Lampedusa-Drama nimmt kein Ende

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Geschrieben von: Wolf H. Wagner, Florenz 09.05.11
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Am Wochenende sind erneut hunderte Flüchtlinge aus Nordafrika auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen. Dutzende Weitere sind bei der Überfahrt ertrunken. Die Aufnahmekapazitäten Italiens sind erschöpft.

In der Nacht zum Sonntag lief ein mit 500 Personen besetztes Boot vor der italienischen Insel Lampedusa auf einen Felsen und kenterte. Rettungskräfte der Küstenwache versuchten, die aus Libyen stammenden Flüchtlinge zu retten. Bereits Stunden zuvor waren zwei weitere Schiffe mit insgesamt 842 Flüchtlingen an Bord im Hafen der Insel angekommen.

Flüchtlinge bei Schiffbruch gerettet

Fabrizio Pisanelli, Major der Küstenwache, schilderte dramatische Szenen: „Es bot sich uns ein apokalyptisches Bild. Das völlig überfüllte Boot prallte gegen die Felsen vor der Küste. Ein Schiff der Guardia di Finanzia näherte sich dem Flüchtlingsboot und drei Männern glückte es, an Bord zu kommen. Dort übernahmen sie das Ruder und versuchten, das Schiff von den Felsen wegzusteuern.”

Der Versuch misslang und das Boot drohte, über die linke Seite zu kentern. Alle Insassen sprangen ins Wasser, von der Küste aus schwammen viele Retter der Katastrophe entgegen und zogen die zum Teil sehr ermüdeten Flüchtlinge aus dem Wasser. Unter denen waren viele Kinder und Frauen, 22 von ihnen schwanger.

Eine weitere Tragödie spielte sich in den Nachtstunden vor Tripolis ab. Dort sank ein mit 600 Flüchtlingen überladenes Fischerboot in einem Sturm. Mehr als 300 Menschen werden vermisst, Dutzende Leichen wurde aus der See geborgen. Unter diesen Flüchtlingen waren mindestens 200 Menschen aus Somalia, die vor den Unruhen in Libyen nach Europa fliehen wollten.

Auffanglager überfüllt

Auf Lampedusa befinden sich erneut Tausende Flüchtlinge, obwohl viele in den vergangenen Tagen per Schiff nach Apulien und Sizilien transportiert wurden, um dort in Auffanglagern untergebracht zu werden. So brachte das Kreuzschiff Excelsior am Freitag 1066 Flüchtlinge nach Taranto. Von dort werden die Migranten in die Zeltstädte von Manduria gebracht. Deren Kapazitäten haben die Belastungsgrenzen längst überschritten, von hygienischen Zuständen wagt niemand mehr zu sprechen. Wasser- und Lebensmittelversorgung werden überall zum Engpass.

Innenminister Roberto Maroni (Lega Nord) gibt sich verzweifelt: „Der Krieg in Libyen muss schnellstens beendet werden, sonst überschwemmen Massen von Flüchtlingswellen unser Land.” Der Innenminister appellierte erneut an die EU-Mitgliedstaaten, Italien mit dem Flüchtlingsproblem nicht allein zu lassen.

Berlusconi nutzt Flüchtlingsansturm

Auf einer Wahlveranstaltung in Mailand nutzte Regierungschef Silvio Berlusconi die Ankunft der Flüchtlinge, die linke Opposition zu attackieren. Die Linke, so Berlusconi, wolle den Migranten Tor und Tür öffnen und ihnen nach fünf Jahren Aufenthalt das volle Wahlrecht geben. So lange er regiere, werde er sich solchen Plänen zu Wehr setzen, erklärte der Cavaliere. Er habe nicht umsonst das Land „vor dem Kommunismus gerettet”, fügte er hinzu. Unter dem Beifall der Anwesenden erklärte der Premier ferner, er werde es nicht zulassen, dass in Italien Moscheen errichtet werden. Schließlich sei ja auch nicht bekannt, dass es in den Herkunftsländern gestattet sei, Kirchen zu bauen. Die populistische Argumentation zeigt Erfolg. Der italienische Norden ist ohnehin nicht gewillt, Flüchtlinge aus dem Süden aufzunehmen.

Es ist nicht anzunehmen, dass der Flüchtlingsstrom aus Nordafrika abreißt. Italien wird sich weiter mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge aus Nordafrika konfrontiert sehen.

Bild: everyonegroup

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