Bochum – Am Institute for Social Banking diskutierten an den Einführungstagen zum MA Social Banking and Social Finance zwölf Interessierte aus sechs verschiedenen Ländern, worum es bei Social Banking eigentlich geht. So unterschiedlich die – nicht nur geografischen – Hintergründe der Teilnehmer sind, so differenziert ist auch ihr Schwerpunkt, wenn es um ein alternatives Bankenwesen geht.
Im berufsbegleitenden Masters-Studiengang Social Banking and Social Finance sollen die Studierenden nicht nur theoretisch die Möglichkeiten eines sozialen Banken- und Finanzsystems reflektieren, sondern auch praktisch die eigene Berufspraxis überprüfen und Ideen zur Implementierung von Social Banking in Projekten testen. Das bestehende Finanzsystem hinterfragenEine durch Erbe wohlhabend gewordene Frau fragt sich beispielsweise, wie hoh Zinsen und Zinseszinsen ethisch vertretbar sind. Sie verdient allein durch die Verzinsung ihres Vermögens mehr als ihr Mann in seinem handwerklichen 40-Stunden-Job. Ohne Arbeit mehr zu verdienen als jemand, der arbeitet, hat diese Studentin dazu gebracht, sich auf einer akademischen Makro-Ebene kritisch mit dem aktuellen Geld- und Finanzsystem zu befassen. Wertkonflikte analysierenAuch auf der Mikro-Ebene des individuellen Berufs können Wertkonflikte entstehen: Einer der Studenten arbeitet bei einem Hedge-Fonds, dessen Ziel – das liegt in der Sache – reine Profitsteigerung ist. Die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Fonds finden keinerlei Beachtung. Der Student macht sich privat aber über die ethisch-ökologischen Auswirkungen seiner Handlungen Gedanken. Daher erörtert er in einem seiner Papers, wie bestehende Spannungen zwischen privaten Werten und den Auswirkungen des jeweiligen Jobs gelöst werden können. Die eigene Arbeit reflektieren
Ebenfalls zieht der Masters-Studiengang Mitarbeiter von sozial orientierten Banken wie der GLS Bank aus Deutschland, der Alternativen Bank Schweiz (ABS) oder der Merkur Bank aus Dänemark an – alle drei neben neun anderen europäischen Geldinstituten Mitglieder des Institute for Social Banking. Ein Aufsichtsratsmitglied der ABS möchte seine langjährige Expertise kritisch reflektieren. Die Mitgliedsbanken des Institute for Social Banking handeln als „ethisch-ökologisch orientierte Banken“ und verfolgen Werte, die über Profitmaximierung hinausgehen. Wie kann man das Gemeinsame dieser getrennt voneinander entstandenen Banken konzeptualisieren? Wie kann man Social Banking akademisch definieren? Hierzu gibt es noch keine eindeutige Definition. Die akademische Auseinandersetzung mit dem Thema hat erst mit der Gründung des Institute for Social Banking im Jahr 2006 begonnen, dessen Ziel es ist, diese Lücke zu füllen. Berufs begleitend studierenDer Masters-Studiengang bietet den Studierenden die Möglichkeit, Arbeit beziehungsweise persönliche Realitäten und akademische Reflexion miteinander zu verbinden. Die Methode der Aktionsforschung erlaubt es, in den wissenschaftlichen Arbeiten konkret Bezug zur Praxis und zur eigenen Person herzustellen. Da die Studierenden zeitgleich ihren Berufen nachgehen, gibt es keine wöchentlichen Kurse. Das Programm ist in Blockseminaren gestaltet, in denen neben generellen Fragestellungen hauptsächlich methodisches Know-How vermittelt wird. Die einzelne thematische Betreuung findet durch persönliche Tutoren statt, die durch die University of Plymouth zertifiziert sind. In Kooperation mit dieser Universität findet auch die Bewertung der studentischen Arbeiten pro Semester und die Vergabe des akademischen Titels statt. 2010 werden die ersten Studenten ihren Abschluss haben: der Studiengang ist im März 2007 begründet worden. Weitere Informationen:
Informationen zum Studiengang findet man auf der Internetseite des Institute for Social Banking. Das Institute for Social Banking lädt am 18. Juni nach Bochum zu einer Informationsveranstaltung ein. Anmeldungen bitte bis zum 12. Juni an Katharina Beck:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
. Natürlich können auch generelle Fragen zum Studiengang an sie gestellt werden. Nächster Studienstart ist im September. Zur Person: Katharina Beck ist beim Institute for Social Banking für Projektentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und Eventmanagement zuständigt. Das Bochumer Institut möchte dazu beitragen, dass sich Banker in Zukunft nicht primär am finanziellen Profit orientieren, sondern an den Bedürfnissen und Werten der Menschen. Beck war 2008 Präsidentin von oikos International.
|