Effizienz hilft Umweltschutz

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 21.07.09
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Für die Logistikbranche gilt bei sinkenden Margen und der Krise erst recht das Gebot der Effizienz: Verteilzentren werden geschlossen und längere Anfahrtswege in Kauf genommen. Wer hierbei nur an Umweltsünden denkt, liegt falsch. Pharmagrossisten machen es vor.

Dort, wo das Krankenhaus Schmerzmittel bestellt, muss es schnell gehen. Welch logistische Leistung dahinter steht, ist jedoch keinem bewusst. Nur schnell und umweltbewusst soll es sein. Das Pharma-Logistikunternehmen Galenica führt den Prozess vor Augen: Auf der Fläche von über drei Fussballfeldern hat der Grossist in Niederbipp bei Solothurn das modernste Verteilzentrum seiner Branche errichtet. Die 85-Millionen-Franken-Investition ersetzt Zentren, die den neuen Ansprüchen nicht mehr genügten. Das bedeutet aber auch, dass die Tourenplanung umgestellt werden musste. Alarmglocken läuten in diesem Zusammenhang sofort, ist der Logistikbranche schliesslich weltweit bis zu 25 Prozent des CO2-Ausstosses zuzuschreiben. Doch der Nachhaltigkeitsgedanke muss nicht im Widerspruch zum Druck der Branche stehen. Projektleiter Stephan Beck: „Wir haben 2004 gemerkt, dass auch wir als Grossverteiler unter den sinkenden Margen und dem steigenden Druck leiden werden. Wir mussten die Effizienz durch neue Technologie und grösseren Umsatz steigern. Und das kam fast automatisch auch Umweltaspekten zugute.“

Präzision ist Selbstverständlichkeit

Das neue Zentrum ist ein Musterbeispiel für moderne Logistiklösungen, die vom deutsch-österreichischen Unternehmen SSI Schäfer betreut wurde. Bei einem Automatisierungsgrad von bis zu 40 Prozent wurde bis dato gearbeitet – nun erreicht Galexis einen Grad von 80 Prozent. In Deutschland ist in vergleichbaren Verteilzentren eine Automatisierung von nur 75 Prozent die Regel. An die tausend Lieferanten bringen täglich Waren im Wert von fünf Millionen Franken. Medikamente, Vitamintabletten und Insulinspritzen werden in kürzester Zeit in die riesigen Regale eingeräumt und landen kurz darauf wieder in der grauen Bestellschale einer Apotheke auf dem Förderband. 2800 von diesen Behältern laufen stündlich auf den insgesamt fünf Kilometer langen Förderbändern in Richtung Lieferwagen.

 

Fehlgriffe schliessen die Niederbipper fast aus – dürfen auch nicht vorkommen, bedenkt man die Relevanz der Ware für den Kunden. Medikamente und sonstiger Pharmabedarf sind keine Gummibärchen. Projektmanager Reinhard Kober von SSI Schäfer Peem: „Durch das moderne System fällt auch eine Kontrolle am Warenausgang weg. Automatisch werden die Lieferbehälter bereits mit einer Adresse versehen und zu den Lieferwagen transportiert.“ Von Niederbipp aus wird die gesamte Deutschschweiz samt Graubünden, Freiburg und einige Regionen des Jura und Oberwallis beliefert. Von Lausanne-Ecublens wird der Rest der Schweiz versorgt. Nur zwei Verteilzentren sind von über fünf in früheren Jahren übrig geblieben. 

Planung ist alles

Die Schliessung der Verteilzentren muss nicht bedeuten, dass mehr Kilometer zurückgelegt werden. Beck: „Noch vor einigen Jahren wurden einige Schlüsselapotheken von uns fünf bis sechs mal pro Tag beliefert. Heute planen wir effizienter und es sind maximal drei Lieferungen pro Tag nötig.“
Bei der neuen Anlage helfen neue Entwicklungen, die Energieeffizienz massgeblich zu verbessern. Zur Stückkommissionierung werden unter anderem 16 Karussell-Anlagen von SSI Schäfer eingesetzt. Nur zwei Mitarbeiter sind letztlich nötig, um die Ware mithilfe von Lichtsignalen einzuordnen. Und das Gebäude wurde nach Minergiestandard errichtet, wo dies möglich war. Ein Niedrigenergie-Gaskessel mit einer Feuerungsleistung von 1’400 Kilowatt heizt und es werden zusätzlich pro Jahr zirka 150′000 Kilowatt Energie über Wärmerückgewinnungsanlagen gewonnen. Grundwasser aus 35 Meter Tiefe wird für Wärme und Kühlung genutzt.

Nachhaltige Lieferkette ist effizient

Nachhaltigkeit und Effizienz schaffen Wettbewerbsvorsprung, so Michael Werner vom Prüfungsunternehmen Price Waterhouse Coopers. Und der eine Aspekt sei durchaus dazu fähig, den anderen zu beflügeln. Zu hoher Energieverbrauch ist beispielsweise in keinem Falle wirtschaftlich. Betrachtet man die Zutaten einer „Green Supply Chain“ oder auch nachhaltigen Lieferkette, wie sie die Experten der Unternehmensberatung Deloitte definieren, könnte dahinter das Prinzip des Schweizer Erfolgs vermutet werden. Eine Senkung der Produktions- und Distributionskosten durch vereinfachte Verpackungen oder sparsamere Lieferfahrzeuge sowie höhere Automatisierung ist zum einen gefordert. Zum anderen steht eine Prise mehr Qualität im Rezept – mehr Qualität, als die Konkurrenten sie für nötig hielten. Somit könne ein höherer Produktpreis gerechtfertigt werden. Das Prinzip hört sich einfach und krisentauglich an. Wie tief der Preis fallen kann, ohne die anderen Kriterien anzutasten, wird sich in der aktuellen Situation zeigen müssen. Gut beraten ist jedoch, wer sich wie Galenika für diese Zeiten durch effizienteste Technik gerüstet hat.

 

Bild: Das Karussel-System von Schäfer verfügt über 22.528 Behälterstellplätze. Das effiziente System hilft Energie sparen. (Galenika).

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