Diskriminierung, Nötigung, Verhaftungen und Folter von Homosexuellen erleben auf dem afrikanischen Kontinent einen krassen Anstieg. Ins Rampenlicht kommt dies meist leider erst, wenn ein Unglück passiert. Als in diesem Frühjahr ein prominenter Homosexueller in Uganda ermordet wurde, ging ein Aufschrei durch die Welt. Doch David Katos Schicksal ist kein Einzelfall. Diskriminierung, Nötigung, Verhaftungen und Folter von Homosexuellen sind auf dem afrikanischen Kontinent im Vormarsch, erleben einen krassen Anstieg. Dies wurde nicht zuletzt von einer Entscheidung der Afrikanischen Union (AU) ausgelöst, die während eines Gipfeltreffens im Juli 2010 ein Gesuch Ägyptens befürwortete, die Definition von Menschenrechten neu zu definieren um „afrikanische Kultur zu schützen“. Die Absicht war vor allem, die Rechte Homosexueller zu beschränken. „Es war ein klarer Aufruf, die Rechte von Minderheiten unter Straffreiheit zu verletzen. Und es wurde von der AU abgesegnet“, sagt Monica Mbaru, Afrika-Programmleiterin der Internationalen Gay & Lesben Menschenrechtskommission (IGLHRC). Staatsmänner in Kenia, Uganda, Sambia, Simbabwe, Nigeria und Namibia haben in vergangenen Jahren Homosexualität wieder und wieder als „unafrikanisch“ erklärt. Homosexualität ist in 38 von Afrikas 53 Staaten illegal und strafbar. Dazu gehört Uganda, wo Homosexualität kriminalisiert ist. Ein Gesetzesentwurf, der die Todesstrafe für Homosexuelle vorsieht wurde nur aufgrund internationalen Drucks auf Eis gelegt. Gleichzeitig gibt es eine deutliche Tendenz in vielen anderen afrikanischen Ländern, Diskriminierung zu institutionalisieren: In der Demokratischen Republik Kongo, Burundi und Ruanda gibt es Vorschläge, Homosexualität zu kriminalisieren. In Sambia ist Homosexualität bereits illegal. Sogar in SüdafrikaLetztes Jahr verursachte auch Malawi weltweite Empörung, als ein homosexuelles Paar, das seine Verlobung feierte, verhaftet wurde. Weiter westlich, in Nigeria, wird Homosexuellen regelmässig Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und juristischen Dienstleistungen versagt. Menschenrechtsorganisationen berichten von Nötigungen, Vergewaltigungen, Verhaftungen und Folter. Sogar in Südafrika, dessen viel gelobte, moderne Verfassung die Rechte Homosexueller ganz klar schützt, sind Hassverbrechen auf dem Anstieg. Besonders „korrigierende Vergewaltigung“, wo Männer Lesben sexuell missbrauchen, um sie „umzudrehen“, finden an der Südspitze des Kontinents regelmässig statt Es ist in diesem Kontext, dass David Kato, der für die Nichtregierungsorganisation Sexual Minorities in Uganda arbeitete, ermordet wurde, glauben Aktivisten. „Davids Tod symbolisiert nicht nur die Menschenrechtslage in Uganda. Wir sehen eine Intensivierung von Gewalt gegen Homosexuelle überall auf dem Kontinent, auf politischer sowie gesellschaftlicher Ebene“, erklärt Dawn Cavanagh, Programmdirektor der Koalition Afrikanischer Lesben. Besonders in Ländern, in denen Wahlen bevorstehen, führten Politiker populistische Wahlkampfkampagnen gegen Homosexuelle, „um durch diese Sündenbockmentalität Stimmen zu gewinnen und von wichtigen Themen abzulenken“, glaubt Cavanagh. Dies sei auch derzeit in Uganda der Fall, wo Präsidentschafts- und Parlamentswahlen für Ende Februar bis Anfang März angesetzt sind. Katos Ermordung könne daher nicht isoliert betrachtet werden. Katos Leiche wurde am Donnerstag in seiner Wohnung in Ugandas Hauptstadt Kampala gefunden, nur wenige Wochen nachdem er und zwei weitere Aktivisten das Gerichtsverfahren gegen eine ugandische Zeitung gewonnen hatten, die sie auf ihrer Titelseite als „Top Homosexuelle“ des Landes outete. Laut Angaben der Polizei wurde Kato mit einem Hammer zu Tode geprügelt. Das Boulevardblatt Rolling Stone hatte im Oktober Namen, Fotos und Adressen von 100 Homosexuellen, einschliesslich Katos, mit dem Aufruf „Hängt sie“ veröffentlicht. Polizei spricht von DiebeszugNach dem Erscheinen des Artikels wurden vier Homosexuelle, die auf der Liste standen, attackiert und viele tauchten aus Angst um ihr Leben einstweilig unter. Kato war sich der Gefahr, in die ihn sein Aktivismus brachte, bewusst. Am Dienstagnachmittag hatte er Kollegen in Südafrika übers Telefon erzählt, er habe Angst um sein Leben. „Katos Mord hat die gesamte Homosexuellenbewegung zutiefst erschüttert. Wir hoffen, dass Polizei und Regierung diese grässliche Straftat ernst nehmen und die Täter zur Verantwortung ziehen”, sagte Sylvia Tamale, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Makerere Universität in Kampala. Mittlerweile wurde ein Mann verhaftet. Die Polizei sucht nach einem weiteren Verdächtigen. Beamte erklärten, Katos Homosexualität sei kein Aspekt der bisherigen Untersuchungen. „Wir glauben, Diebstahl ist ein wahrscheinliches Motiv“, sagte Polizeisprecherin Judith Nabakooba. Bild: Demonstration vor Kameruns Hochkommissariat in Südafrika (IGLHRC zvg.).
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