Der internationale Automobilsektor steckt tief in der Krise. Erst war es nur eine angedeutete Ölkrise, die den Sektor an das erinnerte, was eines Tages unweigerlich kommen wird; nun eine Wirtschaftskrise, die aus Traditionsunternehmen möglicherweise Staatsunternehmen machen wird; und am Horizont schon eine Sinnkrise, ausgelöst durch das Elektroauto, welches den Paradigmenwechsel im motorisierten Individualverkehr perfekt machen könnte.
Wer nun aber an das Ende des Automobils glaubt, der irrt. Krisen hat das Auto in seiner Geschichte immer gerne genommen und dankbar verwertet. Aus jeder Krise ging der traditionelle Personenwagen gestärkt hervor. Mit diesen Wiedergeburten entstanden zwar im Grunde auch immer effizientere, sicherere und bessere Autos, aber leider wurde all zu oft aus den neuen Technologien nicht das gemacht, was ihr Potential hätte hergeben können. Schon bald war dann wieder klar: Krise ante portas. Dieses Mal könnte es vielleicht anders kommen. Denn mit der gegenwärtigen Krisenkumulation wird der Automobilsektor gründlich auf den Kopf gestellt. Heute werden Vorstandsvorsitzende von Automobilherstellern, wie GM‘s Rick Wagoner, durch Staatsoberhäupter, wie Barack Obama, abgesetzt, weil sie nicht glaubhaft versichern können, künftig effizientere Autos herzustellen, und vor allen Dingen, auch verkaufen zu wollen. Ein Konsens des „so-geht-es-nicht-weiter“, scheint sich ähnlich wie am Kapitalmarkt auch im Automobilsektor durchzusetzen. Dort rufen alle nach neuen Regeln, hier nach neuen Technologien. Neue, marktfähige Technologien gibt es reichlich. Doch wie finden sie den Weg zu ihrem Nutzer? Ein Korridor führt sicherlich über europäische Richtlinien, wie jene zu den CO2-Grenzwerten von Neufahrzeugen, die allen Herstellern und Zulieferern auf lange Sicht Planungssicherheit geben. Ordnungspolitische Massnahmen können so den Rahmen enger setzen und bestehenden Techniktrends noch verstärken. Ein vielleicht noch breiterer Pfad für bessere Fahrzeuge kann sich dann öffnen, wenn der Unternehmergeist sich seinen Weg bahnt. Helfen können da klare Unternehmensziele, wie beispielsweise jenes von Volvo Cars, welches besagt, dass ab 2020 niemand mehr in einem Volvo tödlich verunglücken soll. Mit diesem Versprechen setzt Volvo ganz klar auf die Marktdurchdringung innovativer Techniken zur Verbesserung der passiven und aktiven Sicherheit. Verwandte Themen| { Mit Strom aus der Krise , 12.08.09 } | | { Schweiz fährt auf Kleinwagen ab, 25.05.09 } | | { Obama bremst die Spritschlucker, 20.05.09 } | | { Die Zukunft kommt allmählich, 20.05.09 } | | { Autozulieferer werden nachhaltig, 12.05.09 } | | { Think kommt in die Schweiz, 09.02.09 } | | { Mit dem Staat an den Start, 26.01.09 } | | { Billiges Öl schadet Industrie, 09.01.09 } | | { Die Stromautos kommen, 25.09.08 } | | { Das Auto wird neu erfunden, 25.09.08 } |
Doch die Krise gibt nicht nur Anlass für mutige Visionen. Sie schafft auch gänzlich neue Geschäftsmodelle rund um das Auto von morgen. Das „Project Better Place“ entwickelt derzeit ein solches Geschäftsmodell im Kontext der absehbaren Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs. Das junge Unternehmen aus Kalifornien konnte Regierungen und Risikokapitalgeber für seine Vision begeistern und beginnt nun Ladestellennetze in Dänemark, Israel und Australien zu bauen. Der künftige Elektroautonutzer soll beim "Project Better Place" seine Batterie mieten, sowie den, für den sauberen Antrieb notwendigen grünen Strom, direkt kaufen. Im Gegenzug erhält er das Elektroauto zu einem erschwinglichen Preis und bekommt je nach Jahresfahrleistung einen Abschlag auf die Stromrechnung.Das "Project Better Place" macht deutlich, was gerade auf dem Individualverkehrsmarkt geschieht. Einerseits entstehen neue Betreibermodelle, wie schon vor einigen Jahren mit Mobility CarSharing. Andererseits werden künftig neue Akteure den etablierten automobilen Dienstleistern Konkurrenz machen. Insbesondere die Strombranche steht hier im Zeichen des Elektroautos schon in den Startlöchern. War das Elektroauto in der Vergangenheit also eher die verkehrspolitische Ikone einer grünen Mobilitätselite, so ist mit den Krisenerscheinungen im Automobilsektor aus ihm auch ein industriepolitisches Vehikel geworden, wie beispielsweise anhand des Strategieplans „Elektromobilität“ der deutschen Bundesregierung offenbar wird. Was das für die Schweizer Wirtschafts-, Energie- und insbesondere Verkehrspolitik bedeutet, wird noch zu diskutieren sein. Den öffentlichen Anlass dafür wird sicherlich das „1. Schweizer Forum Elektromobilität“ bieten, welches im Januar 2010 von der Mobilitätsakademie, mit Unterstützung des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) und anderen namhaften Partner aus Politik und Wirtschaft, organisiert wird. Jörg Beckmann ist Geschäftsleiter der Mobilitätsakademie des TCS, Bern Weitere Informationen: Jörg Beckmann Telefon: +41 31 380 12 09 Email:
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Bild: Mobilitätsakademie
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