Aschewolke bedroht auch Süden

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Geschrieben von: André Anwar, Stockholm 23.05.11
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Der isländische Luftraum wurde aufgrund des seit Samstag ausbrechenden Vulkans Grimsvötn geschlossen. Bislang soll keine Gefahr für den europäischen Flugverkehr bestehen. Das könnte sich aber im Laufe der nächsten Tage ändern.

Am Sonntag hat die isländische Flugsicherheitsbehörde den internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt Reykjavik ganz gesperrt. Die riesige, 20 Kilometer hohe Aschewolke des seit Samstag ausbrechenden Vulkans Grimsvötn sei eine Gefahr für den isländischen Flugverkehr hiess es aus Reykjavik. Der Grimsvötn ist einer der aktivsten Vulkane auf der Nordatlantikinsel. Er liegt unter der bis zu 200 Meter dicken Eiskappe des grössten Gletschers Europas, dem Vatnajökull, im nur dünn besiedelten Südosten der Insel.

Sehr viel Asche

Erst vor einem Jahr legte die Asche aus dem ebenso unter einer Eisdecke liegenden isländischen Vulkan Eyafjallajökull Europas Flugverkehr lahm. Am Sonntag hiess es, der europäische Luftverkehr werde dieses Mal voraussichtlich nicht beeinträchtigt werden. Ausschliessen wollten Vulkanexperten es aber nicht ganz. Zunächst hiess es, der Wind trage die Aschewolke nach Süden in Richtung Skandinavien. Dann meldete der isländische Wetterdienst, die Wolke ziehe nach Norden, weg vom Kontinent.

„Der Ausbruch ist sehr kräftig und es handelt sich um sehr viel Asche”, sagt Seismologe Reynir Bödvarsson. Wohin die Wolke ziehe, deren Aschepartikel laut Untersuchung des letzten Ausbruches tatsächlich gefährlich für die Triebwerke von Flugzeugen sein sollen, könne man erst in ein paar Tagen mit Genauigkeit sagen, so Bödvarsson. „Im schlimmsten Fall hat die Wolke ein ähnliches Potential wie die vom Eyafjallajökull. Auf jeden Fall, wenn der Ausbruch in seiner gegenwärtigen Stärke anhält”, so Bödvarsson. Erst ab Montag könne man voraussichtlich absehen, ob die Ausbruchsstärke abnimmt oder nicht. „Vulkane sind unberechenbar”, sagt er.

Eurocontrol ist zuversichtlich

Am Sonntag erwartete die europäische Flugbehörde Eurocontrol keine Beeinträchtigungen des Flugverkehrs ausserhalb Islands für mindestens einen Tag. “Es kann ein grosser Ausbruch werden, aber es ist unwahrscheinlich, dass er wie im vergangenen Jahr wird”, sagte der Geologe Hjorleifur Sveinbjornsson. „Fünf Meter weit kann man noch sehen. Aschepartikel kitzeln unangenehm zwischen meinen Zähnen”, beschreibt ein Isländer die Lage in der Region des ausgebrochenen Vulkans. Die Strassen sind dort weiträumig abgesperrt.

Als der isländische Vulkan Eyjafjallajokull im letzten Jahr seine Asche in den europäischen Luftraum blies, stand der Flugverkehr europaweit still. Die grösste europäische Luftraumsperre seit dem zweiten Weltkrieg kostete laut Schätzungen zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro (1,9 bis 3,2 Milliarden Franken) und zog im Nachhinein viel Kritik wegen vermeintlich unnötiger Übervorsichtigkeit auf sich. Rund 10 Millionen Flugpassagiere strandeten zeitweilig.

Triebwerke durch Asche gefährdet

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universitäten Kopenhagen und Reykjavik widerspricht derD Kritik zur vermeintlichen Übervorsicht deutlich. Die Asche aus isländischen Vulkanen hätte tatsächlich zu dramatischen Flugkatastrophen führen können. Der Flugstop sei demnach die einzige richtige Reaktion gewesen, so die dänisch-isländischen Forscher. Laut der im US-Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Studie waren vor allem die Aschepartikel der ersten Phase des Vulkanausbruchs so klein und scharfkantig, dass sie durch Schmelzen in den Triebwerken und Abscheuerungseffekt auf Flugzeugaussenwände und Cockpitfenstern, tatsächlich eine ernste Bedrohung darstellten. Die Partikel seien so extrem klein gewesen, dass sie in den Triebwerken schnell hätten schmelzen können. Es habe also tatsächlich die Gefahr für befürchtete, plötzliche Triebwerksausfälle in der Luft bestanden, laut der Studie.

Bild:  Die Katastrophe 2010, die Eyjajfallajokull auslöste, hatte langwierige Konsequenzen auf den Flugverkehr (Youtube). 

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