Silberstreifen am Horizont

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Kristin Palitza, Kapstadt 24.05.11
Bookmark and Share
Stichworte:       

Die globalen Nahrungsmittelpreise steigen wieder. Das besonders betroffene Afrika hat das Potential, sich selbst zu ernähren. Doch ohne fairen Handel und verstärkte Investitionen von Seite afrikanischer Regierungen geht es nicht.

Mehr als 2,5 Millionen Menschen hungern jährlich in Afrika. Sie zu ernähren kostet rund neun Milliarden Euro (11,5 Milliarden Franken). Ist Nahrungsmittelhilfe wirklich die beste Lösung für das Problem? Afrikas Ökonomen sagen nein. Der Kontinent kann sich allein ernähren, glauben sie.

Produktion sinkt, Bevölkerung steigt

Doch mangelnde Investitionen im Agrikulturbereich und unfaire internationale Handelsregulierungen machen das Leben von Afrikas Bauern schwer. In der Folge sind Nahrungsmittelproduktion, der Fluss nachhaltiger Entwicklungshilfe sowie regierungseigene Mittel für landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung in den letzten 15 Jahren gesunken. Zur gleichen Zeit stiegen Lebensmittelimporte, Nahrungsmittelhilfe und die Bevölkerung an.
Die jährliche Wachstumsrate landwirtschaftlicher Produktivität beträgt in Afrika nach Angaben des Internationalen Fonds für Agrikulturelle Entwicklung (Ifad) nur 1,5 Prozent. Die Nahrungsmittelproduktion in Europa dagegen, wo jeder genug zu essen hat, erlebt einen steten Aufschwung.

Investitionen nötig

Das hat Folgen für die gesamte Wirtschaft. Denn in den meisten Entwicklungsländern ist Landwirtschaft eine Schlüsselbranche. Im südlichen Afrika sind 80 Prozent der 240 Millionen Menschen der Region von Landwirtschaft abhängig. „Paradoxerweise sind die meisten Hungernden der Welt landwirtschaftliche Produzenten. Wenn wir die Grundursachen der Nahrungsmittelkrise wirklich angehen wollen, müssen wir Bauern unterstützen“, erklärt Professor Nick Vink, Leiter der Fakultät für Landwirtschaft der Universität Stellenbosch in Südafrika. „Wir brauchen verstärkte landwirtschaftliche Investitionen anstelle von Nahrungsmittelhilfe, welche die Abhängigkeit fördert“, fügt er hinzu. Die für die Landwirtschaft bestimmte Entwicklungshilfe schrumpfte laut jüngster Ifad-Daten von 18 Prozent 1979 auf 2,9 Prozent 2006.

Niemand müsste hungern

Experten sind sich einig, dass es theoretisch genug Nahrung gibt, um alle Menschen zu ernähren. Doch mangelnder Zugang zu Vertriebswegen und Märkten für afrikanische Landwirte kombiniert mit internationalen Handelsregulierungen, die Erzeuger im globalen Norden begünstigen, verursachen Unterproduktivität auf dem schwarzen Kontinent. Kleinbetrieben bleibt nicht viel übrig, als sich selbst zu helfen, während Regierungen und internationale Institutionen Millionen in Monokulturen, Biotechnologien und Großkonzerne stecken.

Subventionen verzerren Welthandel

Der größte Übeltäter ist aus der Sicht vieler Experten in Afrika die Welthandelsorganisation (WTO) – und zwar, weil sie ihre eigenen Regeln nicht umsonst.  Aus der Sicht von Hilton Zunckel, Leiter der südafrikanischen Handelsrechtskammer, sollten afrikanische Staaten verstärkt auf der Anwendung existierender – und oft missachteter – WTO Regulierungen bestehen, um globale die Handelspolitik zu verbessern. Wenn das nicht helfe, müssten unfaire Handelspraktiken vor das WTO-Handelsgericht gebracht werden, sagt er. „Afrikanische Länder sind bislang schüchtern gewesen, vorhandene Verteidigungsmechanismen zu nutzen. Sie müssen sich mehr ins Zeug legen“, meint der Ökonom. Gleichzeitig sollten sie darauf bestehen, dass der globale Handelsagenda die Umstände Afrikas mit einbezieht. „Wir müssen in internationalen Wirtschaftsverhandlungen standhaft bleiben, auch wenn es Jahre dauern wird, Regulierungen durchzuboxen, die auf Entwicklungsländer zugeschnitten sind“, sagt Zunckel.

Das heiße vor allem, gegen die Übersubventionierung europäischer und amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte zu kämpfen. „Wir müssen Afrika von heftig subventionierten Nahrungsmittelimporten befreien. Um wettbewerbsfähig zu sein, braucht Afrika ein globales Handelssystem, das nicht durch Zuschüsse verzerrt ist. Die Subventionen des Westens töten einheimische Märkte in Afrika“, sagt Zunckel.

Afrika muss selbst investieren

Doch um die Agrarproduktion Afrikas anhaltend anzukurbeln, müssen sich afrikanische Regierungen auch an die eigene Nase fassen. Obwohl sich die meisten Länder südlich der Sahara vor Jahren verpflichteten, mindestens zehn Prozent ihres landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukts zu reinvestieren, liegen die Staatsausgaben dafür nur bei vier Prozent. „Es fehlt an politischem Willen. Wir können nicht nur darauf warten, dass sich der globale Norden großzügig zeigt“, sagt Vink. Es mangele vor allem an Infrastruktur. Denn ohne gute Straßenverbindungen, Transportsysteme und Lagerhäuser können afrikanische Erzeuger nicht auf globalem Niveau wettbewerbsfähig sein.
Vink glaubt allerdings die Weltwirtschaftkrise könne dem Kontinent Gelegenheit bieten, an Boden zu gewinnen: „Afrikas Länder wurden nicht so stark wie Europa und die USA von der Wirtschaftskrise betroffen. Das sollten sie zum Vorteil nutzen.“

Die fünfprozentige Wachstumsrate der meisten Länder des Kontinents werde neue Absatzmärkte durch größere Konsumentenzahlen und verstärkte Nachfrage schaffen. Vink ist überzeugt, die Situation könne bereits bei Ende dieses Jahrzehnts besser aussehen: „Es gibt keinen Grund zur Untergangsstimmung.“

 

Bild: ips

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren