Nachhaltig erfolgreich am Golf

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnuis, Zürich 17.11.09
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In den Emiraten Nachhaltigkeit etablieren zu wollen, ist kein Kinderspiel. Das Unternehmen Green Destinations des Schweizers Till Stoll versucht es dennoch. Grüne Baukonzepte überzeugen dort heute aber immer mehr Kunden. In der Krise hatte er sein bestes Jahr.Yvonne von Hunnuis: Stehen Sie noch zu Ihrer Aussage: „Es wird nur grün gebaut, wenn es keine andere Option gibt“?

Till Stoll: (lacht) Das habe ich im Zusammenhang mit den Emiraten gesagt. Ich muss einschränken: Es gibt bewusste, freiwillige Entscheidungen für nachhaltiges Bauen. In der Schweiz ist man viel weiter als in den Emiraten. Doch dort geht es sehr selten um Umweltfragen, sondern nur um Kosten und Ertrag – das Denken ändert sich erst ganz langsam.

Yvonne von Hunnuis:Woran sehen Sie das?

Till Stoll:Wir gestalten die neue Green Building Strategy des Kempinski Hotel in Dubai. Der Deutsche General Manager will ein grünes Hotel und die Angestellten müssen alle mitmachen. Sie sind die ersten in Dubai, die überzeugt sind. Und hier sind ideologische und kostenspezifische Gründe am werken. Das Hotel ist erst vor vier Jahren gebaut worden, aber jetzt kommt die grüne Gebäudezertifizierung durch den LEED-Standard, Abfallverwertung, Angestelltentraining und vieles mehr. Gerade dieses Training ist enorm wichtig, das gehört auch zu unserer Aufgabenstellung. Bis das grüne Konzept läuft, sind wir dabei.

Yvonne von Hunnuis:Was sind für Sie Hauptpunkte eines grünen Konzepts?

Till Stoll:Die Ressourcenflüsse: Energie, Wasser und Müll. Wir stellen uns die Frage, wie die Ressourcen ins Haus kommen, minimiert werden können und was wieder herauskommt. Dabei spielen möglichst haltbare und wiederverwertbare Materialen eine grosse Rolle. Wir streben einen geschlossenen Kreislauf an.

 

Yvonne von Hunnuis:Seit vier Jahren gibt es Green Destinations und 2009 stellte das beste Jahr der Firmengeschichte dar. Nicht doch ein Zeichen für wachsende Nachhaltigkeit?

Till Stoll:Mitunter. Zum Grossteil sind grosse Unternehmen am Boden und die Leute gehen nun zum kleinen Anbieter. Wir sind etabliert, billiger und flexibler.

Nachhaltigkeit ist ein Argument, doch keine Marktkraft. Qualität schon und die können wir über die Schweiz in Dubai sehr gut definieren.

Yvonne von Hunnuis:Welche Beispiele können Sie aus Ihrer Arbeit bei Kempinski nennen?

Till Stoll:Es ist schwer, Aspekte durchzusetzen, bei denen aktive Teilnahme erforderlich ist. Es muss automatisch funktionieren. Kempinski ist das erste Hotel, das ein System besitzt, bei dem man zentral den Energie-und Wasserverbrauch der Zimmer messen und regeln kann. Somit wird auch gesteuert, dass ein Zimmer erst dann gekühlt wird, wenn tatsächlich ein Gast kommt.

Zudem haben wir ein Recycling-Zentrum etabliert. Es hat Monate gedauert, bis die Mitarbeiter das System angenommen haben. Und nun wird das Prinzip auf andere Häuser in der Region übertragen. Zudem konnten wir durchsetzen, dass eine Bushaltestelle vor das Hotel gelegt wird.

Yvonne von Hunnuis:Was wäre mit einem Windrad im Kempinski-Garten?

Till Stoll:(lacht) Da ist weder Garten noch Wind. Auf der arabischen Halbinsel funktioniert Windenergie nicht. Höchstens im Jemen oder in Oman. Generell braucht man sechs bis sieben Meter Wind pro Sekunde und 5,5 sind auf der arabischen Halbinsel nur möglich.

Im Rahmen von alternativen Energien böte sich die dritte Generation von Biofuels an. Heimische Algen könnten Bioalgenkraftwerke versorgen und so zu Energie werden. Doch diese Anlagen müssen erst gebaut werden.

Yvonne von Hunnuis:Und was ist mit Solarenergie, schliesslich setzt Masdar auch hierauf?

Till Stoll:Solar macht in Dubai wenig Sinn. 200 Tage im Jahr schweben so viele Partikel in der Luft, dass es nicht lohnt. Sand, Staub, Smog lassen nicht genug Sonne durch, damit ein guter Effizienzgrad erreicht werden kann.
Masdar ist nicht Dubai. Dort kann man mit weniger Tagen rechnen, während der die Luft zu sehr verschmutzt ist.

Yvonne von Hunnuis:Wie sieht es mit Passivhäusern aus?

