Hamburg - Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben ergeben, dass im Falle eines vorzeitigen Atomausstieges den Energieriesen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall enorme Gewinne verloren gingen. Bei einem Ausstieg aus der Atomkraft bis 2015 würden die Konzerne rund 75 Milliarden Euro gegenüber der beschlossenen Laufzeitverlängerung verlieren, berichtet Greenpeace in einer Presseaussendung. Bei einer Abschaltung im Jahr 2020 wären es etwa 60 Milliarden Euro. Verwandte Themen| { Atomkonzerne unter Druck, 21.04.11 } | | { Die Zukunft ist Erneuerbar, 17.03.11 } | | { Gegen Atomkraft, gegen Europa, 28.02.11 } | | { Solarstrom wird billiger, 19.11.10 } | | { Atomkraft bremst Erneuerbare, 26.08.10 } | | { RWE hält am Nabucco fest, 13.07.10 } | | { Am «Kern» vorbei diskutiert, 15.06.10 } | | { Atommüll XY ungelöst, 21.05.10 } | | { Atommüllproblem nicht gelöst, 06.05.10 } |
Greenpeace fordert in einem Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, ein Energiekonzept mit klar definierten Abschaltdaten für alle Atomanlagen in Deutschland vorzulegen und sich vom System der Strommengenberechnung zu verabschieden. "Greenpeace warnt davor, der aktuellen Ausstiegs-Euphorie ohne wenn und aber zu trauen. Die Manager und Lobbyisten der Atomkonzerne werden um jedes Jahr Laufzeit für ihre gefährlichen aber profitablen Uralt-Meiler kämpfen", wird Tobias Riedl zitiert, Atomexperte von Greenpeace. "Angela Merkel darf jetzt nicht noch einmal vor den Energiekonzernen in die Knie gehen." Im Falle eines endgültigen Abschaltens der sieben ältesten Reaktoren und des Pannenmeilers Krümmel würden den Konzernen 25 Milliarden Euro entgehen. Für die restlichen neun Atomkraftwerke beliefe sich der ausbleibende Gewinn bei einem Ausstieg bis 2015 auf etwa 50 Milliarden Euro. Greenpeace schätzt, dass ein Atomkraftwerk etwa eine Millionen Euro Gewinn pro Tag erzielt. Laut einer Studie des Öko-Instituts von 2009 könnte diese Summe noch höher ausfallen, schreibt Greenpeace. Anlässlich der im vergangenen Jahr beschlossenen Laufzeitverlängerung hätten alle Reaktoren Strommengen zugeschrieben bekommen. Die sieben ältesten Meiler hätten Strommengen für umgerechnet acht Jahre zugeschrieben bekommen, die restlichen Reaktoren für 14 Jahre. Durch das System der Strommengen konnten die Energieunternehmen Uralt-Meiler, wie zum Beispiel Neckarwestheim 1, vor dem Abschalten sichern, berichtet Greenpeace. Der Reaktor sei monatelang mit minimaler Leistung gefahren, um nicht dem rot-grünen Atomausstieg zum Opfer zu fallen. "Wir brauchen klare und gesetzlich festgeschriebene Abschaltdaten für die Atommeiler. Nur so wird es Planungssicherheit für die Energiebranche und die deutsche Wirtschaft geben. Darüber hinaus erhöht sich die gesellschaftliche Akzeptanz für eine mögliche Energiewende", sagt laut der Meldung Riedl. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Greenpeace habe gezeigt, dass die vier grossen Energieunternehmen in den letzten Jahren kaum in Erneuerbare Energien investiert hätten. Deren Anteil an nachhaltig erzeugtem Strom betrage gerade einmal 0,5 Prozent. Gleichzeitig hätten die Konzerne in den letzten Jahren aber Ihre Gewinne drastisch gesteigert. Innerhalb des Zeitraums von 2002 und 2009 hätten die Stromkonzerne ihre Gewinne vervierfacht. (eg)
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