Bern - Die Konzentration von PCB, Dioxinen und Furanen in der Muttermilch hat in der Schweiz fast um die Hälfte abgenommen. Das schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer Presseaussendung. Zurückzuführen sei diese Entwicklung auf die Massnahmen im In- und Ausland zur Reduktion dieser Schadstoffe. Damit die Belastung nachhaltig zurückgehe, seien jedoch weitere Anstrengungen nötig. Die Schweiz habe 2009 zum ersten Mal an einer Messkampagne der Weltgesundheitsorganisation teilgenommen, deren Ergebnisse am 26. April in Genf anlässlich der Konferenz über die persistenten organischen Schadstoffe (Persistent Organic Pollutants, POP) der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. POPs sind vom Menschen hergestellte Chemikalien, die in der Umwelt nur schwer abbaubar sind und toxische Eigenschaften aufweisen, schreibt Bafu. Zu den POPs gehörten Substanzen wie die polychlorierten Biphenyle (PCB), Dioxine, das Insektizid DDT oder bromierte Flammschutzmittel. Viele POPs reicherten sich besonders in fetthaltiger Nahrung und dadurch auch im Menschen an, wo sie vorwiegend im Fettgewebe und in der Muttermilch eingelagert würden. Auf Initiative des Bafu beteiligte sich die Schweiz erstmals an dieser weltweit durchgeführten Studienreihe. Im Zeitraum April 2008 bis November 2009 seien in drei Schweizer Spitälern Muttermilchproben gemäss WHO-Vorgaben erhoben worden. Aus 50 Einzelproben sei eine repräsentative Mischprobe hergestellt und anschliessend im WHO-Referenzlabor auf POPs hin analysiert worden. Die Resultate zeigten für alle untersuchten POPs keine auffälligen Werte. Die Konzentrationen der gemessenen POPs liegen im Bereich anderer europäischer Länder, schreibt Bafu. Die Hintergrundbelastung mit POPs nehme weiterhin ab. Es seien keine Anpassungen der geltenden Ernährungs- oder Stillempfehlungen vorzunehmen. Die Belastung mit PCB in der Schweiz und in anderen Industriestaaten - trotz des abnehmenden Trends - sei hingegen im Vergleich zu Staaten mit geringerem historischen PCB-Verbrauch immer noch relativ hoch. Diese Resultate deckten sich auch mit Ergebnissen aktueller Studien, die aufzeigen, dass auch in der Schweiz heute noch PCB aus Altlasten und aus Bauten, die vor 1975 errichtet worden sind (z.B. aus PCB-haltigem Fugenkitt und Korrosionsschutzbeschichtungen) in die Umwelt und damit in die Nahrungskette des Menschen gelangen, schreibt Bafu. Das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe, kurz POP-Konvention, zählt heute 172 Vertragsparteien, heisst es. Mit dem Inkrafttreten der POP-Konvention 2004 wurden 12 Substanzen, die sogenannten "klassischen" POPs, die auch als „das schmutzige Dutzend" bezeichnet werden, verboten, schreibt Bafu. Dabei handele es sich um neun Pestizide (Aldrin, Chlordan, DDT, Dieldrin, Endrin, Heptachlor, Hexachlorobenzol, Mirex, Toxaphen), polychlorierte Biphenyle (PCB), sowie polychlorierte Dioxine und Dibenzofurane, die als Nebenprodukte bei der Herstellung von chlororganischen Verbindungen und in Verbrennungsprozessen entstehen können. Als "neue" POPs werden laut Bafu persistente organische Verbindungen bezeichnet, welche die Vertragsparteienkonferenz im Mai 2009 in die Anhänge der POP-Konvention aufgenommen hat. Dazu gehörten diverse Pestizide (Chlordecon, alpha- und beta-Hexachlorcyclohexane sowie Lindan), mehrere bromierte Flammschutzmittel (Hexabrombiphenyl und bestimmte polybromierte Diphenylether), Pentachlorbenzol, Perfluoroctylsulfonsäure und ihre Salze (PFOS) und Perfluoroctylsulfonylfluorid). Über die Aufnahme von Kandidaten-POPs in die Anhänge der POPs-Konvention entscheide die Konferenz der Vertragsparteien. (eg)
|