Neubauten sollen in der Schweiz bald nur noch halb so viel Wärmeenergie verbrauchen wie heute. Das 4,8-Liter-Haus wird Standard. Und für die Auszeichnung besonders energieeffizienter Häuser mit dem Minergie-Siegel gelten ab 2009 nochmals verschärfte Normen. Ein über 30 Jahre altes und niemals saniertes Haus ist eine echte Energieschleuder. Pro Jahr und Quadratmeter werden im Durchschnitt für solche Häuser 22 Liter Heizöl benötigt, um es warm zu halten. Der Standard bei Neubauten liegt dagegen heute bei neun Litern.
Bern und Zug gehen voran Doch selbst damit ist bald Schluss. Mit den neuen Mustervorschriften der Konferenz der Energiedirektoren gilt bald eine niedrigere Norm: Neubauten sollen mit 4,8 Litern auskommen. Das ist zwar nur eine Empfehlung. Aber die Kantone wollen diesen Grenzwert in die eigenen Vorschriften übernehmen. Bern und Zug gehören dabei zu den Vorreitern. Bereits ab Anfang 2009 gilt dort für Neubauten die 4,8-Liter-Norm. Innerrhoden folgt im Juli nach. Doch wer für sein Haus das Minergie-Siegel erhalten will, welches besonders energieeffiziente Bauten kennzeichnet, muss noch sparsamer bauen. Denn im kommenden Jahr werden auch die Anforderungen für Minergie-Häuser verschärft. Für ein neues Minergiehaus gilt dann der Normwert von maximal 3,8-Liter Energieverbrauch pro Quadratmeter beheizter Fläche. Der Maximalverbrauch bei der noch schärferen Minergie-P-Norm bleibt bei drei Litern, der für sanierte Gebäude nach Minergie-Standard wird von acht auf sechs Liter herabgesetzt. Freie Wahl der Technik „Minergie hat die Funktion eines Zugpferds“, sagt Fadri Ramming, Geschäftsführer der Energiedirektorenkonferenz. Das Siegel solle die Weiterentwicklung energiesparender Techniken vorantreiben. Bei den Mustervorschriften dagegen gehe es darum, die Möglichkeiten des energieeffizienten Bauens zu nutzen, ohne die Hauseigentümer zu überfordern. Diese haben die freie Wahl, mit welchen Techniken sie die neuen Standards erreichen wollen. Grundsätzlich aber dürfte vor allem die bessere Dämmung der Gebäudehülle eine höhere Bedeutung bekommen. Denn ein Teil der Heizenergie entweicht durch dünne Mauern sowie ungenügend gedämmte Bodenplatten und Dachstühle nach aussen. Doch die schärferen Vorschriften können Hausbesitzer auch entmutigen. Hansruedi Kunz, Vorstandsmitglied des Vereins Minergie, erwartet mit der Verschärfung der Normen jedenfalls erst einmal einem Rückgang bei den kostenpflichtigen Zertifizierungen nach dem Minergie-Standard. Bis heute sind in der ganzen Schweiz gerade mal 10000 Häuser mit dem Siegel ausgezeichnet. Allerdings lohnt sich eine solche Zertifizierung. Die nachgewiesene Bauqualität schlägt sich nach Einschätzung von Fachleuten auf den Gebäudewert nieder. Nach 30 Jahren soll er um neun Prozent höher liegen als bei einem herkömmlichen Haus. Nutzen eiskalt bewiesen In einem Minergie-Haus ist die Gebäudehülle ein Bollwerk gegen die Kälte. Die Wärme wandert nur langsam durch dick in Dämmmaterialien gepackte Mauern, das Dach und die Bodenplatte sowie die doppelt bis dreifach verglasten Fenster. Im Sommer bleibt die Wärme vor dem Haus, im Winter in der Stube. Nicht einmal beim Lüften wird sie zum Fenster hinausgejagt. Denn eine Komfortlüftung garantiert ständige Frischluftzufuhr auch bei geschlossenen Fenstern. Kombiniert mit einer Rückgewinnung geht beim Luftaustausch kaum Wärme verloren. Denn sie wird zum großen Teil von der verbrauchten Abluft abgezogen und der einströmenden Frischluft zugeführt. Bei der Luftheizung wird sogar 100 Prozent der Raumwärme genutzt und neu verteilt. Die konventionelle Heizung entfällt. Mit den verschärften Vorschriften werde künftig der Anreiz steigen, erneuerbare Energien im Neubau einzusetzen, sagt Hansruedi Kunz. Gestatteter Heizölverbrauch pro Quadratmeter beheizter Fläche: Gebäudeart/Standard | alte Mustervorschriften | neue Mustervorschriften | Neubauten | 9,0 Liter | 4,8 Liter | Minergie | 4,2 Liter | 3,8 Liter | Minergie-P | 3,0 Liter | 3,0 Liter | Minergie im Altbau | 8,0 Liter | 6,0 Liter |
Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbruach eines Altbaus aus dem Jahr 1975 beträgt 22, 0 Liter.
Bild: Minergie-Haus in Dornach (zVg Renggli AG)
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