Schweizer Windkraft in der Nische

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 26.09.08
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Die Schweiz nimmt am weltweiten Aufschwung der Windkraft nur wenig Anteil. Das Windaufkommen ist gering, die dichte Besiedlung macht geeignete Plätze rar. Ein Interview mit Jakob Vollenweider, Chef der Juvent SA, der Betreiberin des grössten Windkraftwerks der Schweiz auf dem Mont Crosin.

Die Windkraft ist die erste der neuen erneuerbaren Energien, die wettbewerbsfähig geworden ist. Warum?

Jakob Vollenweider: Es existieren weltweit zahlreiche, für die Windenergienutzung hervorragend geeignete Gebiete, die zudem nicht auf einzelne Weltregionen konzentriert sind. Entsprechend gab dies auch Anreize überall auf der Welt, die Windenergie zu entwickeln. Mit zunehmendem Marktvolumen führte dies zu Skaleneffekten, die mitgeholfen haben, die Wirtschaftlichkeit der Windenergienutzung rasch zu verbessern.

Im vergangenen Jahr ging ein Drittel aller Investitionen in erneuerbare Energien weltweit in die Windkraft, deutlich mehr als etwa in die Sonnenenergie. Was hat die Windkraft andern erneuerbaren Energien voraus?

Vollenweider: Andere erneuerbare Energien wachsen durchaus auch stark. Das speziell grosse Wachstum bei der Windenergie hat sicher auch mit der technologischen Entwicklung zu tun. Die Windkraftanlagen sind inzwischen Geräte der Hochtechnologie. Die Materialien und die Elektronik sind heute sehr belastbar. Da hat sich in den letzten fünf bis zehn Jahren viel getan. Das hängt aber auch mit den Förderprogrammen zusammen. Auch da ist einiges in Bewegung geraten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland und ähnliche Gesetzgebungen in anderen EU-Staaten haben Wirkung gezeigt. Schliesslich wurde der Markt mit zunehmender Grösse auch immer professioneller und rationeller organisiert.

Warum nimmt die Schweiz an diesem Aufschwung der Windkraft kaum teil?

Vollenweider: Die Schweiz ist in einer speziellen Situation. Wir sind ein traditionelles Wasserkraftland. Rund 60 Prozent unseres Strombedarfs werden mit dieser erneuerbaren Energie gedeckt. Die Schweiz ist ausserdem kein Windland. Im internationalen Vergleich ist das Windaufkommen bescheiden. Die Schweiz ist schliesslich auch dicht besiedelt. Das erhöht tendenziell das Konfliktpotenzial mit verschiedenen Interessensvertretern.

Wo gibt es in der Schweiz Potential für Windkraftanlagen?

Vollenweider: Vor allem im Jurabogen. Dort ist das Windaufkommen vergleichsweise hoch und es gibt eine gut ausgebaute Infrastruktur. Die Strassen und das Stromnetz sind da. Im Alpenbogen ist das Windaufkommen zwar auch gut. Aber die Infrastruktur ist nicht so stark ausgebaut. Deshalb ist das Potential dort beschränkt.

Wieviele Anlagen von der Art Ihres heutigen Windkraftwerks auf dem Mont Crosin sind im Jurabogen möglich?

Vollenweider: Mittelfristig sind noch einige Anlagen der jetzigen Grösse möglich. Aber es ist in der Schweiz nicht Platz für hunderte Anlagen.

Wird die Windkraft in der Schweiz immer in einer Nische bleiben?

Vollenweider: Sie wird wohl in absehbarer Zukunft eine ergänzende Energie bleiben. Die Windkraft kann nicht die Funktion von Bandenergien einnehmen. Aber sie ist sicher eine attraktive Ergänzung zu den traditionellen Energien.

Wie hoch ist die möglich Leistung?

Vollenweider: Realistischerweise muss man annehmen, dass die Windkraft in naher Zukunft unter einem Prozent der Kapazität der Schweizer Stromproduktion bleiben wird.

Gibt es in der Schweiz einen Sinneswandel hin zu erneuerbaren Energien?

Vollenweider: Die BKW hat in der Vergangenheit starke Investitionen in die erneuerbaren Energien getätigt und sie will diesen Kurs auch in Zukunft fortsetzen. Allerdings gilt es immer auch Rücksicht zu nehmen auf andere Interessen, in der Windkraft eben auf den Landschaftsschutz. Ab dem 1. Januar 2009 kommt die kostendeckende Einspeisevergütung. Wir werden sehen, was das bewirken wird. Geld ist nicht alles. Bei der Windkraft jedenfalls war das in der Vergangenheit nicht wirklich der limitierende Faktor. Es brauchte vor allem auch eine Raum- und Zonenplanung, und das war sehr zeitaufwendig. Das ganze Planungsprocedere war der Flaschenhals. Es macht nicht den Anschein, dass sich daran kurzfristig etwas ändern wird.

Interview: Steffen Klatt, St. Gallen

 

Zur Person

Dr. Jakob Vollenweider ist Geschäftsführer der Juvent SA. Die Firma betreibt das Windkraftwerk auf dem Mont Crosin bei St. Imier BE. Die Anlage nahm 1996 ihren Betrieb auf. Die acht Windturbinen haben eine Leistung von insgesamt 7660 Kilowatt. Bis 2011 sollen bis zu zehn weitere Windturbinen aufgestellt werden. Im vergangenen Jahr wurden 9,7 Millionen Kilowattstunden produziert. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3200 Haushalten. Hauptaktionär der Juvent ist die BKW FMB Energie AG. Ausserdem sind die Industriellen Werke Basel, AEW Energie AG, Groupe E SA und die Société des Forces Electriques de La Goule beteiligt.

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