BP zwischen den Fronten

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Geschrieben von: Gabriel Rath, London 14.04.11
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Der britische Ölkonzern BP bekommt es mit Demonstranten und seinen eigenen Aktionären zu tun. Diese ärgern sich über hohe Kursverluste, Millionenzahlungen an die Unternehmensführung und ein verpatztes Geschäft in Russland.

Wo sonst Ärger höchstens bei der heissen Schlacht am kalten Buffet ausbricht, artikulierte sich gestern in den Londoner Docklands gleich eine geballte Ladung von Unzufriedenheit: Rund ein Jahr nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stand gestern die Jahresversammlung des Energiekonzerns BP ganz im Zeichen des Unmuts und der Proteste. Dafür gab es Erleichterung für die Unternehmnesführung an anderer Front: Der russische Ölkonzern Rosneft gewährte eine Verlängerung der Frist für den Abschluss des geplanten Aktientausches auf 16. Mai.

Elf Tote, 40 Milliarden Dollar weniger

Mit dem im Januar angekündigten Geschäft, immerhin 16 Milliarden Dollar (11 Milliarden Euro/14,5 Milliarden Franken) schwer, hatte der neue BP-Chef Bob Dudley eigentlich einen Befreiungschlag setzen wollen. Das Unglück im Golf von Mexiko hatte nicht nur elf Menschenleben gefordert, sondern BP auch 40 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen mittlerweile wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist und wieder Dividenden zahlt, liegt der Aktienkurs heute immer noch mehr als ein Drittel unter dem Stand vor der Explosion im Golf.

Ärger mit den Oligarchen

In Russland hatte Dudley aber, nicht zum ersten Mal, die Rechnung ohne den Wirt gemacht. BP ist dort Hälfte-Eigentümer des Ölkonzerns TNK-BP. Eine Gruppe von Oligarchen, denen die übrigen 50 Prozent gehören, haben eine einstweilige Verfügung gegen den BP-Rosneft-Deal erwirkt, den auch Schiedsgerichte in London und Stockholm bestätigt haben. Bezeichnenderweise bestätigte gestern Rosneft-Sprecher Rustam Kascharow die Verlängerung der Frist an BP, lehnte aber jeden Kommentar zu Gerüchten ab, wonach der russische Ölriese, der auf dem Yukos-Konzern basiert, längst auf der Suche nach anderen Partnern sei.

Gleichzeitig versucht BP fieberhaft, die störrischen Oligarchen auszukaufen. Nach Berichten aus Moskau wurde ein Angebot von 27 Milliarden Dollar für den 50 Prozent-Anteil abgelehnt, und angeblich verlangen die Oligarchen mittlerweile 70 Milliarden Dollar - bei einem Börsenwert von 47,5 Milliarden Dollar für das Gesamtunternehmen. „Unsere Position ist sehr klar: BP hat diese Situation verursacht und muss nun einen vernünftigen Ausweg finden. Nichts dergleichen ist bisher geschehen”, sagte der Sprecher der Oligarchen, Stan Polovets.

Kritik muss sich die BP-Führung auch von unabhängiger Seite gefallen lassen. „Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels”, sagte der Analyst Oswald Clint. „Das ist eine vertrackte, komplizerte und langwierige Situation.” Umgekehrt streute BP gestern aber, die Oligarchen könnten im Poker um den höchstmöglichen Preis ihr Blatt überreizt haben: „Alles, was sie bisher erreicht haben, ist, dass alle verlieren.”

Demonstrationen gegen BP

Um ihren Unmut über die BP-Führung auszudrücken, hatten gestern manche Demonstranten weite Reisen auf sich genommen. Aus dem Golf von Mexiko, aus Kanada und aus Nordengland hatten sich Betroffene von BP-Projekten versammelt, die mit Trommeln und Rufen vor dem Konferenzgebäude in den Londonern Docklands auf ihren Ärger aufmerksam machten. „Ich bin gekommen, um meinen Ärger und den von Tausenden Mitbewohnern auszudrücken”, sagte die Fischersfrau Diane Wilson aus Texas. „Unsere Lebensgrundlage ist zerstört worden und wir sind dafür nicht ausreichend entschädigt worden.”

Millionen für Versager

Aus Protest gegen die Fehler der Geschäftsleitung kündigten zwei Pensionsfonds, die zu den führenden BP-Aktionären gehören, an, gegen den Jahresbericht und den Vorstand für Sicherheit, Bill Castell, zu stimmen. Besonders von Kleinanlegern wurde zudem Ärger über die weiterhin mehr als grosszügigen Zahlungen an das Top-Management ausgedrückt: Der im Vorjahr geschasste BP-Chef Tony Hayward bekam als „Belohung” für seinen mehr als unglücklichen Umgang mit der Ölkatastrophe vor Texas eine Pension von 17,9 Millionen Dollar, eine Abfertigung von 1,6 Millionen Dollar und Aktienoptionen von13 Millionen Dollar. Und musste sich gestern nicht einmal mehr der Kritik der Aktionäre stellen.

 

Bild: Robert Dudley (BP) und Eduard Khudainatov (Rosneft). (BP)

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