Atom- und erdölfrei

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Geschrieben von: Roger Nordmann 09.05.11
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Wer sich näher mit der Energie- und Klimaproblematik befasst, kommt zu ziemlich düsteren Schlussfolgerungen: Die Menschheit steuert geradewegs auf eine Katastrophe zu, wenn sie ihren bisher eingeschlagenen Weg weiterverfolgt. Ein Auszug aus dem Buch „Atom- und erdölfrei in die Zukunft - Konkrete Projekte für die energiepolitische Wende“, von Roger Nordmann.

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen einer derartigen Katastrophe wären noch viel gravierender als die ökologischen Auswirkungen. Wir laufen nämlich Gefahr, dass sich unsere Lebensbedingungen stark verschlechtern. Die Energie- und Klimaproblematik verschärft somit die bestehenden Spannungen auf der Welt. Die unbedachte Verbrennung von Erdgas, Erdöl und Kohle, bisher das Fundament unseres Wohlstands, droht zum Bumerang zu werden. Während mehrerer Jahrzehnte blendeten die Ökonomen völlig aus, dass der Wohlstand zu einem grossen Teil von der Umwelt und den natürlichen Ressourcen abhängt. Die traditionelle Volkswirtschaftslehre hob in früheren Zeiten stets hervor, wie wichtig für den Wohlstand die "natürlichen Ressourcen" bei der Produktion von Gütern sind. Demgegenüber erwecken gewisse Ökonomen die Illusion, der Markt könne sämtliche Produktionsfaktoren – darunter auch Energie, Raum, Rohstoffe etc. – grenzenlos vervielfachen. Insbesondere die mengenmässige Begrenztheit der fossilen Energiequellen ist diesen Ökonomen völlig fremd. Nun stösst aber auch die Wirtschaft an die Grenzen der Realität. (….)

Ziel muss es also sein, die Menschheit von den nicht erneuerbaren Energien zu befreien. Die Schweiz muss wie die anderen Länder im eigenen, aber auch im Interesse der gesamten Menschheit ihren Teil zur Lösung der Klimaproblematik beitragen. (…)

Einfach abzuwarten, bis die Erdölreserven versiegen, hilft nicht, die Probleme der Klimaerwärmung zu lösen. Die CO2-Emissionen würden sich nicht schnell genug verringern. Hingegen wird sich die Klimaerwärmung in einem unerträglichen Mass beschleunigen, wenn wir damit fortfahren, die verbleibenden Erdölreserven so schnell wie bisher aufzubrauchen. Kommt hinzu, dass es technisch möglich wäre, die reichlich vorhandenen Kohlevorräte in Benzin umzuwandeln und so das Erdölzeitalter verlängert werden könnte. Folglich bekommen wir die Klimaerwärmung nur dann in den Griff, wenn wir entschiedene Anstrengungen leisten, um uns von den fossilen Energien zu befreien. Zu glauben, dass die CO2-Emissionen mit dem Versiegen des Erdöls automatisch und rasch zurückgehen, wäre eine gefährliche Illusion. (…)

Die Schweiz muss in zwei zentralen Bereichen der Energie- und Klimapolitik etwas unternehmen:

1. Wir müssen erneuerbare Energien nutzen, die die Umwelt weitaus weniger belasten und deren Verfügbarkeit nicht wegen begrenzter Vorräte eingeschränkt ist.

2. Wir müssen unsere Energie besser und effizienter nutzen als bisher, um den Verbrauch zu senken.

Anders gesagt: Wir müssen einen neuen Lebensstil entwickeln, der mit den natürlichen Limiten der Erde in Einklang steht. Die Industrieländer haben in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle inne. Sie müssen diesen Wandel vorantreiben, die technischen Voraussetzungen dafür schaffen und als Erste diese Wende realisieren. Die Entwicklungs- und Schwellenländer werden nie diesen Weg ein schlagen wollen, wenn dessen Erfolg und Machbarkeit nicht zuvor bewiesen worden ist.

Die Schweiz kann ihrerseits nur dann schärfere internationale Massnahmen fordern, wenn sie glaubwürdig und vorbildlich ist. Angesichts ihrer Grösse wird sie sich in einer internationalen Debatte kaum machtpolitisch durchsetzen können. Entsprechend muss sie früher oder später ihren Anteil zum weltweiten Ziel beitragen und ihre Emissionen um eine Tonne Treibhausgase pro Einwohner und Jahr reduzieren. Es ist ungerecht und lässt sich nicht rechtfertigen, wenn einzelne Nationen dauerhaft mehr Treibhausgase ausstossen, als es dem Reduktionsziel entspricht. Ansonsten müssten andere Länder ihre Emissionen deutlich unter das Reduktionsziel senken. Dass sie dies nicht tun wollten, wäre verständlich. (…)

Glücklicherweise besteht die Aushandlung eines Klima-Abkommens nicht allein darin, Lasten zu verteilen. Ansonsten bestünde wohl kaum Hoffnung, dass ein solcher Vertrag je zustande käme. Jene Länder, die sich zu Reduktionen verpflichten, eröffnen sich mittel- und langfristig eine sehr interessante Option. Sie richten ihre Entwicklung neu aus und werden so weniger verwundbar. Solche Erwägungen erleichterten bereits früher den Abschluss von Verträgen, und sie sollten auch künftig entscheidend sein.

Jene Länder, die sich als Erste anpassen, profitieren von einer technologischen und kommerziellen Führungsrolle im Energiebereich. Deutschland ist in dieser Beziehung ein gutes Beispiel: Hier konnten im Bereich der erneuerbaren Energien 305 000 Arbeitsstellen geschaffen werden.

 

Auszug aus dem Buch „Atom- und erdölfrei in die Zukunft - Konkrete Projekte für die energiepolitische Wende“, von Roger Nordmann, Erschienen Mai 2011 bei Orell Füssli. Hier ein Auszug konkret aus: Kapitel 4 „Die Notwendigkeit zu handeln“.

 

Mehr info: www.roger-nordmann.ch 

 

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