Berlin - In der Diskussion um den Atomausstieg hat die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR) vor einem übereilten Ausbau erneuerbarer Energien gewarnt. Denn dabei müssten gleichzeitig strenge Effizienzstandards festgelegt werden. Darüber berichtet Proplanta in einem Artikel. Neben Strom aus Sonne, Wind und Wasser ist Holz eine weitere umweltfreundliche Alternative zur Atomkraft – aber nur dann, wenn der wertvolle Rohstoff effizient genutzt wird, heisst es. "Die Auswirkungen einer undifferenzierten Förderung der Biomassenutzung wären für die Holzwirtschaft fatal", wird Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Branchenverbandes, zitiert. Schon heute werde Holz, das eigentlich für die Produktion von Bauholz, Möbeln, Fussböden, Zellstoff und Papier geeignet wäre, sofort verbrannt. Biomassekraftwerke sowie Biomasseheizkraftwerke könnten häufig nicht mit dem derzeit am Markt verfügbaren Energieholz ausgelastet werden und beheizten ihre Anlagen zunehmend mit frischem Waldholz. Nach Erkenntnissen der AGR kann die Energiegewinnung aus Holz nur durch Effizienzsteigerung wachsen, da das Biomassepotenzial in Deutschland begrenzt ist. "Es geht darum, aus dem vorhandenen Holz ein Maximum an Wertschöpfung zu erzeugen", so Ohnesorge. Dies müsste gerade bei Fördermassnahmen für die Bioenergie wie dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) oberste Priorität haben. Die Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie seien neben ihrem Kerngeschäft gleichzeitig bedeutende Lieferanten von Ökostrom. Beispielsweise produziere die Zellstoff Stendal GmbH bei Arneburg in Sachsen-Anhalt jährlich über 600.000 Tonnen Zellstoff, der für die Herstellung von Hygiene- und Druckpapier verwendet werde. Darüber hinaus sei Zellstoff Stendal Betreiber von Deutschlands grösstem Biomassekraftwerk mit einer Leistung von 100 Megawatt. Das angeschlossene Biomassekraftwerk werde dabei nicht mit frischem Waldholz, sondern ausschliesslich mit den im Produktionsprozess anfallenden Reststoffen gespeist. Das Werk erzeuge somit, neben dem Zellstoff, seinen gesamten Eigenbedarf an Strom und Wärme selbst und beliefere mit dem Überschuss zusätzlich rund 100.000 Haushalte in der Region mit Strom. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 250 Biomassekraftwerke beziehungsweise Biomasseheizkraftwerke, die insgesamt eine elektrische Leistung von derzeit 1.200 Megawatt haben, berichtet Proplanta, wobei die Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie etwa 45 Prozent der Anlagen betreiben. Hinzu kommen sechs Biomasseheizkraftwerke der Zellstoff- und Papierindustrie mit einer Leistung von etwa 220 Megawatt, schreibt Proplanta. (eg)
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