträgern abhängig. Während das Reich der Mitte schon länger auf erneuerbare Energien setzt, startet nun Indien seine nationale Solarinitiative. Beide Länder stecken hunderte Milliarden Dollar in erneuerbare Energie. Für europäische Unternehmen bietet das glänzende Aussichten.
20 Gigawatt bis 2020: Wie China plant nun auch Indien ein gigantisches Förderprogramm für die Solarindustrie. Damit die “Jawaharlal Nehru National Solar Mission” zum Erfolg wird, müssen allerdings noch einige Anstrengungen unternommen werden. Denn bisher produziert das Land weniger als 5 Megawatt Solarstrom pro Jahr, wie die “Times of India” berichtet. Für Farooq Abdullah, den Minister für neue und erneuerbare Energien, steht das Programm in einer Linie mit der Vision, die einst Staatsgründer Pandit Nehru formuliert hat. "Das ist eine historische Initiative", erklärte er am Montag. Sie werde zur Energiesicherheit ebenso beitragen wie zur ökologischen Sicherheit. Strom auch für Indiens ArmeDie indische Regierung wird sowohl die Panelproduktion als auch den Kraftwerksbau subventionieren. Auch in die Forschung soll kräftig investiert werden. Neben dem positiven Effekt für die Klimabilanz, bietet die Initiative auch die Möglichkeit, abgelegene Gegenden mit Energie zu versorgen. Dem indischen Marktforschungsunternehmen RNCOS zufolge besitzen 45 Prozent der ländlichen Bevölkerung bisher keinen Anschluss ans Stromnetz. Für international aktive Unternehmen bieten sich glänzende Aussichten, da Indien bisher über wenig Erfahrung im Sektor verfügt. Die MAN Solar Millennium gründete erst im Oktober ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Suryachakra Power Corporation zum Bau solarthermischer Anlagen. Ruud Dekkers, leitender Direktor bei MAN Solar Millennium, erklärte dazu: “Indien verfügt über eine enorme Stromnachfrage. Um die Kapazität zu erhöhen, sollte das Land nicht nur Kohle und Gas im Auge haben und sich die erneuerbaren Energien zunutze machen.” Indien folgt damit dem Beispiel Chinas, das im Juli die “Golden Sun”-Initiative vorstellte. Dafür wählte die chinesische Regierung Projekte aus, die 462 Megawatt an zusätzlicher Kapazität liefern werden. Der Staat zahlt die Hälfte der Kosten für netzgekoppelte Anlagen und bis zu 70 Prozent für netzunabhängige Projekte in ländlichen Gegenden. Auch über geringe Einspeisevergütungen wird diskutiert. Die Massnahmen bedeuten einen enormen Schub für die zuletzt arg gebeutelte heimische Solarindustrie. China ist sich der strategischen Bedeutung bewusst, in einer Zukunftsbranche über international führende Unternehmen zu verfügen. Eine amerikanische Studie des Breakthrough-Instituts warnt in einer Studie, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, vor den “asiatischen Tigern” im Cleantech-Sektor. China, Japan und Südkorea werden demnach in den nächsten fünf Jahren zusammen 509 Milliarden US-Dollar in die diversen Umwelttechnologien und ihre Firmen investieren. Dagegen wirken die 172 Milliarden Dollar aus dem US-Stimulusprogramm recht mager. Vom Billiglohnland zum VorreiterDie Volksrepublik allein wird knapp 400 Milliarden ausgeben. “China wendet viele der erfolgreichen Strategien an, mit denen die Japanischen und Koreanischen Regierungen ihren Industrien die Vorherrschaft im Bereich der Elektronik und des Automobilbaus verschafft hatten”, so der Bericht. Die Kapitalisierung von jungen Unternehmen, Investitionen in Forschung und Entwicklung, die bevorzugte Behandlung von heimischen Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen und Subventionen für grüne Technologien sind Komponenten dieser Strategie. “In der Vergangenheit zeugte der Erfolg chinesischer Unternehmen vor allem davon, dass sie bereits vorhandenen Technologien billig produzieren konnten, als von Innovation und Neuentwicklung”, sagt Mark Pinto, stellvertretender Vorsitzender bei Applied Materials. “Diesmal sind sie mit die Ersten.” Die Regierung hat das Ziel ausgesetzt, dass bis 2020 der Anteil der erneuerbaren Energieformen 15 Prozent betragen soll. Die Gründe liegen auf der Hand. China ist derzeit weltweit der grösste Emittent von Treibhausgasen. Auch auf lokaler Ebene mehrt sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung einiger Regionen angesichts von Wasserknappheit, Luftverschmutzung und Sicherheitsmängeln. Kohle trägt im Reich der Mitte noch immer 70 Produzent zum Energiemix bei. Und der Investitionsbedarf ist enorm, wie nicht zuletzt an diesem Wochenende das Grubenunglück in der Provinz Heilongjiang wieder auf tragische Weise unter Beweis stellte. Bild: Solaranlage bei Pondicherry in Südindien (Judith Zimmermann).
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