Immer mehr Banken belohnen Bauherren, die umweltfreundlich und energieeffizient bauen oder sanieren, mit einer Zinsvergünstigung. Denn «grüne» Immobilien verlieren weniger schnell an Wert. Mit dem Minergie-Zertifikat erzielen sie auf dem Markt einen Aufpreis. Doch bei der Vergabe der Ökohypotheken herrscht wenig Transparenz.
Minergie bringt Geld. Das gilt nicht nur bei den Förderprogrammen von Bund, Kantonen und manchen Gemeinden, die zur Bekämpfung der Krise aufgelegt worden sind. Auch wenn diese Förderprogramme zum Teil schon jetzt ausgeschöpft sind: Wer mit dem Minergie-Standard baut, kann auf Dauer Geld sparen. Denn Minergie-Bauherren erhalten bei vielen Banken niedrigere Zinsen. Markt zahlt Aufpreis Zum einen sind Staatsbanken wie die Kantonalbanken vom Gesetz her verpflichtet, eine wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung zu unterstützen. «Das tun wir mit unseren Umweltdarlehen im Wirtschaftsraum Zürich», sagt etwa Marco Salvi, Leiter der Abteilung für Immobilien und Kreditrisiken bei der Zürcher Kantonalbank. Und zum anderen stellen «grüne» Immobilien aufgrund des geringen Werteabbaus für die Kreditinstitute ein reduziertes Risiko dar. Der Markt belohnt heute schon Minergie-Einfamilienhäuser mit einem Aufpreis von sieben Prozent. Das hat eine Studie gezeigt, welche die Zürcher Kantonalbank gemeinsam mit dem Center for Corporate Responsability and Sustainability der Universität Zürich herausgegeben hat. Mehrkosten rasch amortisiertZu Beginn allerdings verteuern ökologische Investitionen den Bau und die Sanierung. Deswegen lassen sich Skeptiker von den höheren Investitionskosten abschrecken. So kostet beispielsweise ein gut gedämmtes Haus mit niedrigem Energiebedarf fürs Heizen, ausgeführt nach Minergie-Standard, durchschnittlich sieben Prozent mehr als ein vergleichbarer konventioneller Bau. Doch machen Einsparungen beim Betrieb das über die Jahre wieder wett. «Man muss bedenken, dass allein durch den geringen Energieverbrauch die Mehrkosten nach zirka sieben Jahren amortisiert sind», sagt Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie. Hinzu käme, dass Bauherren von den zahlreichen Förderprogrammen und Rabatten profitieren könnten. «Aber auch Banken belohnen ‚grüne‘ Immobilien und bieten günstige Hypotheken an», sagt Beyeler. Doch wer von diesem Bonus profitieren will, muss geduldig sein. Denn wie die Förderpolitik der Kantone ist auch die Förderpolitik der Banken ziemlich unterschiedlich. So gewähren einige Kreditinstitute wie die Raiffeisenbanken nur für das Bauen oder Renovieren nach Minergie-Standard eine spezielle Ökohypothek, nicht aber für andere Formen nachhaltigen Bauens. «Minergie ist bereits als Label anerkannt», sagt Stefan Kern, Raiffeisen-Mediensprecher St. Gallen. Und weil Raiffeisen nicht jeden Bau selbst nach energetischen Kriterien überprüfen könne, würde sie sich nur an dieser Zertifizierung orientieren. «Wir akzeptieren keine alternativen Möglichkeiten», sagt Kern. Bauherren, die kein Minergie-Zertifikat vorweisen können, müssen aber auf vergünstigte Hypotheken nicht verzichten. So belohnt die Kantonalbank in Zürich auch andere energieeffiziente und umweltfreundliche Baumassnahmen. «Voraussetzung ist, dass es sich um einen Bau mit hoher ökologischer Qualität und langfristiger Wertehaltung handelt», sagt Salvi. Suche nach der richtigen FinanzierungAuch bezüglich Konditionen, Laufzeiten und Maximalsummen variieren die jeweiligen Angebote sehr. Je nach Bank schwanken die Ermässigungen bei den Zinsen zwischen einem halben und einem ganzen Prozentpunkt. Ausserdem betragen die Laufzeiten der Ermässigungen höchstens fünf Jahre, und die maximale Summe, für die der Bauherr eine Zinsermässigung bekommt, liegt bei Einfamilienhäusern nur in seltenen Fällen über 250000 Franken. Wer also von diesen attraktiven Hypothekarmodellen profitieren will, muss Geduld, Geschick und eine Prise Glück mitbringen. Das hat auch damit zu tun, dass die offiziell angebotenen Zinssätze lediglich Richtwerte sind – jede Hypothek ist also wieder ein bisschen anders. «Die Vergünstigung von 0.8 Prozent im Jahr bezieht sich auf die in den Medien kommunizierten Richtpreis der ZKB-Festhypothek», sagt Mediensprecher Diego Wider. Somit hänge die effektive Vergünstigung im Einzelgeschäft von den individuell gewährten Konditionen ab. Auch wenn der Ökohypotheken-Dschungel dicht und manchmal unübersichtlich ist, haben sie nur das eine Ziel: «Wir als Bank wollen mit den Zinsvergünstigungen zur Entscheidung zugunsten Minergie beitragen», sagt Salvi. Bild: Minergie-P-Haus (Minergie)
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