Effizienz fördern

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Geschrieben von: Alain Schilli, Gaia Global 11.04.11
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Aktuell gilt die mediale Aufmerksamkeit den Ereignissen in Libyen und Japan. Bis vor kurzem waren Geschwindigkeit und Heftigkeit von politischen Umwälzung in den Nordafrikanischen Emerging Markets undenkbar, welche als Standort für das geplante solarthermische Energieprojekt Desertec vorgesehen sind.  Die Nuklearkatastrophe in Japan stellt die statistische Güte der Restrisikoabschätzung  von Atomanlagen in Frage. Das Wegschmelzen der Option Nuklearenergie für eine CO2-arme Stromversorgung und vormals als günstig bewertete Standorte für neue Energieprojekte lässt das internationale Energieparkett erzittern. Es löst regelrecht eine unkontrollierte Kettenreaktion von energiepolitischen Entscheiden in diversen Ländern der entwickelten Welt aus. Das menschliche Leid und Schicksal der Bevölkerung rückt in den Hintergrund.

Im Vordergrund rückt hingegen die Diskussion der Sicherheit der Stromproduktion, die Verfügbarkeiten von Energieressourcen und Produktionskapazitäten. Die IEA hat vor kurzem im Rahmen des G8-Gipfels die Energieeffizienz als zentrale Säule der Energiepolitik betont und damit auch festgehalten, dass allein dadurch 20% des globalen CO2-Ausstosses reduziert werden kann. In anderen Untersuchung wurden die zur Zeit besten, verfügbaren Energieeffizienz-Technologien wie in Kraftfahrzeugen, gewerblich-industrielle Produktion , Gebäude oder Konsumgüter analysiert. Es zeigt, dass bis zu 50% des Energieverbrauches pro Individuum reduziert werden kann.

Googelt man im Netz unter den deutschen wie englischen Begriffen „Energieeffizienz“ und „Energieproduktion“ überragen die Energieeffizienz-Hits. Mit der durch Fukushima ausgelösten Diskussion und Berichterstattung verhält es sich gerade umgekehrt. Einseitig wird die Energieproduktion und oft nur der Stromteil beleuchtet. Es ist von zentraler Bedeutung, wollen wir Lösung orientiert und langfristig ökonomisch handeln, dass wir in der energiepolitischen Diskussion klar zwischen Energieproduktion und Energienachfrage unterscheiden und entsprechend Handlungsfelder und Massnahmen-Pakete definieren.

Unser Energiehunger nimmt global stetig zu, massgeblich getrieben durch Bevölkerungswachstum und Lebensstandardzuwachs. Der Stromanteil am globalen Energiebedarf, neben Kohle, Erdöl und Erdgas, macht nur rund ein Fünftel aus. Für die Schweiz und viele entwickelte Gesellschaften sind die Geschehnisse in Libyen und Japan gleichbedeutend mit fossilen Abhängigkeiten und mit Fragen zu Grenzkosten wie Grenzrisiken der Energiebereitstellung. Die Bewältigung dieser Krisen generieren volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Kosten, die nicht wahrheitsgetreu in die Energiepreisbildung eingebaut werden. Dies führt zu Ressourcen-Fehlallokationen und falschen Investitionsentscheiden. Im Bereich von CO2-Emissionen setzt sich langsam eine Preisbildung für eine emittierte Tonne durch und damit findet die Kosten des Klimawandels in den Preis von fossilen Energieträgern Eingang.

Aus wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und wettbewerbspolitischen Gründen ist es höchste Zeit die Säule der Energieeffizienz ernsthaft anzugehen, ohne die Energiepolitik der G20-Länder der Gefahr eines Durchschmelzens auszusetzen. Den Worten und bisherigen Absichtserklärungen sollen Taten folgen. Dafür spricht vieles, denn Investitionen in energieeffiziente Systeme, Produkte und Massnahmen sind oft ökonomischer, als die gleiche Investition für den Aufbau zusätzlicher Energieproduktionskapazitäten bei ausbleibendem Energienachfragemanagement.

Die Schweiz und insbesondere die Schweizer Unternehmen im Cleantech-Bereich sind für energieeffiziente Dienstleistungen, Güter und Prozesse hervorragend positioniert. Sie können auf viel Erfahrung mit Umwelttechnologien, Erneuerbaren Energien oder im Gebäudebereich zurückgreifen. Die lange Tradition für den Einsatz im Nachhaltigkeitsbereich, die Schweizer Qualität, die hohe Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft und das starke Bildungssystem verschaffen uns internationale Wettbewerbsvorteile. Nutzen wir diese Chancenpotentiale für Wertschöpfung im Inland bei gleichzeitigem Beitrag zur Realisierung der Low-Carbon-Economy. 

 

Zur Person:
Alain Schilli ist Managing Director bei Gaia International SA. Er ist Experte für Nachhaltigkeit und Risikomanagement, erneuerbare Energien und Klimawandel. Schon seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in diesem Feld und konnte auf verschiedenen Management- und Beratungspositionen Erfahrungen sammeln. 

 

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