Berlin - Für einen Vergleich existierender Studien zu CO2-Fussabdrücken hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) eine Studie durch das Öko-Institut Feiburg erstellen lassen. Denn wie bekannt, haben die Produktion und der Konsum von Lebensmitteln Einfluss auf die CO2-Bilanz und die wiederum auf unser Klima. Der bewusste Einkauf von Lebensmitteln gewinnt daher zunehmend an Bedeutung, schreibt das Öko-Institut in einer Pressemitteilung. Ausgeprägte "CO2-Fussabdrücke" entstehen den Ergebnissen zufolge meist in bestimmten Phasen der Lebenszyklen eines Produktes – wie beispielsweise beim Fisch, der per Flugzeug zum Verbraucher transportiert wird. Er habe unabhängig von allen übrigen Lebenszyklusphasen immer und nur im Bereich des Transports einen ausgeprägten CO2-Fussabdruck. Um die Möglichkeit einer Zuordnung von Lebensmitteln hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen zu bestimmten Lebenszyklusphasen näher zu untersuchen, wertete das Öko-Institut eigenen Angaben zufolge rund 180 vorhandene Product-Carbon-Footprint (PCF)-Studien zu Lebensmitteln aus. Die Studien analysierten den CO2-Fussabdruck von rund 600 Produkten aus den Bereichen Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse sowie Convenience-Produkte. "Bei vielen vorhandenen Studien existieren - so das Ergebnis der Studie - grosse Lücken in der Bilanzierung. Über die Hälfte der Analysen konnte aufgrund ihrer Intransparenz über die verwendete Methodik gar nicht erst für weitere Aussagen zu Klimaauswirkungen von Lebensmitteln herangezogen werden", wird Dr. Jenny Teufel, Wissenschaftlerin am Öko-Institut, in der Pressemitteilung zitiert. Unterschiede gebe es hinsichtlich der Systemgrenzen, das heisst welche Lebenswegabschnitte in die Analyse mit einbezogen worden seien. Vor diesem Hintergrund weisen die Ergebnisse von PCF-Studien zu gleichen Produktgruppen eine zum Teil sehr hohe Bandbreite auf, heisst es. Bei Rindfleisch schwankten die Angaben zum Gesamttreibhausgasemissionswert zwischen sieben und 41 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Rindfleisch, bei Naturjoghurt zwischen sechs bis 23 Prozent. Zwar habe dies selten Einfluss auf die Zuordnung der CO2-Emissionen zu den bestimmten Lebenszyklusphasen, aber die Studie habe damit auch deutlich gemacht, dass die im Handel vorhandenen CO2-Label oder Angaben zu CO2-Werten einzelner Lebensmittelprodukte dem Verbraucher zur Zeit nur eine eingeschränkte Orientierung böten. Von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur Zubereitung von Lebensmitteln und deren Entsorgung bestünden produktspezifisch grosse Potenziale zur Einsparung von Treibhausgasen. Grundvoraussetzung seien einheitliche Regeln zu ihrer Bilanzierung. Mit der derzeitigen Entwicklung eines internationalen Standards, der ISO-Norm 14067, werde voraussichtlich die prinzipielle Vorgehensweise für Klimagasbilanzen von Produkten und deren Kommunikation festgeschrieben. Erst wenn künftige PCF-Studien auf methodischer Basis erarbeitet würden, liessen sich vergleichbare Daten erheben und solide Handlungsempfehlungen ableiten. Diese könnten dann als Orientierungshilfe für Verbraucher, als Grundlage für interne Optimierungsprozesse von Produzenten oder für die Weiterentwicklung politischer Instrumente zur Förderung des nachhaltigen Konsums im Lebensmittelbereich dienen. (eg)
|