Die Akzeptanz für Windkraft wächst

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Raphael Corneo, Freiburg 18.04.11
Bookmark and Share
Stichworte:         

Die Windenergie ist im Stande, einen grossen Beitrag an eine nachhaltige Energieproduktion zu leisten. Doch die Akzeptanz muss noch steigen, sagt Matthias Haldimann, Operativer Chef der Alpine Wind AG. Seit Fukushima sei ein Stimmungswandel spürbar.

Raphael Corneo: Welches Potenzial hat die Windenergie in der Schweiz?

Matthias Haldimann: Sie hat klar das Potenzial von mehreren Prozent des heutigen Stromverbrauchs. Schlussendlich ist der Umfang der Windenergienutzung ein gesellschaftlicher und politischer Entscheid. Wenn die Schweizer Bevölkerung konsequent auf Windenergie setzen will, sind Hunderte von Windenergieanlagen realisierbar. Wenn Politik und Bevölkerung zögern, werden wir natürlich deutlich darunter liegen. Das technische Potenzial ist da.

Raphael Corneo: Wenn alle mitmachen, wie viel Prozent an der Energieproduktion wären möglich?

Matthias Haldimann: Fünf bis zehn Prozent halte ich in der Schweiz für machbar.

Raphael Corneo: Wo könnten diese Windanlagen stehen?

Matthias Haldimann: Die besten Standorte sind primär im Jurabogen. Dort hat man zugleich gute Windverhältnisse und eine gute Zugänglichkeit für den Transport und die Installation der Anlagen. Auch im Alpenraum gibt es vom Wind her gute Standorte. Dort ist aber oft aufgrund des steilen und unwegsamen Geländes die Zugänglichkeit problematisch. Zudem ist der Betrieb von Windenergieanlagen in grosser Höhe technisch anspruchsvoll. Natürlich gibt es auch im Mittelland Standorte mit relativ guten Voraussetzungen. Das Potenzial ist dort aber geringer und auch die dichte Besiedlung setzt dem Ausbau der Windenergie Grenzen.

Raphael Corneo: Der Widerstand gegen Windanlagen ist überall gross...

Matthias Haldimann: Ja, der Widerstand ist tatsächlich gross. Es gibt einen Widerstand auf ganz verschiedenen Ebenen. Einerseits der Widerstand von Schutzorganisationen von Landschaft oder Umwelt. In diesem Bereich ist entscheidend, im konstruktiven Dialog mit diesen Organisationen die Projekte so zu optimieren, dass ein für alle tragbarer Kompromiss zu Stande kommt. Das wird in vielen Fällen durchaus möglich sein. Daneben gibt es die individuelle Opposition. Hier geht es meistens um Partikularinteressen von Leuten, welche persönlich betroffen sind weil sie in der Nähe eines geplanten Windparks leben. Auch hier müssen die Menschen miteinbezogen werden. Windparks kann man aber nicht „verstecken“, insofern ist es oft schwierig, Personen entgegenzukommen, die sich zum Beispiel am Anblick eines Windparks stören. Schliesslich gibt es noch die Fundamentalopposition, und die macht mir am meisten Sorgen. Diese Opponenten versuchen, Windparks grundsätzlich zu verhindern. Ein Beispiel ist die kantonale Volksinitiative gegen Windparks im Kanton Neuenburg. Die Initianten geben vor, dem Volk die Mitsprache zu ermöglichen – dagegen wäre rein gar nichts einzuwenden. Der Initiativtext hätte in der Praxis aber zur Folge, dass sämtliche Windprojekte im Kanton Neuenburg auf viele Jahre hinaus blockiert würden. Hier ist es unsere Aufgabe, die Bevölkerung gut zu informieren und aufzuklären. So werden sich Abstimmungen gewinnen lassen – immerhin unterstützen gemäss aktuellen Umfragen 93 Prozent der Bevölkerung des Kantons Neuenburg den Ausbau der Windenergie.

Raphael Corneo: Denken Sie, dass nach der Katastrophe in Fukushima die Akzeptanz für Windenergie auch in der Bevölkerung wächst?

Matthias Haldimann: Ja, ich habe diesen Eindruck. Aber ich könnte nicht sagen, dass wir nun dadurch in der Projektarbeit schon Fortschritte erzielt hätten. Die Ereignisse in Japan haben die Situation verändert und ich gehe davon aus, dass sich das auf die Bewilligungsverfahren auswirken wird. Denn dort ist eine wichtige Komponente die Interessensabwägung zwischen Energieproduktion und Auswirkungen eines Projekts auf Menschen und Umwelt. Das Interesse der nachhaltigen Energieproduktion wird künftig höher gewichtet werden.

Raphael Corneo: Was wünschen Sie sich von der Politik?

Matthias Haldimann: Die Bewilligungsverfahren müssen unbedingt beschleunigt, vereinfacht und auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene besser koordiniert werden. Wir brauchen rechtzeitige, klare und verbindliche Vorgaben, damit wir eine gute Planungs- und Rechtssicherheit haben.

 

Zur Person:
Matthias Haldimann (35) ist Operativer Direktor der Alpine Wind AG. Alpine Wind befasst sich seit zwölf Jahren mit der Technologie, der Projektentwicklung und dem Management von und für Windparks. Das Unternehmen sucht Standorte für Windparks und übernimmt die Projektentwicklung sowie die Planung und Realisierung der Anlagen.

 

 Das vollständige Interview finden Sie auf Cleantech.ch  

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren