Vestas hat Wind im Rücken

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 27.02.09
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Krise ist für Vestas ein relativer Begriff. Statt um 40 Prozent wachse der Weltmarktführer der Windturbinenbauer nur noch um 25 Prozent, sagt Vestas-Chef Ditlev Engel. Ausser auf den drei Hauptmärkten Europa, USA und China erwartet er auch einen Aufschwung der Windkraft in Osteuropa und Lateinamerika. Aus Engels Sicht ist es ein Vorteil, ein Pionier zu sein. Viele Probleme, die seine Mitbewerber vor sich haben, habe Vestas bereits gelöst.

Steffen Klatt: Die erneuerbaren Energien sind in einer Krise. Warum?

Ditlev Engel: Ich kann nur über mein Unternehmen sprechen. Aber es ist klar, dass die Finanzkrise alle Industrien getroffen hat, auch unsere.

Steffen Klatt: Haben Sie diese Krise erwartet?

Ditlev Engel: Wir hatten für 2009 ursprünglich ein Wachstum von 40 Prozent erwartet. Nun rechnen wir noch mit 25 Prozent. Wir spüren also die Krise. Aber im Vergleich zu andern sind das noch immer interessante Perspektiven. Hinzu kommt, dass die Politik für die erneuerbaren Energien Stellung nimmt, in der EU, in den USA, in China. Die Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Energien sind immer noch gegeben.

Steffen Klatt: Die Grundlagen sind also immer noch gesund.

Ditlev Engel: Trotz der Finanzkrise sagen immer noch viele Leute, dass die Energiekrise gelöst werden muss. Wenn wir da länger warten, wird die Lösung immer teurer.



Steffen Klatt: Welches sind die grossen Märkte der Zukunft?

Ditlev Engel: Heute und morgen wird Europa ein grosser Markt bleiben. Hinzu kommen die USA und China. Das sind die drei Hauptmärkte. Wir werden aber auch in Osteuropa und in Lateinamerika einen Aufschwung der erneuerbaren Energien erleben.

Steffen Klatt: Sind Sie in allen drei Hauptmärkten tätig?

Ditlev Engel: Ja.

Steffen Klatt: Ist es für Sie schwieriger, in den USA oder in China tätig zu sein als in Europa?

Ditlev Engel: Nein. Ich kann noch nichts über 2008 sagen. Aber 2007 haben wir 99,9 Prozent unseres Umsatzes ausserhalb Dänemarks erzielt. Unser wichtigster Markt waren die USA, der zweitwichtigste Spanien, der drittwichtigste China.

Steffen Klatt: Hat die Konkurrenz zugenommen?

Ditlev Engel: Der Wettbewerb ist sehr viel schärfer geworden. Aber mit der Finanzkrise haben auch die Anforderungen zugenommen, die an die Berechenbarkeit eines Projekts gestellt werden. Wir können aufgrund unserer Grösse und unserer Erfahrungen diese Berechenbarkeit sicherstellen. Damit sind unsere Projekte weniger riskant als viele andere Projekte.

Steffen Klatt: Könnte die Krise Ihnen damit zugute kommen?

Ditlev Engel: Unsere Auftraggeber setzen ihre Projekte weiterhin um.

Steffen Klatt: Ist es für Sie ein Vorteil, ein Vorreiter der Windkraft gewesen zu sein?

Ditlev Engel: Die Tatsache, dass Vestas bereits sehr lange in vielen Märkten ist und die dortigen Verhältnisse der Energiewirtschaft und der Verfügbarkeit des Winds kennt, gibt uns einen Vorteil. Das Wissen und die Erfahrungen, die wir angesammelt haben, sind sehr umfangreich. Auch die Leidenschaft, die ich bei Vestas sehe, hängt mit dieser Pionierrolle zusammen.

Steffen Klatt: Liegt die Zukunft der Windkraft auf dem Meer oder auf dem Land?

Ditlev Engel: Sie liegt auf dem Land, und zwar mit einem grossen Abstand.

Steffen Klatt: Warum?

Ditlev Engel: Es geht viel schneller, Windkraftanlagen auf dem Land zu errichten. Die Kapazität der Anlagen auf dem Meer ist noch weit von derjenigen der Anlagen auf dem Land entfernt. Die Anlagen auf dem Meer haben bisher erst einen kleinen Anteil an der Gesamtkapazität. Das Preis-Leistungsverhältnis spricht für die Anlagen auf dem Land. Die Anlagen auf dem Meer werden dort gebaut, wo es auf Land keinen Wind gibt. Dann hat man keine Wahl, und es ist sinnvoll, auf das Meer zu gehen. Die Anlagen auf dem Meer werden deshalb zunehmen. Aber es gibt noch genug Länder, in denen es viel Wind gibt, etwa die Vereinigten Staaten.

Steffen Klatt: Ist es ein Problem, dass die Windkraft keinen kontinuierlichen Strom sicherstellen kann?

Ditlev Engel: Windkraft kann nie allein die Stromversorgung sicherstellen. Es braucht immer eine Ergänzung. Aber das Windkraftaufkommen kann vorhergesagt werden. Es ist mehr eine Frage, wie das verwaltet und in das Netz eingespeist wird. Irgendwo bläst immer Wind.

Steffen Klatt: Was halten Sie von der Idee, ein Netz von Windparks rund um Europa aufzubauen?

Ditlev Engel: Wir wären natürlich begeistert. Wir müssen von der Idee einzelner Windräder wegkommen. Wir werden in Zukunft riesige Windparks sehen mit bis zu 500 Megawatt, sei es auf dem Land oder auf dem Meer.

Steffen Klatt: Wo ist Windkraft bereits so günstig wie Strom aus herkömmlichen Energieträgern?

Ditlev Engel: Das hängt sehr stark von der Berechnung ab. Wenn bei neuen herkömmlichen Kraftwerken die Kosten des Ausstosses von Kohlendioxid eingerechnet werden, dann ist es bereits billiger, Windkraftanlagen zu errichten. Wenn Sie ein altes Kohlekraftwerk nehmen, das bereits abgeschrieben ist, dann können wir beim Preis der Kilowattstunde mit der Windkraft natürlich nicht mithalten. Aber wenn sie neue Kraftwerke vergleichen, dann ist die Windkraft dabei. Es kommt auch darauf an, ob jeweils die Kosten des späteren Abrisses des Kraftwerks bereits eingerechnet werden. Das gleiche gilt für das Wasser: Wenn dessen Kosten steigen, hat die Windkraft einen Vorteil. Sie braucht kein Wasser.

Steffen Klatt: Erwarten Sie bei der Windkraft noch technologische Revolutionen?

Ditlev Engel: Es wird eher eine Evolution geben als eine Revolution. Es wird weitere Verbesserungen geben, aber wohl keine technologischen Sprünge.


Zur Person:

Ditlev Engel, Jahrgang 1964, ist seit 2005 Chef von Vestas Wind Systems. Zuvor war der Betriebswirtschaftler für den dänischen Farbenhersteller Hempel in verschiedenen Positionen tätig gewesen, zuletzt als Konzernchef. Vestas mit Sitz im nordjütischen Randers ist der weltweit grösste Hersteller von Windkraftanlagen.

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