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Chemieriesen kaum nachhaltig

Geschrieben von: Sylvia Kloberdanz, oekom research 01.10.09
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Die Rating-Agentur oekom research hat in ihrer aktuellen Branchenanalyse die 24 weltweit bedeutendsten börsennotierten Chemieunternehmen nach einer Vielzahl ökologischer und sozialer Kriterien untersucht. Die beste Gesamtwertung auf einer Notenskala von A+ (beste Note) bis D- erzielte das deutsche Chemieunternehmen BASF mit der Note B-, gefolgt von den Gasunternehmen Praxair aus den USA und der deutschen Linde Group, beide ebenfalls mit der Note B-. Im Durchschnitt erreichten die Unternehmen die Note C. „Noch immer gehen die Chemiekonzerne die sozialen und ökologischen Herausforderungen zögerlich an“, erläutert Oliver Rüdel, Research Director und branchenverantwortlicher Analyst bei oekom research. „Beim Klimaschutz scheinen die Unternehmen jedoch langsam umzudenken“.

Risiko von Neuprodukten hoch

Jahr für Jahr entwickelt die Chemiebranche neue chemische Verbindungen und Produkte. Dem hohen Nutzen vieler Produkte steht oft ein entsprechend hohes Risiko gegenüber. Die Unternehmen stehen daher in der Verantwortung, die Verwendung ihrer Stoffe und Produkte sowie ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt über die Dauer des gesamten Lebenszyklus der Produkte zu untersuchen. „Die meisten Unternehmen führen zwar Risikoanalysen durch, problematische Stoffe werden aber noch zu selten und zu langsam durch umweltfreundlichere substituiert“, so Rüdel. Zudem herrscht über Inhalt und genauen Umfang der toxischen Tests wenig Transparenz. Dies betrifft auch neue Technologien. Gerade die Nanotechnologie hat ein großes Nachhaltigkeitspotenzial durch umweltfreundlichere Produkte und Produktionsprozesse. Doch meist bringen die Unternehmen Produkte auf den Markt, ohne langfristige und vor allem unabhängige Studien durchzuführen. Auch gentechnisch veränderte Produkte wie Saatgut bleiben noch immer eine objektive Risiko-Nutzen-Analyse schuldig.

Nachhaltiger Anbau der Rohstoffe: mangelhaft

Ein weiteres zentrales Thema ist der Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Erdöl und Erdgas sind die Hauptrohstoffquellen der chemischen Industrie. Steigende Rohstoffpreise und die Endlichkeit des Erdöls motivieren die Chemieunternehmen, zunehmend nachwachsende Rohstoffe einzusetzen. Am weitesten verbreitet ist bereits die Produktion von Kunststoffen auf Basis von Stärke, Zucker, Cellulose und pflanzlichen Ölen. „Wichtig dabei ist, dass der Anbau sozial- und vor allem umweltverträglich erfolgt – und gerade hier fallen deutliche Mängel auf. Nur sehr wenige Unternehmen können umfangreiche Leitlinien und Maßnahmen vorweisen, die auf den nachhaltigen Anbau nachwachsender Rohstoffe abzielen“ berichtet Rüdel. Dabei sind die Umweltprobleme – wie illegale Abholzung von Regenwald für die Palmölproduktion – schon seit Jahren bekannt. Erste positive Ansätze zum Schutz der Biodiversität gibt es beispielsweise von dem niederländischen Chemiekonzern Akzo Nobel, der entsprechende Leitlinien für die Beschaffung festgelegt hat.

Klimaschutz: gute Ansätze

Eine positive Entwicklung sieht Rüdel beim Klimaschutz. Der Chemiesektor ist einer der Hauptemittenten klimarelevanter Gase. Über ein Fünftel der Emissionen des Industriesektors sind der Chemie- und Petrochemie zuzuschreiben. Grundsätzlich hat die chemische Industrie auf die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, bereits reagiert, zum Beispiel bei der Reduktion des Energieverbrauchs: „So stieg zwar die Produktion im europäischen Chemiesektor zwischen 1990 und 2004 um 56 Prozent an, gleichzeitig konnte jedoch pro Produktionseinheit eines Chemieprodukts die Treibhausgasemission halbiert werden“, so Rüdel. Vor allem die großen Chemiekonzerne ergreifen umfassende Klimaschutzmaßnahmen. BASF und Praxair beispielsweise geben klare CO2-Reduktionsziele und umfangreiche Maßnahmen zur Zielerreichung an. Verbesserungsbedarf besteht jedoch bei dem Umgang mit den unternehmerischen Risiken, denen die Unternehmen durch den Klimawandel ausgesetzt sind.

Kaum effektiver Fortschritt

„Insgesamt betrachtet können die untersuchten Chemieunternehmen aus Nachhaltigkeitssicht gegenüber der letzten Untersuchung kaum Fortschritte vorweisen“, resümiert Rüdel. „Zwar punkten einige Unternehmen beim Klimaschutz, bei der Produkt- und Chemikaliensicherheit besteht jedoch weiterhin großer Handlungsbedarf.“ Resultat: Nur drei der untersuchten Unternehmen erfüllen die branchenspezifischen Mindestanforderungen und werden von oekom research mit dem Best in Class-Status „Prime“ ausgezeichnet.

 

Weitere Informationen:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. , oekom research, München
Tel: +49/(0)89/ 544184-60

 

Bild: Basf, Ludwigshafen

 

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