Heute trägt Mann und Frau ihre ökologischen Statements auf der Brust. Inzwischen sind Stardesigner und viele kleine Labels auf das Weltverbesserungsimage aufgesprungen. Denn Nachhaltigkeit ist Lifestyle geworden und T-Shirts mit Sprüchen, die Sinn machen, liegen im Trend. Doch Kritiker beteuern: Wenn Nachhaltigkeit drauf steht, muss auch Nachhaltigkeit drin sein!
Seit es T-Shirts gibt, waren sie Plattform für den eigenen Lebensstil. Und in den 1980ern wurde das Protest-Shirt Ausdruck des Widerstands gegen alles, was nicht gefiel. Doch dann sind Slogan-Shirts dazu verkommen, Eintagswitze zu verbreiten: „Bier formte diesen Körper“ lautet der Klassiker – „Ich bin Raucher und das ist gut so“ war lange das höchste der Protest-Gefühle und der Totenkopf wurde zum nichtssagenden Mode-Accessoire auf Designer-Shirts. Doch in den letzten Jahren gewinnt die Meinung wieder an Paroli und es geht darum, individuell für Umwelt-, Tierschutz, generell Nachhaltigkeit einzustehen – und das mit Spruch und Produkt. Bio-Baumwolle und Recycling-Materialien sind angesagt, wobei Ästhetik, ökologische Herstellung und fairer Handel Hand in Hand gehen. Nun bekennen sich auch solche mit individuellen Sprüchen, Motiven und Logos auf ökologisch hergestellten Shirts zu einem nachhaltigen Lebensstil, die noch nie auf einer Demo waren. Stardesigner springen aufDiskussion um Protestmode: Das deutsche Zeit-Magazin beklagte in diesem Frühjahr, dass die Protestmode grau und eintönig geworden sei. In einem Bericht hiess es: „Die Demonstranten von heute sehen genauso trist aus wie die, gegen die sie auf die Straße gehen. Keine Spur von eigensinnigem Rebellen-Schick.“ Deshalb hatte die Redaktion „14 Designer gebeten, dieses Stilmittel wiederzubeleben und damit die neue deutsche Protestkultur schöner zu machen.“ Der Artikel erntete herbe Kritik durch Kommentatoren: „Dieser Artikel, die Aufmachung und wie sehr sich an der Kommerzialisierung der Protestkultur aufgegeilt wird ist einfach nur peinlich...für die Zeit und die Modewelt insbesondere“, hiess es. Und „Ich glaube, Sie waren noch nie auf einer Demo und haben sich die Shirts der dortig Protestierenden angeschaut? Aber klar, perfekt inszenierte Hochglanzbilder die sich problemlos auf 3x4 Meter Leinwände bespannen ließen sorgen natürlich für eine wohlverdiente Revolution in der Kleiderordnung. Ich frage mich ja, wieviel Geld zu den Designern, Models und Fotografen für diese Aktion geflossen ist. Hätte man die nicht besser den NGO's spenden können?“ WAS MEINEN SIE? Manche grossen Namen stehen längst dahinter. So auch einer der momentan bekanntesten deutschsprachigen Modeschöpfer Michael Michalsky aus Berlin. Er hat für die Naturschutzorganisation WWF im Rahmen der neuen Fashion-Linie „MICHALSKY for WWF“ eine exklusive T-Shirt Kollektion mit dem Titel „PROTECT!“ entworfen. Auch hier geht es um ein ökologisches Statement gepaart mit modischem Schick. Anhand kunstvoller Tierillustrationen macht er die Modewelt auf die Schönheit und die Zerbrechlichkeit der Natur aufmerksam. Für die Herstellung werden ökologische Materialien verwendet und das Druckverfahren der Illustrationen entspricht Öko-Standards. „Mit der Kollektion wollen wir auf die Ziele und Projekte des WWF Deutschland aufmerksam machen und zum Erhalt der Einzigartigkeit der Natur beitragen“, erklärt Michael Michalsky. Nachhaltigkeit ist nicht immer aufgesetztUnd hinter dem Trend steht in vielen Fällen nicht nur Style, sondern Bewusstsein. Die Gründerin des Berliner Fashion Labels „SPEAK UP!