Saubere Chancen in der Türkei

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Geschrieben von: Yildiz Asan, Sursee 14.08.09
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Schweizer Cleantech-Unternehmen sind auf dem türkischen Markt nicht aktiv, sagt Ümit Özeflatun, Vorstandsmitglied der Schweizer Handelskammer in der Türkei. Dabei gäbe es in diesem Land grosses Potential für biologische Abwasser-Reinigung, erneuerbare Energien, Bewässerung, Recycling, Abfallwirtschaft und umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel.

Yildiz Asan:Die Schweizerische Handelskammer in der Türkei organisiert während der internationalen Messe für Erneuerbare Energien Renex 09 im November ein Geschäftsforum. Warum?

Ümit Özeflatun:Mit Teilnehmern aus beiden Ländern findet ein solches Forum zum fünften Mal statt. Das Ziel des Forums ist, die bilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu stärken und Politiker, Unternehmer und Experten für einen Wissensaustausch zusammen zu bringen. In diesem Jahr lautet wegen der Renex das Thema "Erneuerbare Energien und Energieeffizienz".

Yildiz Asan:Wer nimmt am diesem Forum teil?

Ümit Özeflatun:Es werden Bundesrat Moritz Leuenberger, der türkische Energieminister Taner Yildiz und der Direktor im Energieministerium in Ankara, Budak Dilli und türkische und Schweizer Unternehmen aus dem Energiesektor, wie Demirer Holding und die ABB, an dem Forum teilnehmen.

Yildiz Asan:Warum sollten Cleantech Firmen auf der Renex ausstellen und am Forum teilnehmen?

Renex-Messe 2009

Die Messe Renex 2009 findet zum ersten Mal statt und positioniert sich als führende Messe und Konferenz für die Türkei und anliegende Mittelmeerstaaten für Umwelttechnik. Das Potenzial im Umweltbereich ist gerade in der Türkei laut Experten sehr gross, bedingt durch die gute Geothermie, aber auch durch die hohe Zahl an Sonnenstunden pro Jahr.

Der Schweizer Aussenhandelsförderer Osec, das Bundesamt für Umwelt BAFU, die Schweizer Handelskammer in der Türkei und der Industrie-Verband Swissmem unterstützen den Schweizer Auftritt auf der Messe.

Fokus: Solar - und Wind Energie Systeme, Geothermische Systeme, Wärme Pumpen, Biomasse, Wasseraufbereitung, Abwassertechnik, Abfallwesen, Erneuerbare Energien, Container, Altlastensanierung, Umweltanalytik, Energieeinsparung

Datum: 5.11.2009 - 08.11.2009

Fakten: Ausstellungsfläche 10’000 m2; 200 Aussteller aus 12 Ländern; 20.000 Besucher

Kontakt: T-Link Management AG, Division Fairspace; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. ; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

Ümit Özeflatun:Das Ausstellen auf einer internationalen Handelsmesse eröffnet immer neue Gelegenheiten für neue Geschäftspartner und neue Märkte. Heute wird ein beträchtlicher Teil der Verträge während oder nach einer Messe geschlossen. Und weil die Renex dieses Jahr das erste Mal stattfindet, werden nicht nur türkische Unternehmen sich nach möglichen Partner umsehen, sondern auch türkische Entscheidungsträger.

Yildiz Asan:Welche Möglichkeiten bietet die Türkei für die Cleantech-Industrie?

Ümit Özeflatun:Energie ist in der Türkei ein knappes Gut. Politik und Energiewirtschaft sind sich einig, dass man alle zur Verfügung stehenden Technologien nutzen muss, um den herrschenden Energiehunger zu stillen. Und hierbei sollen die Erneuerbaren Energien eine wesentliche Rolle spielen. Weil aber dieser Sektor in der Türkei noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es weder türkische noch ausländische Cleantech Firmen, die diese Nachfragen stillen können. Es wird also kaum einen besseren Zeitpunkt geben, um in diesen Markt einzusteigen, da es auch zur Zeit kaum Konkurrenz gibt.

Yildiz Asan:Was sind die viel versprechenden Felder für die Cleantech-Industrie in der Türkei?

Ümit Özeflatun:In diesem Land gibt es erhebliches Potential für Biologische Abwasser-Reinigung, erneuerbare Energien, Bewässerung, Recycling, Abfallwirtschaft und umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel. Die Türkei hat schon jetzt durch den Einsatz von Wasserkraft und vor allem Windenergie einen hohen Anteil Erneuerbarer Energien im Energiemix. Vor allem die Nutzung von Windenergie wird stark ausgebaut. In diesem Bereich wurden Letztes Jahr bereits viele Lizenzen vergeben.

Yildiz Asan:Unterstützt der türkische Staat Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaverbesserungen finanziell?

Ümit Özeflatun:Die Türkei plant tatsächlich, ausländische Cleantech-Investoren zu unterstützen, indem sie die Körperschaftssteuer und die Sozialversicherungsbeitrag senken wird. Aber auch die Weltbank stellt privaten Unternehmen für Vorhaben im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz schon seit Mai diesen Jahres Kredite in einer Gesamthöhe von 600 Millionen US-Dollar zu Verfügung.

Ausserdem liegt dem Parlament in Ankara der Entwurf für ein neues Gesetzt zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Abstimmung vor. Dieses sieht eine differenzierte Preisstaffel für die verschiedenen Energiequellen vor. Bis jetzt ist die Elektrizitätsvergütung einheitlich. Mit der Verabschiedung werden insbesondere die Einspeisesätze für Sonnenenergie drastisch erhöht. Mit einem Entscheid wird im September oder Oktober 2009 – also noch vor der Renex – gerechnet.

Yildiz Asan:Gibt es bereits Schweizer Firmen, die in diesem Feld in der Türkei aktiv sind?

Ümit Özeflatun:Schweizer Cleantech-Firmen sind auf dem Markt noch nicht so aktiv. Unternehmen aus Deutschland und Italien sind da schon präsenter.

Yildiz Asan:Wer sind die Konkurrenten auf den türkischen Märkten? Stürmen andere fremde Cleantech-Firmen auf den türkischen Markt?

Ümit Özeflatun:Neben grossen türkischen Konzernen wie Afken, Calik, Agaolu, Enka, Sabanci oder Zorlu haben auch deutsche Unternehmen wie EWE AG und Siemens umfangreiche Investionen angekündigt. Aber wie bereits erwähnt, steckt der Cleantech-Sektor noch in den Kinderschuhen. Deswegen ist die Konkurrenz noch nicht so gross.

Yildiz Asan:Die Weltwirtschaft ist in der Krise. Wäre es nicht klüger für Firmen, wenn sie erst einmal abwarten und sehen, wie sich die Türkei entwickelt, um sich dann dem Markt später anzuschliessen? Warum sollten sie jetzt in den Markt einsteigen?

Ümit Özeflatun:Das Energieminus in der Türkei muss einfach gedeckt werden – Wirtschaftskrise hin oder her. Zudem wird die Energiepolitik langfristig geplant und in der Türkei bewegt sie sich in Richtung mehr erneuerbare Energien. Deswegen sollte man wenigsten mit dem Ausschau nach möglichen Partner jetzt beginnen.


Zur Person:

Ümit Özeflatun ist Vorstandmitglied der der Schweizerischen Handelskammer in der Türkei und Geschäftführer von OTTO’S Türkei.

 

Bild: Yildiz Asan

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