Leipzig – Eine aktuelle Karte des Leibnitz-Instituts für Länderkunde (IfL) hat nun dokumentiert, wo in Deutschland Moscheebauten stehen. Dr. Thomas Schmitt vom Göttinger Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften hat nach einer Pressemitteilung des IfL die Fakten und Hintergründe im Nationalatlas erläutert. Mehr als 120 repräsentative, durch Minarett oder Kuppel für jedermann sichtbare Moscheen gebe es derzeit in Deutschland. Die meisten stehen in den industriellen Ballungsräumen an Rhein und Ruhr, im Rhein-Main-Gebiet sowie in der Rhein-Neckar-Region, heisst es. Der Grund für die regionale Konzentration sei das Ergebnis der Arbeitsmigration aus islamisch geprägten Ländern, insbesondere der Türkei – auch wenn es in Deutschland schon vor der Zuwanderung Moscheen gegeben habe. Die älteste ist ein Bau der Ahmadiyya-Bewegung in Berlin-Wilmersdorf aus den 1920er Jahren, schreibt das IfL. In vielen deutschen Grossstädten suchten die muslimischen Gläubigen indessen immer noch vergebens eine Moschee mit Minarett und einer Kuppel über dem Gebetsraum. Viel häufiger fündig würden sie in mittelgrossen und teilweise auch in kleinen Städten, dort allerdings kaum in den Zentren, sondern oft in Wohngebieten der Gründerzeit oder sogar in Gewerbegebieten. Aus städtebaulicher Sicht fristen laut IfL viele Moscheen darum immer noch ein Schattendasein. Zu diesem Ergebnis komme Dr. Thomas Schmitt anhand seiner Recherchen. Der Wissenschaftler beschäftige sich seit vielen Jahren mit dem Thema Moscheen in Deutschland und habe den Erläuterungstext zur aktuellen IfL-Karte beigesteuert. Einen weiteren Aspekt mache die IfL-Karte anhand von Farbsignaturen auf einen Blick sichtbar: die Zugehörigkeit der Moscheen zu verschiedenen Dachverbänden beziehungsweise die ethnisch-religiöse Orientierung des jeweiligen Trägervereins. Für die meisten Moscheebauten in Deutschland zeichneten demnach örtliche Vereine der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Ahmadiyya-Bewegung verantwortlich. Auf den Karten nicht berücksichtigt seien die vielen sogenannten Laden- und Hinterhofmoscheen in umfunktionierten Gebäuden ohne deutlich sichtbare architektonische Symbolik. (eg)
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