“ Junia Keutel hat lange als Art Directorin für digitale Medien gearbeitet und hat dann bewusst in die Modebranche gewechselt: „Nachdem ich mich so lange Zeit mit der digitalen Welt beschäftigt habe, hatte ich den Wunsch, etwas Anfassbares und sehr Unmittelbares zu schaffen. Gleichzeitig wollte ich auch das Thema Ökologie und Umweltschutz mit einbringen – da lag der Schritt zu grüner Mode nahe.“ Ihr Label steht unter dem Motto „Protect our Planet“, was übersetzt soviel wie „Beschütze unsere Erde” heisst. Mit frechen Sprüchen für beispielsweise Kids-Shirts wie „Save Water, don’t wash my hair!“ oder „Fresh Air, Clear Water, Dirty Feet” haben die Stücke inzwischen Kultstatus erlangt – längst auch bei Mode für Erwachsene. Verwandte Themen| { Christiania macht dicht, 28.04.11 } | | { Ethik gehört zu Nachhaltigkeit, 26.11.10 } | | { Stipendium für grüne Ideen, 11.11.10 } | | { Mit fürstlicher Familie Gutes tun, 10.11.10 } | | { Grüne Pioniere gesucht, 29.09.10 } | | { Für Nachhaltigkeit werben, 09.09.10 } | | { Entspannt Euch!, 01.09.10 } | | { Freiwillige für Ökoeinsätze, 15.07.10 } | | { Klettern für die Umwelt, 03.06.10 } | | { Bereit für die gute Sache, 17.05.10 } |
Ein Bewusstsein im Alltag für die Umwelt zu schaffen, und das mit hipper Bekleidung und prägnanten Sprüchen, ist auch ein Ziel der New Yorker Künstlerin Jen P. Harris. Sie produziert unter ihrem Label „black sheep heap“ Öko-Mode mit Augenzwinkern. Ihr Spezialgebiet: Siebdrucke mit Stil. Farben auf Wasserbasis werden für den Druck verwendet, die T-Shirts sind aus Biobaumwolle, die Verpackung besteht aus gebrauchtem Packpapier. Gemüse aller Art tummeln sich auf ihren T-Shirts, die ebenso stylish wie kampfeslustig daherkommen. Wenn sich Karotten mit Ausdrücken wie „Avant-Gardener“ oder Rote Bete mit „Beet the System“ paaren, dann werden auch die hartnäckigsten Verweigerer von Message-T-Shirts schwach. Neben T-Shirts verkauft sie Taschen, malt Bilder, schreibt an einem eigenen Blog und illustriert für Organisationen wie „Just Food“, die den ökologischen Lebensstil in New York fördern. Kleine Labels erobern ModeUnd die Anzahl von kleinen Labels, die sich einen Platz im nachhaltigen Kleiderschrank erkämpfen, wird immer grösser. „WOW! Wear“ bietet T-Shirt-Weisheit in coolen Sprechblasen unter dem Motto „Wear your words of wisdom“ und nach den nachhaltigen Produktionskriterien von „Spreadshirt“ an. Auch das Münchner Label ThokkThokk macht mit ökologisch korrekt hergestellten Shirt mit Aufdrucken wie „Seed the tree“ Furore – ihre weniger plakative, dafür aber grafisch anspruchsvolle Kollektion ist zum Teil beim Schweizer Online-Shop für bewussten Konsum rrrevolve.ch zu haben. Und wer sein Motiv mit niemandem teilen will, für den ist es einfacher denn je, sein Unikat zu schaffen, ohne auf Textilfarbe und Pinsel zurückgreifen zu müssen. Auf Websites wie zazzle.ch kann man seine individuellen Statements auf Shirts drucken lassen. Doch aufgepasst: Wenn Nachhaltigkeit draufsteht, muss auch Nachhaltigkeit drin sein. Wer sich mit Sprüchen für die gute Sache auf der Brust schmückt, muss auch dahinter stehen und Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen. Bild: Katharine Hamnett exclusively for EJF (Environmental Justice Foundation).
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