Genf - Die UN-Umweltbehörde UNEP lanciert Initiative für eine „grüne“ Wirtschaft. Mit 140 interessierten Personen startete die Initiative in Genf. Damit soll im 21. Jahrhundert ein intelligentes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum geschaffen werden. Dank Investitionen in erneuerbare Energien könnten Millionen Arbeitsplätze entstehen. Das Uno-Umweltprogramm (UNEP) hat in Genf die “Green Economy Initiative“ (GEI) gestartet. Die Nahrungs-, Treibstoff- und Finanzkrise soll als Gelegenheit dienen, um die Wirtschaft neu auszurichten. Es soll ein „Global Green New Deal“ werden, wie UNEP-Direktor Achim Steiner ankündigte. Die Initiative will die Weltwirtschaft für Investitionen in saubere Technologie und „natürliche“ Infrastruktur wie Wälder und Böden gewinnen. Das sei der beste Einsatz für tatsächliches Wachstum, für die Bekämpfung des Klimawandels und zur Schaffung eines Arbeitsplatz-Booms im 21. Jahrhundert. Es gehe nicht darum, das Wirtschaftswachstum zu beschneiden, sondern um ein intelligentes, nachhaltiges Wachstum, erklärte Steiner.
Eine Plattform für die Zukunft 140 Personen nahmen am Montag und Dienstag in Genf an der Lancierung der GEI teil. Darunter waren Vertreter von Uno-Organisationen wie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) sowie von der Organisation für Wirtschaftszusammenarbeit und Entwicklung (OECD), aus der Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen wie der Foundation for Global Sustainability in Zürich. Es handle sich um einen transparenten Prozess, sagte Hussein Abaza, Leiter der UNEP-Abteilung für Wirtschaft und Handel. UNEP biete eine Plattform für die verschiedenen Teilnehmer. Dabei stütze man sich auch auf die bestehende Arbeit etwa von ILO und von UNCTAD. Abaza sprach sich weiter dafür aus, dass die Umwelt bei der Welthandelsorganisation (WTO) nicht isoliert behandelt, sondern in die andern Bereiche – unter anderen Landwirtschaft, Industriegüter und Dienstleistungen – integriert werde. Man könne mit Wäldern und Fischbeständen handeln und kurzfristig einen grösseren Gewinn erzielen, längerfristig werde man damit jedoch nichts mehr haben. Empfehlungen für Regierungen GEI-Projektleiter Pavan Sukdhev betonte: „Investitionen werden bald in die globale Wirtschaft zurückfliessen, die Frage ist, ob sie in die alte kurzfristige Ökonomie von gestern fliessen oder in eine grüne Wirtschaft, die zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten bietet.“ Die GEI wird bis jetzt von der EU-Kommission, Norwegen, Deutschland und der Schweiz unterstützt. Sie verfügt über vier Millionen Dollar und will bis in zwei Jahren konkrete Vorschläge für grüne Investitionen sowie Empfehlungen für Regierungen vorlegen. So soll die Subventionsvergabe überprüft werden. Die weltweiten Subventionen für Energie umfassten 240 bis 310 Milliarden Dollar pro Jahr oder 0,7 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts, führte Sukdhev aus. Aber es gebe keine angemessene Unterstützung für erneuerbare Energie. In Deutschland generiere der erneuerbare Sektor bereits heute 240 Milliarden Dollar pro Jahr und beschäftige 250'000 Personen. Es werde erwartet, dass er bis 2020 mehr Stellen biete als die deutsche Autoindustrie. Millionen neue Arbeitsplätze Björn Stigson, Präsident des World Business Council for Sustainable Development sprach sich an der Gründungskonferenz der GEI für klare politische Rahmenbedingungen aus. Eine Wirtschaft mit einem niedrigen Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) sei auf klare politische Richtlinien angewiesen. In den USA beispielsweise aber habe jeder Bundesstaat seine eigene Gesetzgebung, dies sei nicht effizient. Mit Blick auf die Reduktion von CO2-Emissionen und einer entsprechenden Lastenteilung wies er darauf hin, dass es nicht immer einfach sei zu entscheiden, wer zahlen soll. „Wessen CO2 ist es, wenn Produkte nach Deutschland importiert werden, die in China von deutschen Tochtergesellschaften hergestellt werden?“, fragte er. Dieselbe Frage stelle sich auch bei Transporten per Schiff. Nach Angaben von UNEP haben in den vergangenen Jahren 2,3 Millionen Personen neue Jobs im Sektor der erneuerbaren Energie gefunden. Das Potential für eine weitere Zunahm von Arbeitsplätzen sei riesig. So könnten bis 2030 über 2 Millionen Arbeitsplätze bei der Windenergie und 6,3 Millionen bei der Sonnenergie geschaffen werden. In der Landwirtschaft sieht UNEP die Möglichkeit von 12 Millionen Stellen bei der Herstellung von Energie aus Biomasse und verwandten Industrien.
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