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Aufruf an Schoggi-Industrie

Geschrieben von: Andrea Hüsser, Erklärung von Bern 22.04.11
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Auch nach dem faktischen Amtsantritt des rechtmässigen Präsidenten bleibt die humanitäre Not in der Elfenbeinküste gross. Immerhin werden in Kürze wieder Ausfuhren von Kakao erwartet, dem wichtigsten Exportgut des Landes. VOICE, das europäische Netzwerk von NGOs und Gewerkschaften, fordert von der Kakaoindustrie, statt Rückkehr zum Business as usual nun der grassierenden Kinderarbeit endlich ein Ende zu setzen und eine nachhaltige Kakaobeschaffungskette aufzubauen.

Der seit einem Jahrzehnt währende Konflikt in der Elfenbeinküste wurzelt tief. Extrem niedrige Einkommen aus der Kakaoproduktion und fehlende Investitionen in die Weiterbildung von Bauernfamilien sind die Hauptgründe für die extreme Armut und Unzufriedenheit in der Region. Dies hat zur Verbreitung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, zu von Gewalt zwischen Migranten und der lokalen Bevölkerung sowie zu einer Vernachlässigung von Umweltbelangen geführt. Unter all dem leiden vor allem die 800‘000 Kakaobauern, die das wichtigste Exportgut des Landes produzieren.

Die Kakao verarbeitenden Unternehmen erkennen diese massiven Probleme teilweise an. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um dem zunehmenden Zerfall der Angebotskette von Kakao entgegenzuwirken, die alle beteiligten Akteure akut betrifft. Die nachhaltige Wirkung blieb aus: Die Armut in der ländlichen Elfenbeinküste hat in der Zwischenzeit zugenommen.

Mit Ostern und dem damit einhergehenden Schokolade-Spitzenkonsum vor Augen, hat die Universität von Tulane (New Orleans) ihren aktuellen Bericht über die Kinderarbeit in den Kakaoanbaugebieten Westafrikas veröffentlicht. Die bedrückenden Resultate belegen, dass die laufenden Anstrengungen der Schokoladenindustrie, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit und Armut auf den Farmen abzuschaffen, die versprochenen Resultate bei weitem verfehlen.

Kakaoaufkäufer und –verarbeiter wie Nestlé, Mars, Kraft, Ferrero, Barry Callebaut, ADM und Cargill müssen den politischen Neubeginn in der Elfenbeinküste nutzen und unterstützen. Die aktuelle Situation bietet eine historische Chance und Verantwortung , um mit dem Aufbau transparenter Angebotsketten zu beginnen, die Kakaobauernorganisationen stärkt und die schlimmsten Formen von Kinderarbeit beseitigt. Zurück zur Tagesordnung zu gehen, nachdem der Export unter dem neuen Präsidenten wieder anläuft, ist keine Option.

Weitere Informationen:
www.childlabor-payson.org (Tulane Report)
oder
Andrea Hüsser, Erklärung von Bern,
Tel.: 044 277 70 10
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
www.evb.ch/schoggi

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