Freiburg/Fribourg - Die Erwärmung der Alpengletscher schreitet noch schneller voran als bisher angenommen. Dies belegen die neusten Messresultate einer vom Departement für Geowissenschaften der Universität Freiburg-Fribourg geleiteten Langzeitstudie. Aufgrund der Forschungsergebnisse lassen sich laut einer Medienmiteilung der Schweizer Universität weitreichende Folgen für Mensch und Natur skizzieren.
Mit den Messungen am 4.452 Meter über dem Meer hohen Firnsattel des Colle Gnifetti am Monte Rosa wurde die Erwärmung der Firn- und Eistemperaturen gemäss der Mitteilung erstmals über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren beobachtet. In der Studie mit dem Titel Evidence of accelerated englacial warming in the Monte Rosa area, Switzerland/Italy habe das Forscherteam um Professor Martin Hölzle von der Universität Freiburg herausgefunden, dass die Temperatur des Hochgebirgsschnees, der mindestens einen Sommer überdauert, in den letzten 20 Jahren in beschleunigter Weise angestiegen ist: Während die Firntemperaturen in 20 Metern Tiefe in der Periode von 1982 bis 1991 praktisch keine Veränderungen gezeigt hätten, seien die Temperaturen zwischen 1991 und 2000 um etwa 0,05 Grad Celsius pro Jahr angestiegen. Von 2000 bis 2008 habe die Temperatur jährlich bereits um 0,16 Grad Celsius zugenommen. Dieser Temperaturanstieg fällt laut der Uni-Mitteilung deutlich höher aus als die Erwärmung der atmosphärischen Lufttemperatur für den gleichen Zeitraum.
Aufgrund von Temperaturszenarien aus Klimamodellen muss deshalb nach Einschätzung der Universität Freiburg mit einer überproportional starken Erwärmung von sogenannt kalten Gletschern durch eine erhöhte Schmelzwasserinfiltration gerechnet werden. Diese Entwicklung könne verschiedene weitere Effekte auslösen: Einerseits könnten zukünftig vermehrt lokale Stabilitätsprobleme steiler, ehemals am Berg angefrorener Hängegletscher auftreten. Andererseits würde es zu einer schnellen und irreversiblen Zerstörung eines Jahrtausende alten, einzigartigen Umwelt- und Klimaarchives führen. Die im Eis gespeicherten Stoffe könnten dann nicht mehr zur Analyse und Erforschung früherer Klimareihen dienen. (ug)