Nach der Atomkatastrophe in Japan ueberdenken viele Laender ihre Ausbauplaene fuer Atomstrom. Dies birgt die Gefahr, dass vermehrt Kohlestrom zum Einsatz kommt. Umweltorganisationen verlangen derweil, dass die Stromversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Quellen umgestellt wird. Dies ist moeglich, aber wohl etwas teurer. “Fukushima wird sicherlich einen Einfluss auf die Klimaverhandlungen haben.” sagt Artur Runge-Metzger, der Leiter der EU Delegation, zu Beginn der Klimaverhandlungen in Bangkok diese Woche. Welchen Einfluss die nukleare Katastrophe in Japan haben wird, ist aber noch unklar. Die deutlichste Warnung, dass weniger Atomstrom zu hoeheren CO2 Emissionen fuehren koennte, kommt von der Internationalen Energieagentur IEA. Bislang ist die IEA davon ausgegangen, dass in den naechsten 25 Jahren die Kapazitaet der Atommeiler weltweit knapp verdoppelt wird. Nun hat die IEA ausgerechnet, was passiert, wenn nur halb soviele Kernkraftwerke neu gebaut werden wie erwartet: In diesem Fall liegt der globale CO2 Ausstoss im Jahr 2035 um 500 Millionen Tonnen ueber der bisherigen Schaetzung. “Das ist eine schlechte Nachricht fuer das Klima.” sagt Fatih Birol, der IEA Chefoekonom. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Japan und Deutschland. Der japanische Premierminister Naoto Kan hat zwar gesagt, dass Japan an seinem Ziel zur Reduktion der CO2 Emissionen festhalten wird. In Bangkok hat nun aber der japanische Vizeumweltminister eine Ueberpruefung des Ziels in Aussicht gestellt, bis 2020 ein Viertel weniger CO2 als 1990 zu emittieren. Und fuer Deutschland hat der Nachrichtendienst Point Carbon sogar schon ausgerechnet, um wieviel die Emissionen durch die Abschaltung der Altmeiler steigen: In den naechsten zehn Jahren werden insgesamt 436 Millionen Tonnen CO2 mehr emittiert als bei einem Weiterbetrieb der Altmeiler. Dennoch glaubt Runge-Metzger nicht, dass die EU deshalb weniger Ehrgeiz beim Kampf gegen den Klimawandel zeigen werde. Wie das gelingen soll, duerfte im Herbst klarer sein: Bis dann will die EU eine detaillierte “Roadmap 2050” zur Reduktion der CO2 Emissionen um 80 bis 95 Prozent vorlegen. Und nach Fukushima soll diese Roadmap nun auch ein Szenario mit sehr wenig Atomstrom beruecksichtigen. Aus Sicht von Umweltorganisationen muss die Welt aber nicht zwischen “Atomdesastern und einem Klimadesaster” waehlen. Die Loesung sei eine Zukunft, wo 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werde, sagt Tove Ryding von Greenpeace International. Dennoch koennen auch Umweltorganisationen nicht ausschliessen, dass weniger Atomstrom zu hoeheren CO2 Emissionen fuehrt: “Kurzfristig” wuerden die beschaedigten Reaktoren von Fukushima durch einen vermehrten Einsatz von Kohle, Oel und Gas ersetzt werden, sagt Naoyuki Yamagishi vom WWF Japan. “Dass Japan jetzt Kohlekraftwerke hochfahren muss, zeigt aber wie unzuverlaessig Kernenergie ist.” sagt Yamagishi weiter und erinnert daran, dass kein einziges Windrad dem Erdbeben zum Opfer gefallen ist. Ob die Welt schliesslich sowohl auf Atom- als auch auf Kohlestrom verzichten kann, haengt fuer Runge-Metzger derweil von einem ganz anderen Kraftstoff ab: Geld. “Es koennte halt ein bischen teurer werden, aber wir wollen die Leben unserer Kinder retten und Laender koennen dafuer eine Menge Geld ausgeben.”
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