Istanbul - Die 48 ärmsten Länder der Welt verfügen nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) über bessere Voraussetzungen für die Schaffung einer „grünen“ Wirtschaft als die reichen Industrieländer. Zu diesem Schluss kommt ein UN-Bericht, der jetzt auf einer Konferenz für die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LDC) in Istanbul vorgestellt wurde.
Die LDC, heisst es gemäss Angaben von des Deutschen Nachhaltigkeitsrate darin, verfügten über reichlich Naturkapital wie Wald, Öl oder Mineralien und „grosse Potenziale“ für die erneuerbaren Energien. Sie seien weniger abhängig von fossilen Energieträgern als die Industriestaaten und emittierten kaum Treibhausgase – auch, weil derzeit mehr als drei Viertel der Menschen dort keinen Zugang zu Strom habe. Industrie- und Schwellenländer müssen dagegen laut UN viel Geld in den Umbau ihrer Energiesysteme stecken, um klima- und umweltfreundlicher wirtschaften zu können. Deutsche Entwicklungsexperten kritisieren die UN-Darstellung als zu rosig.
Laut UN zeugen zahlreiche Beispiele von den Vorteilen, die den ärmsten Ländern durch nachhaltige Wirtschaftsweisen bereits heute entstehen, wie der Deutsche Nachhaltigkeitsrat unter Bezug auf die Studie berichtet. Uganda etwa habe seine Exporte aus dem biologischen Landbau zwischen 2003 und 2008 mehr als vervierfacht. Laos habe sich dem „grünen“ Tourismus verschrieben, die Zahl seiner Gäste habe sich zwischen 2005 und 2009 auf zwei Millionen verdoppelt. In Mali hätten Landwirte den Einsatz importierter Pestizide zugunsten natürlicher Dünger reduziert. Sie profitieren laut UN von sinkenden Kosten und steigenden Erträgen. (ug)