Geld für grünen Verkehr

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Geschrieben von: Anna van Ommen, London 17.04.09
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Smart, Stromauto, LondonLondon – Premierminister Gordon Brown will den Briten Elektroautos schmackhaft machen. Hohe Subventionen und landesweite Infrastrukturprojekte sind geplant. Auch die Abwrackprämie soll eine grüne Fahrzeugindustrie „made in Britain“ ankurbeln.

Das Elektroauto hat es nie leicht gehabt. Seit über hundert Jahren gibt es weltweit immer wieder Versuche, das spritfreie Vehikel erfolgreich auf die Strasse zu bringen. Doch ob mangelhafte Technik oder niedrige Ölpreise, so richtig in Fahrt gekommen ist die Technologie bisher noch nicht. Das könnte sich jetzt ändern. Dank Ölschock im vergangenen Jahr, Flaute im Automarkt und wachsender Furcht vor dem Klimawandel stehen die Sterne im Jahr 2009 denkbar günstig für das Stromauto. Dies hat sich auch die britische Regierung zu Herzen genommen. So versprach Verkehrsminister Geoff Hoon, Elektrowagenkäufe ab 2011 mit jeweils bis zu 5.000 Pfund (5.650 Euro/8.545 Franken) zu fördern. Insgesamt sollen 250 Millionen Pfund für Infrastruktur und Arbeitsplätze in der grünen Verkehrsindustrie sowie zur Reduzierung von Treibhausgasen bereitgestellt werden.

Stromautos gegen Treibhausgase

Der Verkehrsminister wies darauf hin, dass in Grossbritannien 35 Prozent aller CO2-Emissionen auf das Konto von Verkehrsmitteln gehen. „58 Prozent davon werden von Kraftfahrzeugen ausgestossen.“, erklärte Hoon. Die Förderung schadstoffarmer Fahrzeuge soll Grossbritannien helfen, CO2-Emissionen bis 2020 um 26 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zur reduzieren.

Die neue Regierungsinitiative betrifft daher vor allem den urbanen Verkehr, wo das grösste Potenzial für batteriebetriebene Fahrzeuge – und die höchste Konzentration von Kohlendioxid-Emissionen – herrscht. Aktuell erhältliche Modelle haben eine Reichweite von rund 60 Kilometern und brauchen eine Aufladezeit von bis zu sieben Stunden. „Bei über 60 Prozent der Fahrten werden nur 25 Meilen (40 Kilometer) zurückgelegt. Es gibt also keinen Grund, weshalb ein regelmässiger Nutzer seinen Wagen nicht zu Hause aufladen, zur Arbeit und zurück fahren könnte, ohne das Batterieleben zu überschreiten“, sagte der Verkehrsminister.

Nation von Testfahrern

Um Berührungsängste mit der Technologie auszuräumen, werden landesweit ganze Elektrowagenstädte erwogen, wo jeweils bis zu 200 Stromautos zur Verfügung stehen könnten. Als Vorreiter gilt dabei London. Der konservative Bürgermeister Boris Johnson hat bereits mehrfach angekündigt, er wolle die Themsestadt zur Elektrowagen-Hauptstadt Europas machen. Jetzt bekam er den Zuschlag von der Regierung. Im Rahmen des 60 Millionen Pfund schweren „London Plan“ soll die Stadt 100.000 Stromautos auf die Strasse bringen. Sämtliche Neubauten sowie ein Fünftel öffentlicher Parkplätze sollen künftig mit Ladestationen ausgerüstet werden. Während der Staat die nationale Infrastruktur massgeblich fördern will, möchte die Regierung den privaten Sektor als federführend bei der Entwicklung neuer Technologien sehen. 100 Millionen Pfund Staatsgelder werden der Automobilbranche zu Forschungszwecken zugeschanzt. Die Subventionen sollen der britischen Industrie im grossen Stil zu Gute kommen, und „Grossbritannien führend bei der Herstellung“ machen, so Geoff Hoon.

Vorbild Abwrackprämie

Zurzeit orientieren sich die Briten allerdings noch an Vorbildern aus dem Ausland: So wollen sie die in Deutschland und Frankreich bereits erfolgreiche Abwrackprämie einführen. Wer Fahrzeuge eines bestimmten Alters verschrotten lässt, wird rund 2.000 Pfund erhalten. Die Initiative wäre ein Geschenk für die britische Autoindustrie, die massiv an mangelnder Nachfrage leidet. Während Personenwagen-Verkäufe in Deutschland im März um 40 Prozent stiegen, fiel der Absatz auf den britischen Inseln im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel. In den britischen Produktionsstätten wurden 59 Prozent weniger Wagen produziert als im Vorjahr. Das ist der grösste Einbruch seit den siebziger Jahren.

Umweltschützer skeptisch

Britische Umweltorganisationen sind von der Abwrackprämie nicht so begeistert. Sie befürchten, statt die Zahl der Kraftfahrzeuge insgesamt zu reduzieren, verführten Initiativen wie diese zu mehr Autokäufen – auch wenn dadurch vermehrt sauberere Modelle genutzt würden. Auch die Stromautoinitiative wird mit Skepsis betrachtet. So erklärte Andy Atkins von der Umweltorganisation Friends of the Earth: „Stromautos sind nur so grün wie die Energie, die sie antreibt. Und die erneuerbaren Energieressourcen Grossbritanniens sind extrem unterfinanziert.“

 

Mehr Informationen:

Mitteilung des britischen Verkehrsministeriums

 

Bild: Daimler testet in London bereits hundert Stomsmarts (Daimler).

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