Die First Lady will Amerikas „First Garden“ auf dem Terrain des Weissen Hauses als Bio-Anlage einrichten. Michelle Obama will frisches Gemüse ziehen, Barack Obama ein grünes Zeichen setzen. Erinnerungen werden wach: Eleanore Roosevelts „Siegesgarten“ im Weltkrieg war berühmt.
Die „First Familiy“ der USA setzt auf Bio. Der gepflegte grüne Rasen südlich des Weißen Hauses muss in Teilen weichen, um einem grünen Symbol Platz zu machen. First Lady Michelle Obama pflanzt seit dem Wochenende dort Gemüse, Salat, Beeren und Obst. Der Nutzgarten am Weissen Haus soll ein Zeichen dafür setzen, dass Amerikas erste Familie auf gesunde Ernährung, nachhaltige Agrarwirtschaften und Selbstversorgung in schwerer Zeit setzt. Von der Schafherde zum Siegesgarten „Ich will sicher sein, dass unsere Familie, der Mitarbeiterstab und alle Menschen, die ins Weisse Haus kommen und bei uns essen, wirklich frisches Gemüse und Obst bekommen“, sagte Michelle Obama, als sie am Wochenende mit einer Gruppe von Schulkindern begann, den Rasen umzugraben. „Bei meinen Töchtern, die sieben und zehn sind, habe ich gesehen, dass sie Gemüse viel lieber mögen, wenn es gut schmeckt.“ Vor Michelle Obama haben schon andere First Ladies Nutzgärten auf dem riesigen Terrain des Weissen Hauses eingerichtet. Eleanor Roosevelt schuf den „Victory Garden“ (Siegesgarten) während des zweiten Weltkrieges. Ein beträchtlicher Teil des schönen grünen Rasens musste damals weichen. Sie wollte mir dem Präsidenten damals ein Zeichen setzen, dass man die Lebensmittelrationierung ernst nahm und Selbstversorgung betrieb. Schon vor Roosevelt gab es Nutzgärten auf dem Areal des Weissen Hauses. John Adams – zweiter Präsident der USA von 1791 bis 1801 – war Bauer bevor er Politiker wurde. Er richtete einen Garten ein. Woodrow Wilson hielt Anfang des 20. Jahrhunderts sogar eine kleine Schafherde. In jüngster Zeit haben Hillary und Bill Clinton Gemüse in Töpfen auf dem Dach des Weissen Hauses gezogen. Bush hatte keine Lust auf Garten
Der Obama-Garten kommt zu einem Zeitpunkt, da Worte wie Klimawandel und Nachhaltigkeit die gesellschaftliche Diskussion beherrschen und sich die Wirtschaft im Chaos befindet. „Die wachsende gesellschaftliche Erkenntnis, dass Energie gespart werden muss, führt auch zur Einsicht der Vorteile, die der Verbrauch heimischer Nahrungsmittel bringt, wodurch die Verschwendung durch weite Lastwagen- oder Zug-Transporte vermieden wird“, erläutert Präsidialhistorikerin Doris Kearns Goodwin. Für die Vertreter der Bewegung für gesunde Ernährung ist der Garten ein Erfolg. Viele Jahre hatten sie Präsident George W. Bush aufgefordert, einen White House Garden einzurichten. Vergeblich. Roger Doiron, Gründer der Non-Profit Organisation Kitchen Gardeners International (Internationale Küchengärtner) hofft, dass der Obama-Garten Zündfunke für einen neuen Trend sein werde: „Ich freue mich für die Familie Obama und für alle, die von ihrem Beispiel inspiriert werden und in diesem Jahr eigene Gärten einrichten.“ Alles Bio Dem stimmt die First Lady zu. Sie hofft, dass andere ihrem Beispiel folgen werden. „Wir wollen das als eine Bildungseinrichtung sehen“, sagt Michelle Obama in einem Interview für die April-Ausgabe eines Magazins. „Wir wollen über Gesundheit sprechen und wie köstlich es ist, frische Nahrung zu essen und wie man diese zum Bestandteil einer gesunden Ernährung macht.“ Der gut tausend Quadratmeter große Garten soll nach ihren Angaben 60 verschiedene Gemüsesorten enthalten, von Paprika bis Spinat und Rukula. Die Auswahl haben die Küchenchefs des Weißen Hauses getroffen, sagte eine Sprecherin. Auch Beeren und Kräuter sollen gepflanzt sowie zwei Bienenkörbe aufgestellt werden. Die Ernte aus dem Garten soll sowohl der Präsidentenfamilie als auch hochrangigen Besuchern serviert werden. Alles werde organisch sein, man werde nur Bio-Dünger und entsprechende Insektenvernichter einsetzen, sagte Michelle Obama. Bio statt Agrarindustrie Der Garten der First Family sei ein Spiegelbild des Wandels in der amerikanischen Agrar-Politik, glauben Experten. Obama will der Agrar-Industrie die Subventionen kürzen und stattdessen regionale Lebensmittel-Netzwerke einrichten, ähnlich wie bäuerliche Genossenschaften in Europa. Die dort produzierten Lebensmittel sollen produktionsnah vermarktet werden. US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsak liess nahe dem Ministerium ebenfalls einen kleinen Garten einrichten, als Symbol der neuen US-Nahrungsmittel-Politik. Vilsaks Stellvertreterin Kathleen Merrigan hat als Professorin an der Tufts University Bücher über Biogärten geschrieben. Die Bio-Nahrungsindustrie ist begeistert, dass ihre Stimme in der Regierung gehört wird. „Wir waren gewohnt, vor der Tür zu warten. Jetzt dürfen wir endlich hinein“, sagte Walter Robb, Vizepräsident der Biokost-Kette Whole Foods Market. Bild: Michelle Obama und ihre Kinder im künftigen Biogarten des Weissen Hauses (The White House/Joyce N. Boghosian)
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