Perchtoldsdorf (A) - Biologisch produziert, aber mit Diesel-Maschinen geerntet. Ganz konsequent ist das nicht. Darum haben clevere österreichische Erfinder jetzt einen Solar-Traktor entwickelt. Mit der Produktion soll schon 2010 begonnen werden.
In manchen Bio-Tomaten steckt wirklich nur die Kraft der Sonne. Zum einen in denen, die zuhause auf dem Balkon wachsen – zum anderen in denen, die bald mit dem neuen Solar-Traktor geerntet werden. Nicht teurer als Dieseltraktor Bio-Bauern haben sich im niederösterreichischen Perchtolsdorf mit zwei jungen Technikern zusammengetan, um bei der Produktion von Bio-Gemüse so umweltfreundlich wie möglich zu arbeiten. Herausgekommen ist ein Patent für einen Solar-Traktor, der nicht teurer als ein Diesel-betriebener sein soll. Geplant ist, dass er schon für 50.000 Euro zu haben ist, wobei ein reguläres Gerät in dieser Grössenordnung fast 70.000 Euro kostet. „Die Solarfläche ist 26 Quadratmeter gross. Bei Schrittgeschwindigkeit muss man die Batterien sogar während Schlechtwetter-Perioden kaum mit Strom aufladen“, erklärt Peter Prohaska stolz. Der 36-jährige IT-Spezialist ist einer der Erfinder. Gemeinsam mit seinem 31-jährigen Kollegen Franz J. Emminger hat er lange mit Biobauern in Niederösterreich getüftelt. Denn es ging ja nicht nur um das beste Solarkonzept, sondern auch um die spezifischen Bedürfnisse bei der Arbeit. Prohaska: „Manche Biobauern sind um die siebzig Jahre alt und ernten immer noch selbst.“ Praxiserprobung inklusive Da heisst es, zu zwei auf der Maschine Probeliegen und ran an die Tomate. Auf Bio-Flächen an der Grenze zum Burgenland standen die Techniker mit den Landwirten inmitten von Tomaten, Gurken oder Salatköpfen und testeten die Handhabe von verschiedenen Metallgestell-Modellen, bis das optimale gefunden wurde. In Höhe und Breite sind die Gestelle nun verstellbar – je nach zu erntender Frucht. 2009 werden die ersten Prototypen auf dem Feld sein, ab 2010 soll in Lizenz mit der Produktion begonnen werden. Erst dann kommen auch die ersten Sonnen-Tomaten der neuen Generation auf den Markt. Die beeindruckenden Solarflächen richten sich nach der Sonne und liefern um 40 Prozent mehr Leistung als statische Anlagen. Sie wiegen 500 Kilogramm – der Unterbau ebenso. Funktioniert das auch an einem steilen Berghang? „Klar“, beschwichtigt Prohaska, „da muss man höchstens ein paar mehr Batterien einsetzen und das Tempo wird langsamer.“ Das Tempo ist Schrittgeschwindigkeit. Prohaska: „Sinnvoll ist der Solar-Traktor in der kleinsten Ausführung für Gemüse-Biobauern. Eine erweiterte Version für Grossflächen ist aber schon in Planung.“ Die Idee soll Schule machen Unterstützung fanden die Erfinder bei Open Energy, einer Vereinigung zur Förderung von erneuerbaren Energien. In Niederösterreich entwickelt sich die Solartechnik-Szene rasant schnell. Generell sind alternative Energien dort ein grosses Thema. Und man will dieses Denken zum Export-Schlager machen. Gerade für Afrika sei der Solar-Traktor ideal, betont Prohaska. Erste Landwirte aus südlichen Gegenden hätten bereits Interesse bekundet. Und in Europa warteten sowieso schon viele auf die Realisierung: „Bio-Bauern sind keineswegs idealistische Hinterwäldler, sondern oft besonders an Innovationen interessiert.“ Besonders beliebt ist jetzt schon die GPS-Version, die für weniger als 2000 Euro Aufpreis erhältlich sein soll. Selbstfahrend bewässert der Traktor somit die Felder, ohne dass ein Mensch eingreifen müsste. Doch ganz allein sollte der Bauer den Sonnen-Traktor nie lassen – denn es kann sein, dass er bald so heiss begehrt ist wie ein Mercedes Benz in Palermo.
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