Till Stoll:Ich muss enttäuschen: Passivhäuser sind schwierig, wenn innen Temperaturen von 20 Grad erreicht werden sollen, während aussen 40 bis 45 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit herrschen. Ein Passivhaus würde nur fünf Monate im Jahr funktionieren. Ein hundertprozentiges Passivhaus haben wir in Dubai noch nie gebaut.
Vom Passivhaus übernehmen wir den Kern, die Isolierung. Bis vor drei Jahren musste von gesetzeswegen noch überhaupt nicht isoliert werden. Auch heute wird es selten getan, denn Isolierung ist teuer. Obwohl wir bei unseren Bauprojekten sehen, dass es finanziell lohnt. Desweiteren versuchen wir, traditionelle Bauweise neu zu beleben, denn dort herrschte angenehme Temperatur. Das sind Punkte, die wir permanent weiterentwickeln. Regelmässig arbeiten Studenten von der ETH Zürich bei uns und wir beschäftigen eine Real-Estate-Soziologin, die untersucht, was Kunden bereit sind zu kaufen.

Yvonne von Hunnuis:Und worauf achten die dortigen Käufer?

Till Stoll:Es muss immer noch protzig aussehen. Es kommt nicht darauf an, ob es grün ist. Alles, was man nicht sieht, darum kümmert man sich nicht. Schweizer denken da anders.

Yvonne von Hunnuis:Dubai hat die Green Building-Zertifizierung für Neubauten zur Pflicht gemacht…

Till Stoll:Ja, seit 1. Januar 2008 muss jedes Haus grünen Standard haben. Doch es gibt erst ein paar leed-zertifizierte Häuser, denn die Umsetzung hapert noch. Es ist niemandem wichtig.

Yvonne von Hunnuis:Warum hat man nicht Minergie als Zertifizierung gewählt?

Till Stoll:Es wurden 256 grüne Standards untersucht – nicht nur im Rahmen des Baubereichs. Und Leed hat sich nun durchgesetzt, denn das Leed-Marketing ist exzellent. Minergie hingegen ist kaum bekannt. Zum anderen ist Leed lediglich eine Checkliste, die leicht abzuarbeiten ist, während Minergie viel höhere Anforderungen gerade in Energiefragen stellt.

Yvonne von Hunnuis:Man müsste also Minergie nur bekannter machen und die Standards runterschrauben…

Till Stoll:Ich würde nicht für eine Aufweichung der Minergie-Standards plädieren. Vielleicht müsste man Minergie für verschiedene Weltregionen adaptieren. Denn ich glaube nicht an globale Standards. Auch Leed passt nicht wirklich auf Dubai, weil unsinnigerweise viele Regulationen aus amerikanischen Staaten und keine lokale Begebenheiten inkludiert sind. 
Meiner Meinung nach müsste ein nachhaltiges Label auch soziale und ökonomische Aspekte beinhalten: soziale Standards für Arbeiter und ein fundiertes Projektmanagement mit wasserfester Finanzierung. Diese Punkte sind in den Emiraten von grosser Bedeutung. Schlechtes Projektmanagement hat dazu geführt, dass momentan viele Projekte gestoppt werden mussten. Die Finanzierung hat nicht richtig funktioniert.

Yvonne von Hunnuis:Sie haben von der „Post speculation era“ gesprochen – was erwarten Sie sich?

Till Stoll:Jetzt findet nach dem Spekulationsboom eine Konsolidierung statt und viele ziehen sich aus Dubai heraus. Ein langsameres Bautempo und auch ein freundlicherer Umgangston haben sich breit gemacht. Doch ich erwarte nicht, dass sich nun schlagartig nachhaltiges Bauen durchsetzt. Die Mentalität widerspricht diesem Denken, man baut nicht für die Ewigkeit.

Yvonne von Hunnuis:Aber kann Masdar dann wirklich die Strahlwirkung entwickeln, die von vielen erhofft wird?

Till Stoll:Als Multiplikator ist Masdar sicher sehr sinnvoll. Das Konzept ist toll und wenn es funktioniert, wird sicher eine Strahlwirkung ausgehen.

Wir hingegen realisieren nicht Megaprojekte, sondern arbeiten im Kleinen und versuchen so, etwas zu bewegen. Ich bringe ein Beispiel aus Dubai: Im Kempinski werden nach unserem Konzept nun umweltzertifizierte Putzmittel verwendet, die man zuvor in Dubai wegen der geringen Nachfrage nicht kaufen konnte. Die Funktionsmechanismen von Masdar sind ähnlich.

 

Zur Person:

Der Schweizer Till Stoll hat vor über vier Jahren das Bauunternehmen Green Destinations in Dubai gegründet. Er hat an der britischen Universität Oxford studiert und später an der Harvard-Universität doziert. Ressourcenfragen haben ihn während seiner Doktorarbeit beschäftigt. Er war im Anschluss daran beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und bei der Weltbank tätig.

 

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